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Wismar Nur 46 Einwohner - aber sechs Unternehmen
Mecklenburg Wismar Nur 46 Einwohner - aber sechs Unternehmen
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19:53 10.01.2019
Gleich nach der Wende hat sich Ralf Schnell mit einem Abschlepp-, Werkstatt- und Autoverwertungsunternehmen in Niendorf angesiedelt. Quelle: Peter Täufel
Niendorf

„Wenn die Gewerbesteuern bei uns in Niendorf blieben – uns würde es so richtig gut gehen“, sagt Armin Napp scherzhaft. Doch da der Ort seit langem zur Gemeinde Bad Kleinen gehört, kommen diese Einnahmen nicht allein den hier ansässigen 46 Bewohnern der insgesamt 14 Wohnhäuser zugute. Zumal der Sattlermeister neben den Ehlers-Brüdern, die eine Fliesenlegerfirma betreiben, der einzige Unternehmer ist, der in Niendorf auch seinen Wohnsitz hat.

Sattlermeister Armin Napp war der erste Gewerbetreibende in Niendorf, hat sich noch zu DDR-Zeiten selbstständig gemacht. Quelle: Peter Täufel

Die Sattlerei von Armin Napp ist das älteste hier ansässige Unternehmen: „Ich habe mich noch zu DDR-Zeiten selbständig gemacht – 1988 war das“, erinnert sich der Handwerker, der bis dato bei LeWa in Rehna gearbeitet hat, dort auch den Beruf erlernt hatte. Damals hatte er noch mit den Problemen des allgemeinen Mangels zu kämpfen: Kein Material, kaum geeignete Werkzeuge zu bekommen. „Arbeit gab es genug, ich konnte gar nicht alle Anfragen erfüllen“, berichtet er. In der Zeit hat er nur Auftragsarbeiten angefertigt und Reparaturen gemacht. Vom Pferdegeschirr und -sätteln über Täschnerwaren bis hin zu Autopolstern und Sitzmöbelbezügen. Einen Verkaufsladen gab es noch nicht. Der kam erst vor ein paar Jahren hinzu, als seine Frau Sabine, gelernte Erzieherin, ihren Beruf aufgab und diese Aufgabe und die Buchhaltung übernahm. Aktuell denken die beiden trotz nach wie vor voller Auftragsbücher über ihren Ruhestand nach. Ein Nachfolger für das Unternehmen ist nicht in Sicht - keines der drei gemeinsamen Kinder tritt in die Fußstapfen des Vaters. „Und ob eines der sechs Enkelkinder daran Interesse hat...“ – Armin Napp zuckt mit den Schultern.

Der Sattlermeister hat sich 1988 noch keine Gedanken um einen guten Standort für sein Unternehmen gemacht – er wohnte halt seit 1981 bereits in Niendorf. Doch bei den anderen Gewerbetreibenden war das ein entscheidendes Kriterium: „Direkt an der Bundesstraße, auf halbem Weg zwischen Wismar und Schwerin – besser kann es doch gar nicht sein“, sagt Ralf Schnell. Der Hohen Viechelner hat 1990 die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und rund 10000 Quadratmeter von der LPG erworben. Nach und nach hat er sich dort ein kleines Imperium in der Autobranche geschaffen. „Wir sind Abschleppunternehmen, Freie Werkstatt, Gebrauchtteilehandel und zertifizierter Autoverwerter. In diesem Zusammenhang sind wir Vertragspartner diverser Automobilclubs und Schutzbriefe der Versicherungen, so genannter Assistance-Partner“, zählt Schnell auf. Jährlich werden hier 350 bis 400 Fahrzeuge verschrottet. Als weiteren Service wird ein Winterlager für Boote und Camper in einer Halle angeboten. Mit aktuell neun Vollzeitbeschäftigten ist das Unternehmen der größte Arbeitgeber am Ort.

Die Tankstellenanlage am Ortseingang aus Richtung Wismar Quelle: Peter Täufel

Komplettiert werden die Gewerbeansiedlungen durch eine Tankstelle mit Waschanlage, ein Kamin- und ein Bäderstudio. Alle drei in einem Komplex direkt am Ortseingang aus Richtung Wismar kommend gelegen.

Daten und Fakten

Den Namen Niendorf tragen insgesamt neun Orte in Mecklenburg-Vorpommern, im Kreis Nordwestmecklenburg sind es allein vier. Das Niendorf bei Bad Kleinen gehört zur gleichnamigen Gemeinde und war lange Zeit rein landwirtschaftlich geprägt. Die alte Gutsanlage zeugt heute noch davon. Durch die gute Verkehrsanbindung mit der Bundesstraße B 106 haben sich in der Neuzeit vermehrt Gewerbeunternehmen angesiedelt. Ein dunkles Kapitel schrieb das Dorf 1920, als im Zusammenhang des Kapp-Putsches zwei Landarbeiter standrechtlich erschossen wurden. Eine Gedenktafel an der Fassade des Gutshauses erinnert daran.

Peter Täufel

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