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Wismar Nordwestmecklenburgerinnen specken ab
Mecklenburg Wismar Nordwestmecklenburgerinnen specken ab
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05:29 23.05.2018
Oberarzt Dr. Andreas Wolf vom Wismarer Adipositaszentrum im Gespräch mit Patientin Christa Stenzel. Quelle: Nicole Hollatz
Wismar

„Neuer Magen, neue Hüfte, neues Leben!“, so kommentiert Oberarzt Dr. Andreas Wolf vom Wismarer Adipositaszentrum die Geschichte von Christa Stenzel. Und freut sich, seine Patientin so putzmunter zu sehen. Die 70-Jährige aus Lützow bei Gadebusch hat mal 180 Kilogramm gewogen. Starkes Übergewicht!„Wir reden hier nicht über vier, fünf, sechs Kilo zu viel auf der Waage, sondern über 50, 60 Kilogramm. Das bedeutet Adipositas!“, sagt Dr. Wolf. Von Adipositas (Übergewicht) wird schon ab einem BMI von 30 gesprochen, von krankhafter Adipositas ab einem BMI von 40. Der BMI ist ein Wert aus dem Körpergewicht in Kilo, geteilt durch die Körpergröße in Zentimetern zum Quadrat. Christa Stenzel war deutlich über den Wert von 40.

Trotz Abnehmphasen zugenommen

„Man braucht das nicht zu beschönigen, ich habe immer gerne gut gegessen, gerne genascht“, erzählt sie. Abnehmphasen hatte sie immer wieder. Genauso die, in denen sie zugenommen hat. Dann kam das Jahr 2008. „Ich hatte einen Herzinfarkt, das war mein Schuss vor den Bug“, sagt sie. Sie hat innerhalb von eineinhalb Jahren durch Bewegung und Ernährungsumstellung 70 Kilo Gewicht verloren. Eine enorme Leistung. „Ich weiß heute auch nicht mehr, wie ich das geschafft habe“, lacht die Frau. Aber sie hat es geschafft, hat die Ernährung umgestellt, sich mehr bewegt, war zur Kur. Dann der Rückschlag. 2012 musste die Hüfte operiert werden, Christa Stenzel konnte sich kaum noch bewegen. Auch die zweiten Hüfte machte Probleme. Das Gewicht stieg wieder. 136 Kilogramm: „Der Arzt sagte, mit dem Gewicht würde er mich nicht operieren.“

Zu Magenverkleinerung entschlossen

Im Juni hat Christa Stenzel sich den Magen verkleinern lassen, im September wurde die zweite Hüfte operiert. „Ich wiege jetzt gut 100 Kilogramm, wenn ich auf 95 komme, ist mein Ziel erreicht“, sagt die Patientin. „Aber ich fühle mich gut, wie es jetzt ist. Ich mach meinen Garten, ich komme klar.“ Christa Stenzel freut sich, bald wieder Fahrrad fahren zu dürfen und zu können. „Ich habe keine Schmerzen mehr beim Laufen! Das Leben mit 180 Kilogramm ist sehr eingeschränkt. Und wer mir sagt, dass er sich mit so einem Übergewicht wohl fühlt, der lügt!“

60 Kilo und fünf Konfektionsgrößen weniger

„100 Kilogramm, das ist mein Traum“, erzählt Gerlinde Kopplow aus Neukloster und zeigt ihre alte Hose. „Dass ich da mal rein gepasst habe. Das kann ich gar nicht glauben, und will es auch nicht.“ 180 Kilogramm hat sie gewogen zu ihren „schweren Zeiten“. „Ich war schon immer dick“, erzählt sie von sich als 14-Jährige mit stolzen 86 Kilogramm auf den Hüften. Aufgewachsen auf dem Land mit eigenen Schweinen gab es immer gut und kräftig zu essen. Mit der ersten Schwangerschaft hat sie die 100-Kilogramm-Marke überschritten. „Ich konnte immer essen, ich kannte kein Sättigungsgefühl. Wenn es fünf Kuchen zur Geburtstagsfeier gab, habe ich fünf probiert. Das war schon immer so, ich weiß, was ich verkehrt gemacht habe.“ Sie hat einiges an Diäten zwischen Kohl- und Eiweißdiät probiert. Immer nur mit kurzfristigen Erfolgen. Der Kampf mit dem Gewicht gehörte zum Leben dazu.

