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Pastor Lansemann starb im Gefängnis

Wismar Pastor Lansemann starb im Gefängnis

Seine Frau wurde jahrelang im Ungewissen gelassen / Evangelische Schule trägt heute seinen Namen

Wismar. Der bekannte Wismarer Pastor der evangelisch-lutherischen Kirche, Robert Lansemann, starb am 19. April 1951 im Untersuchungsgefängnis in Schwerin. Sein Schicksal hat viele Wismarer nach dem Krieg berührt.

 

OZ-Bild

Robert Lansemann als Vikar um 1935

Quelle: Foto: Sammlung Detlef Schmidt

Lansemann kam am 24. Juli 1908 als Sohn des bekannten Rechtsanwalts Hans Lansemann und seiner Frau Clara in der Lindenstraße 22 zur Welt. Seine Mutter starb 1916. Hans Lansemann heiratete danach Helene Raspe. Sie war für den Jungen mehr als eine Ersatz- oder Stiefmutter. Bis 1927 besuchte er die Große Stadtschule in Wismar, wo er sein Abitur mit Auszeichnung ablegte. Hier hatte er schon den Wunsch geäußert, Theologie zu studieren. Seine Immatrikulation an der theologischen Fakultät der Universität Rostock erfolgte am 26. April 1930. Weitere Studienorte waren Tübingen, Berlin, Zürich und Münster. Hier legte er 1934 sein 1. Theologisches Examen ab und promovierte 1935 zum Lizentiaten der Theologie. Die folgenden zwei Jahre war Lansemann als Vikar in Dortmund tätig, ehe er am 15.

September 1936 nach Wismar zurückkehren konnte.

Sein Verhältnis zum Naziregime war sehr gespannt. Offener Widerstand wäre tödlich gewesen, aber es gab auch andere Wege. So war es nur folgerichtig, dass sich der junge Vikar nicht den von den Nazis favorisierten „Deutschen Christen“ anschloss, sondern vehement die Auffassungen der „Bekennenden Kirche“ vertrat. Er wurde am 25. Oktober 1936 nach sorgfältigen Prüfungen durch die Wismarer Pastoren der „Bekennenden Kirche“ ordiniert. 1937 wurde er Vorsitzender der Bruderschaft der „Bekennenden Kirche“. Er legte 1938 sein 2. Theologisches Examen ab, mit dem er ab 1. April 1938 als Pastor in Wismar tätig sein konnte.

Dass ein Mann wie Robert Lansemann mit seinen Auffassungen in den Fokus der Gestapo kam, gehörte zu dieser mörderischen Diktatur dazu. Es gab Verleumdungen und Bespitzelungen und am 20. Juni 1940 wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Hier erhielt er 1943 die Nachricht, dass er als Pastor für die wieder erstandene Pfarrstelle von Heilig Geist vorgesehen war, die er Ostern 1943 antrat.

Robert Lansemann wirkte in seiner Gemeinde segensreich und versuchte, die Nöte seiner Mitglieder zu lindern, was ihn nicht daran hinderte auch über seine Gemeinde hinaus tätig zu sein. Er nahm seine Berufung als Geistlicher sehr ernst. Bei diesen Tätigkeiten lernte er seine fast 20 Jahre jüngere Frau Ellen Drägert kennen. Beide heirateten im April 1945 in Wismar und wohnten „Vor dem Fürstenhof 11“. Lansemann sah im neuen gesellschaftlichen System unter russischer Besatzung eine Gefahr für freies Leben, Demokratie und freie Religionsausübung. Er vertrat dies öffentlich und so kam es zu Anschuldigungen, dass er ein „Spion und Verräter“ sei. Erschwerend für ihn war sein Umgang mit der Jungen Gemeinde, die einen großen Zulauf hatte. Er trat für freies Denken und gelebten Glauben ein. Das konnten die neuen Machthaber nicht zulassen. In der Nacht zum 12. Dezember 1950 fand in seiner Wohnung eine mehrstündige Durchsuchung statt und Lansemann wurde verhaftet. Seine Frau stand hilflos dabei. Trost und Zuspruch fand sie heimlich bei den Nachbarn und in der Gemeinde. Schon 14 Tage vorher hatte sie eine Frau vor der Verhaftung ihres Mannes gewarnt, die dies aber wenig beachtete.

Kurz vor der Verhaftung durften sich Ellen und Robert Lansemann umarmen, nicht ahnend, dass dies der Abschied für immer war. Der Pfarrer, dessen aufrechte Predigten von der SED als „Provokation eines Klassenfeindes“ angesehen wurden, kam ins berüchtigte Gefängnis am Demmlerplatz in Schwerin. Robert Lansemann war Diabetiker und brauchte täglich Insulin, was er nicht bekam. Die Anfragen seiner Frau nach dem Verbleib ihres Mannes wurden abgewiegelt. Vier Jahre blieb die Ungewissheit. Dann kam die Todesnachricht aus Berlin. Der dortige Propst Grüber, damals Bevollmächtigter der evangelischen Kirche bei der DDR-Regierung, hatte über einen russischen Kommandanten die „Todesliste“ von zahlreichen Gefangenen erhalten, darunter war auch Robert Lansemann. Wie er gestorben und wo er begraben ist, darüber gibt es bis heute keine Angaben. Fest steht, dass er laut einem Schreiben des russischen Generalstaatsanwaltes vom 13. April 1995 unter ungeklärten Umständen am 19. April 1951 umgekommen ist. Als Todesursache wird der Entzug von Insulin vermutet.

Robert Lansemann bleibt vielen Wismarern im Gedächtnis. Am 4. Juli 1998 ist anlässlich seines 90. Geburtstags eine Gedenkstele auf dem Friedhof enthüllt worden. Die evangelische Grundschule trägt seit 2. September 2011 seinen Namen. So erhält der aufrechte Pastor seine späte, aber würdige Ehrung in seiner Heimatstadt.

Was sonst noch geschah

19. April 1948: Umbenennung der Großen Stadtschule in „Geschwister-Scholl-Schule“.

20. April 1716: Dänen, Preußen und Hannoveraner erobern Wismar.

20. April 2004: Besuch von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD).

23. April 1859: Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Wismar.

23. April 1994: 20000 Menschen demonstrieren für den Erhalt des Werftstandortes.

25. April 1850: Einweihung der Knaben-Bürgerschule im ehemaligen Waisenhaus (seit 1689) in der Kirche des Schwarzen Klosters.

25. April 1972: Gründung der Arbeitsgemeinschaft AG 8/13 Wismar des DMV (Deutscher Modelleisenbahn Verband) der DDR in der DSF-Schule am Turnplatz.

Detlef Schmidt

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