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Party-Veranstalter hat Spuren im Netz gelöscht

Neuburg Party-Veranstalter hat Spuren im Netz gelöscht

Das Amt Neuburg und die Polizei wappnen sich trotzdem für einen Ansturm von Goa-Fans am ersten Juliwochenende.

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Als Mutter halte ich von Drogen gar nichts. Man weiß nicht, was sie da konsumieren, nachher bleiben noch Spritzen liegen.“Verena Alde (40), Angestellte

Quelle: Ulrike Oehlers

Neuburg. Wer immer hinter der geplanten Goa-Party in Neuburg steht — er hat offenbar kalte Füße bekommen, nachdem die OZ vor einigen Tagen berichtet hatte, dass sich die Gemeinde gegen die illegale Veranstaltung wehren wird. Jedenfalls sind viele seiner Spuren im Internet gelöscht.

Das Ordnungsamt der Amtsverwaltung Neuburg hatte in der OZ angekündigt, gegen den Veranstalter eine Untersagungsverfügung zu erlassen. Anja Frommholz, Leiterin der Verwaltungssteuerung des Amtes, räumte ein, dass es bisher nicht gelungen sei, einen konkreten Namen zu finden. „Wir stochern noch rum. Wenn wir keinen Veranstalter benennen können, ist das für uns ein Problem, denn dann haben wir niemanden, dem wir eine Untersagungsverfügung zuschicken können. Deshalb sehen wir zu, dass wir in Zusammenarbeit mit der Polizei einen Namen bekommen.“ Parallel würden Vorbereitungen getroffen, um die bereits ins Rollen geratene Lawine aufzuhalten. „Die Polizei wird vor Ort dafür Sorge tragen, dass die Veranstaltung nicht stattfinden kann und die Leute mit vereinten Kräften gleich wieder nach Hause geschickt werden“, so die Verwaltungsleiterin.

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Ich weiß von keiner Par- ty. Wenn sie il- legal ist, würde ich nicht hin- gehen. Am 6. Juli kann ich sowieso nicht, da feiere ich meinen 40. Geburtstag.“Tino Freudenreich (39), Erzieher

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Der bisher unbekannte Veranstalter hatte, unter anderem über das soziale Netzwerk Facebook, Tausende Partybesucher der sogenannten Psy-Szene für den 6. und 7. Juli auf den Thingplatz nach Neuburg eingeladen, ohne darüber vorher mit der Gemeinde zu sprechen. Diese ist Eigentümerin des Platzes.

„Die Veranstaltungsseite gibt es bei Facebook nicht mehr“, berichtet Christian Mudrack, der gemeinsam mit Christian Wachsmuth bei Hamburg das Musiklabel „Sun Department Records“ betreibt. Beide haben sich Psytrance (kurz für: Psychedelic Trance) verschrieben, also der Richtung elektronischer Musik, die den Neuburger Thingplatz am ersten Juliwochenende zum Beben bringen soll. Auf der Homepage von „Sun Department Records“ werden einige Veranstaltungen mit Musikern des Labels angekündigt, unter anderem die Neuburger Party, bei der ein gewisser Chrizzlix auftreten soll. Wie Christian Mudrack erklärt, lautet so der Künstlername seines Label-Partners Christian Wachsmuth. „Er hatte selber über Facebook den Veranstalter angeschrieben“, so Mudrack. Auf die Anfrage, ob er auftreten dürfe, habe Wachsmuth alias Chrizzlix eine Zusage erhalten. Seitdem hätten sie nichts mehr vom Veranstalter gehört, dessen Namen sie nicht kennen. „Meistens kommen sie selber aus der Region.“ Die Partys fänden in Zelten, auf großen Wiesen statt, „oft sind es auch öffentliche Plätze. Das muss man dann vorher absprechen, kriegt Auflagen. Daran hängt viel Organisatorisches“, erklärt Mudrack.

Goa-Partys — benannt nach den Trance-Partys unter freiem Himmel im indischen Bundesstaat Goa in den späten 1980er-Jahren — sind bekannt für den Konsum von Drogen. Der Musikstil Psytrance versucht, die neurologischen Effekte von LSD zu simulieren. Drogen seien „ein großes Thema in der Szene“, räumt Mudrack ein. „Es werden Drogen konsumiert, aber das gibt‘s in anderen Szenen auch. Wenn, dann psychedelische Drogen — LSD, Pilze. Auf größeren Festivals gibt‘s immer Polizeikontrollen. Aber das kann man nicht pauschalisieren, der eine trinkt, jede Szene hat ihre eigenen Sachen“, antwortet der Label-Betreiber.

Der 29-Jährige geht davon aus, dass die unter mit „Zappelstube“ benannte Party in Neuburg stattfinden wird. „Wenn sie abgesagt worden wäre, hätte Chrizzlix ja Bescheid bekommen.“Neuburgs Bürgermeisterin Heidrun Teichmann (Linke) hofft, dass ihre Gemeinde am 6. Juli nicht von Fans der Psytrance-Szene überrannt wird. „Auch wenn die Party ausfällt, müssen wir gewappnet sein. Sollten alle Stricke reißen, gibt es einen Plan B.“ Der werde aber nicht verraten.

Erst am Pfingstsonntag fand im Landkreis Nordwestmecklenburg im Naturschutzgebiet Palinger Heide zwischen Selmsdorf und Herrnburg eine nicht genehmigte Musikveranstaltung statt. Beamte des Polizeireviers Grevesmühlen trafen nach einem Hinweis des zuständigen Naturschutzwartes etwa 60 Personen auf einer Wiese an, die bei laufender Musik feierten. Sie hatten mehrere Zelte und ein Volleyballnetz aufgebaut. 24 Polizisten wurden zusammengezogen, um zu beaufsichtigen, dass die Feiernden den Ort schnell und ordnungsgemäß verließen. Gegen die 25-jährige Organisatorin wurde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.

Goa-Partys
Häufig ziehen sich die als Goa-Partys bezeichneten Veranstaltungen über mehrere Tage, im Sommer bevorzugt im Freien. Den Besuchern wird meist die Möglichkeit gegeben, auf dem Gelände zu campen. Die größten Veranstaltungen dieser Art finden in Nord- und Ostdeutschland statt und erreichen zum Teil Besucherzahlen von 10 000 bis zu 35 000, etwa das ehemalige VooV Experience Festival (heute VuuV), das seit 2001 in Putlitz im nordwestlichen Brandenburg stattfindet.


Innerhalb der Goa-Bewegung werden Respekt und Toleranz gegenüber anderen Menschen sowie der Umwelt als grundlegende Werte verstanden. Hinsichtlich sozialer und nationaler Herkunft, Alter und Kleidung ist die Szene sehr heterogen.

 

Ulrike Oehlers

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Neuburg

Der Veranstalter der geplanten sogenannten Goa-Party in Neuburg (Nordwestmecklenburg) hat seine Seite beim sozialen Netzwerk Facebook gelöscht, nachdem die OZ über die illegale Veranstaltung berichtet hatte.

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