Diabetes und Bluthochdruck als Folge von Übergewicht

„Als ich aufgewacht bin, war es zu spät! Ich konnte kaum noch zu Fuß gehen, Treppensteigen ging gar nicht mehr!“ Gerlinde Kopplow war zuckerkrank, musste sich gut 15 Jahre lang Insulin spritzen. Der Blutdruck war viel zu hoch. Auch eine Folge des Übergewichts. Gerlinde Kopplow musste täglich zehn Tabletten nehmen.„Ich dachte, wenn ich erst mal einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt habe mit 55 Jahren, dann operiert mich keiner mehr. Und von meinen fünf Enkelkindern möchte ich auch noch etwas haben!“ Ein Jahr lang hat sie mit sich gekämpft, hat die Selbsthilfegruppe im Wismarer Krankenhaus besucht. Der BMI war über 60 und damit lebensgefährlich hoch.

Schlauchmagen operiert

Gerlinde Kopplow hat sich einen Schlauchmagen operieren lassen und so das Sättigungsgefühl in den Griff bekommen. „Der Magen meldet sich jetzt nach einem halben Brötchen oder einer Toaststulle, ich schaffe jetzt in der Grillzeit keine ganze Bratwurst mehr.“ Im Restaurant reicht die Vorsuppe und ein „Räuberteller“ zum Probieren. Wenn sie auf das Völlegefühl des Magens nicht hören würde, würde alles retour kommen. „Ich habe früher sehr gerne Eis gegessen, jetzt schaff ich keine ganze Kugel. Und die Schokoriegel – mal einen statt der ganzen Tafel.“Der Körper hat reagiert – Gerlinde Kopplow muss nicht mehr Insulin spritzen. Sie lacht und freut sich: „Ich bin trockene Diabetikerin.“

Neues Lebensgefühl mit weniger Kilos

„Bei den alten Hosen pass’ ich jetzt in ein Hosenbein“, lacht Simone Liebscher. 115 Kilogramm hat die Wismarerin mal gewogen, bei einer Körpergröße von 1,61 m ist es fast doppelt so viel, wie es sein sollte. „Es hat sich eingeschlichen über die Jahre.“ Aus den 80 Kilogramm wurden 82, dann die 100. Dann hat sie aufgehört zu rauchen: 115 Kilogramm. „Ich wurde immer schwerfälliger“, erzählt sie von der damaligen Zeit. Diabetes, Bluthochdruck, Rückenprobleme – alles Folgen des Übergewichts. Dazu Depressionen, Simone Liebscher zog sich zurück. „Es gibt auch attraktive dicke Menschen, aber ich gehörte nicht dazu“, sagt sie nun mit einem Selbstbewusstsein und Augenzwinkern, das einen schmunzeln lässt. „Ich wollte schon Rente beantragen bei den ganzen körperlichen Problemen“, erzählt sie. Die Diabetesärztin hat ihr – zum Glück – abgeraten, dann würde sie noch mehr zu Hause rumsitzen. Im April 2015 wurde ihr ein Magenbypass operiert. Seitdem ging es körperlich bergauf und mit dem Gewicht runter. „Ich habe sieben Medikamente abgesetzt!“ Und sie hat ein neues Lebensgefühl: „Es gibt einige Sachen, die ich nun machen werde, wo ich jedem vorher ’nen Vogel gezeigt hätte! Ich habe mir ein Fahrrad gekauft und werde mir Joggingschuhe kaufen, weil ich das Bedürfnis habe, mich mehr zu bewegen. Und ich spaziere mit Hunden und Freundin fast jeden Abend ein, zwei Stunden! Das ist alles wieder so schön!“

Nicole Hollatz

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