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Wismar Ostsee-Schmuck aus Schweißerhand
Mecklenburg Wismar Ostsee-Schmuck aus Schweißerhand
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00:05 25.03.2017

„Kalle, fass’!“Gemächlich setzt sich die Bulldogge in Bewegung, Martin Hoepfner folgt ihr und lacht. Dann reicht er die Hand zum Gruß und bittet herein.

Arbeitet gern mit Material aus der Umgebung: Aus Donnerkeilen, Bernstein und Holzscheiben fertigt Martin Hoepfner schöne Schmuckanhänger. Quelle: Fotos: Nicole Buchmann
Der Bernstein, eingelassen in Buchenholz, schimmert im Gegenlicht. Martin Hoepfner experimentiert mit Material und Wirkung.

Ein Zigarillo zwischen den Lippen, erzählt Hoepfner am Küchentisch, wie alles begann im Winter 2016. „Spazierstöcke waren das erste, was ich geschnitzt habe – einen für meine Mutter, einen für mich.“

Erzählt, dass er sich eine Auszeit genommen hat vor gut einem Jahr. Weil alles zu viel wurde. Privat und auf der Arbeit das Schweißen bei Lufthansa in Hamburg. Gelernt hat er Schiffbauschlosser noch auf der Werft in Wismar.

Hoepfner steht auf, tänzelt die steile Kellertreppe hinab. Ein Werkzeugregal, ein Ölradiator, eingesteckt in eine Verteilersteckdose, eine Lampe auf einem Tisch. Darauf Fünf-Mark-Stück-große Scheiben aus Buche und Birke. Kupferstifte stecken darin, angeordnet in einem Halbrund. „Das wird ein Smiley – ein lachender. Hat sich meine Tante gewünscht“, sagt Hoepfner, zieht den Stuhl zurück und setzt sich. Oben wechseln sich die Beatles, Ska, Reggae und Helge Schneider aus den Musikboxen ab. Hoepfner grient. Die Sturmzeiten seien vorbei, nur manchmal höre er noch Hartes. „Ich lass’ die Ellenbogen jetzt am Körper“, sagt er.

Mit einem Dremel setzt Hoepfner zwei kleine Löcher in die Buchenscheibe. Dann lässt er Schleifpapier rotieren – ein Stück Bernsteingranulat zwischen den Fingerspitzen. Zwei davon, und die Augen für den Smiley sind fertig. Eingelassen ins Holz und fixiert mit flüssigem Sekundenkleber. „Der ist klar, da kann das Gegenlicht wunderbar durchscheinen“, sagt Hoepfner.

Auszeit. Die Tage sind lang während einer Auszeit. Der Fernseher – schon vor mehr als zwei Jahren abgeschafft. Zwei Mal Thaiboxen in der Woche, Theater spielen, den Anfeuerer in einer Punkband geben.

Und nun Schmuck? „Anstatt mich abends stumpfsinnig in der Kneipe zu besaufen und am nächsten Morgen deswegen schlechte Laune zu haben, wollte ich meine Energie lieber in etwas investieren, aus dem etwas Schönes entsteht“, sagt der 34-Jährige.

Donnerkeil in Holz für die Nichten, Klinkenstecker in Holz für einen befreundeten DJ, Bernstein in Holz – zeigen kann Hoepfner die meisten seiner Schmuckstücke nur noch auf Fotos. „Ich mach’n paar, und dann bringe ich sie an den Mann. Ich heb’ die doch nicht auf!“ Die Buche und die Birke sind aus Groß Strömkendorf. Die Donnerkeile von der Ostsee. Der Kupferdraht Baustellenabfall aus dem Dorf.

„Is schon wichtig, dass das Material von hier is“, murmelt Hoepfner und legt den eben gefertigten Anhänger für die Tante zum Trocknen beiseite.

„Das gibt mir Frieden. Ich bin konzentriert, fokussiert. Umso schöner, wenn noch was Gutes dabei rauskommt und sich die Leute darüber freuen“, sagt Hoepfner. Vielleicht geht es für ihn bald zurück ans Schweißgerät. Der Schmuck aber soll bleiben. Als Hobby. Vielleicht mit einem Flyer von den Stücken, den er in Cafés auslegt. Oder einem Schild am Straßenrand in Groß Strömkendorf: Ostseeschmuck vom Schweißer. „Ja. Was is denn dabei.“

Nicole Buchmann

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