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Pastorin will noch viel singen und reisen

Wismar Pastorin will noch viel singen und reisen

Elisabeth Scheven feierte 80. Geburtstag und 50. Ordinationstag / Die Theologin lernt Englisch, macht bei der Kantorei mit, predigt bei Gottesdiensten und kommt gerne mit Christen in fremden Ländern ins Gespräch

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Pastorin i. R. Elisabeth Scheven mit einer Spende für die Evangelische Musikschule: Die Euro-Münzen sollen Noten für das Lied „Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit“ bilden.

Quelle: Norbert Wiaterek

Wismar. Sie ist eine lebenslustige Frau, die auf ein erfülltes Berufsleben zurückblicken kann und noch viele Pläne für die Zukunft hat: Elisabeth Scheven feierte am vergangenen „Jubilate“-Sonntag 80. Geburtstag. Bei einem Gottesdienst in der Wismarer Nikolaikirche gedachte die Pastorin, die seit 1998 ihren Ruhestand genießt, auch ihrer Ordination vor 50 Jahren in Alt-Strelitz: An ihrem 30. Geburtstag war Elisabeth Scheven für den Dienst der öffentlichen Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung in der evangelisch-lutherischen Kirche gesegnet und gesendet worden.

Ich mag den Bibel- text Philipper 4.4: ,Freuet euch in dem Herrn allewege! Und abermals sage ich: Freuet euch!‘“Elisabeth Scheven (80), Pastorin im Ruhestand

Die in Wismar bekannte und beliebte Jubilarin schüttelte in den vergangenen Tagen viele Hände, sie nahm Gratulationen von Freunden, Verwandten und Weggefährten entgegen. Statt Blumen und Geschenken hatte das Geburtstagskind um Spenden für die Evangelische Musikschule in Wismar gebeten. „451 Euro kamen bisher zusammen“, freut sich Scheven über die Resonanz.

Die Arbeit mit jungen Leuten lag Elisabeth Scheven immer am Herzen. Nach dem Abitur 1954 in Waren/Müritz wollte sie Lehrerin werden. Als dies nicht klappte, entschied sich die Mecklenburgerin für ein Theologiestudium in Rostock mit der Hoffnung auf eine Stelle im Bereich Jugendarbeit. „Dass ich in eine Kirchengemeinde wollte, habe ich erst nach meinen ersten Predigten gemerkt“, erinnert sich die Seelsorgerin, die in Wismar viele Spuren hinterließ. In der Hansestadt war sie von 1970 bis zur Pensionierung als Pastorin in der Nikolaikirche tätig. „Ich mochte die Konfirmandenarbeit, aber auch die Gestaltung von Gottesdiensten und das Predigen. Dagegen waren Sitzungen und Rechnungsarbeiten nicht meine Liebe und meine Stärke“, bekennt die Theologin.

Die Berufung von Elisabeth Scheven als Pastorin war etwas Besonderes: „Sie gehörte zu den ersten sieben Theologinnen in Mecklenburg, die ordiniert wurden“, sagt Dr. Andreas von Maltzahn, Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern, der Scheven als Pastor von St. Nikolai in Wismar nachgefolgt war. „Für mich gehört es heute zum Reichtum unserer Kirche, dass Frauen selbstverständlich Dienst als Pastorinnen tun.“

Auch während ihres Ruhestandes hat Elisabeth Scheven einen gut gefüllten Terminkalender. Sie singt seit 1973 mit viel Freude in der Kantorei Wismar, interessiert sich für Literatur, war auch als Vortragende bei den „Wismarer Lesegärten“ dabei, lernt an der Kreisvolkshochschule mit Gleichgesinnten die englische Sprache und reist sehr gerne. Südafrika, Paraguay, China, Libanon, Indien und Chile sind nur einige Länder, die die Pastorin im Ruhestand erkunden konnte. Meist ging es in ein Land, das Thema des Weltgebetstages war. „Besonders toll sind Israel und Palästina. In der evangelischen Erlöserkirche im Zentrum von Jerusalem konnte ich meinen 75. Geburtstag feiern“, schwärmt Elisabeth Scheven, die eine Reise immer nutzt, um mit Einheimischen, insbesondere Christen, ins Gespräch zu kommen, andere Sichtweisen kennenzulernen und neue Kontakte zu knüpfen. Ihre Erlebnisse schildert die politik- und religionsinteressierte Wismarerin anschließend bei Vorträgen. Weitere Urlaubs- und Kurreisen sind geplant.

Auch bei Gottesdiensten ist die rüstige Seniorin noch zu erleben. „Auf eine Predigt in einer Kirche bereite ich mich manchmal drei Wochen lang vor. Denn eine Predigt muss mich persönlich berühren und Freude bereiten. Sie muss zum Umdenken bringen, aber auch eigene Verfehlungen aufzeigen und dann zum Weitersagen animieren. Eine solche Ansprache halte ich lieber zweimal, als mir bei einem vorgeschriebenen Text etwas aus dem Ärmel schütteln zu müssen.“ Beliebt sind auch Schevens plattdeutsche Gottesdienste mit Predigten. „Ich hatte ein erfülltes Leben und hoffe noch auf eine weitere gute Zeit“, so die Seelsorgerin.

„Gesundheitlich geht es mir altersentsprechend ausgezeichnet. Ich laufe regelmäßig in der Stadt rum, nur langsamer. Manchmal merke ich, dass Wismar im Mittelgebirge liegt, wenn ich von meiner Wohnung am Spiegelberg zum Markt gehe“, sagt Scheven und lacht. „Mein größter Wunsch: Ich möchte meinen Humor und meine Dankbarkeit nicht verlieren.“ Und Gottes Segen sollte auch nicht fehlen!

Keine Gleichstellung

1970 bis 1998 wirkte Elisabeth Scheven als Pastorin in der Wismarer Nikolaikirche. Davor war die in Penzlin bei Neubrandenburg geborene Mecklenburgerin als Kreiskatechetin in Schwerin tätig sowie nach dem zweiten Examen 1961 acht Jahre lang in und um Alt-Strelitz.

In den Anfangsjahren musste sich die junge Theologin als Frau im kirchlichen Dienst behaupten. „Die Frauen im Pfarrberuf hatten manche Hürde zu nehmen, bis sie sich den Brüdern im Amt gleichgestellt sehen konnten“, erinnert sich Dr. Andreas von Maltzahn, Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern. „Nicht selten hatten sich die Frauen im Verkündigungsdienst trotz ihrer theologischen Ausbildung mit schöpfungstheologischen Begründungen auseinanderzusetzen, die die Vorrangstellung des Mannes manifestiert sahen. Einschränkungen bei der Besoldung, aber auch bei der Wort- und Sakramentsverwaltung haben sie in den ersten Jahren ihres Dienstes ebenso erlebt wie Zurücksetzungen im Alltag. Umso dankbarer bin ich, dass diese Frauen der Kirche verbunden geblieben sind“, so Andreas von Maltzahn. „Eurem Einsatz als Frauen ist es mit zu verdanken, dass unsere Kirche in diesen Fragen dazugelernt hat.“

In der evangelisch-lutherischen Kirche im Nordosten ist „eine vollständige Gleichstellung von Männern und Frauen noch immer nicht erreicht“, meint Bischof Andreas von Maltzahn. Dagegen sagt Elisabeth Scheven, die unverheiratet geblieben ist und keine Kinder hat: „Es hat sich total geändert. Heute gibt es keine Benachteiligung mehr.“

Von Norbert Wiaterek

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