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Pellets, Klagen und Ärger in den USA

Wismar Pellets, Klagen und Ärger in den USA

German-Pellets-Gründer Peter H. Leibold bleibt im Visier der Staatsanwaltschaft. Seine Tochter aber hat unterdessen das vierte Pelletwerk gekauft. Die Familie verfügt so über mehr Produktionskapazitäten als zuvor in Wismar.

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An der Poeler Straße, gegenüber der ehemaligen Großbäckerei, haben Peter H. Leibold und Tochter Kathrin Wiedmer ihre Büros bezogen.

Quelle: Nicole Buchmann

Wismar. Das DINA-Blatt, das am Philosophenweg als Firmenschild diente, ist abgehängt. Ein neues klebt nun im Bürogebäude gegenüber der ehemaligen Großbäckerei an der Poeler Straße. Dort sitzen die Global Wood Service GmbH von Peter H. Leibold und die Mitteldeutsche Pellet Vertriebs GmbH (MPV) seiner Tochter Kathrin Wiedmer nun in der ersten Etage. Offizieller Hauptsitz der beiden German-Pellets-Nachfolgefirmen ist nach wie vor Leipzig. Grund für den Umzug laut Wiedmer: eigene Nutzungsinteressen der Eigentümer des Bürogebäudes am Philosophenweg.

Ermittler prüfen jede Rechnung

Am ehemaligen German-Pellets-Standort Am Torney in Wismar hingegen gehen noch immer die Ermittler der Staatsanwaltschaft Rostock ein und aus. Gut ein Jahr nach der Insolvenz von German Pellets überprüfen sie die gesamte Buchführung des weitverzweigten Firmennetzwerkes. „Schon bei kleinen Unternehmen dauert so etwas sechs bis neun Monate, und German Pellets ist ein sehr großes“, sagte Harald Nowack, Sprecher der Staatsanwaltschaft, auf OZ-Nachfrage.

Insolvenzverschleppung und Betrug stehen im Raum. 50 Anzeigen von Anlegern liegen der Staatsanwaltschaft laut Nowack inzwischen vor. Rund 17 000 Anleger hatten mit der Pleite von German Pellets insgesamt rund 270 Millionen Euro verloren.

Viertes Pelletwerk in Leibold-Hand

Firmengründer Peter H. Leibold war seitdem nicht untätig. Die Propell AG - geleitet von seiner Tochter Kathrin Wiedmer - hat zum 1. März dieses Jahres ein weiteres Pellet-Werk in Sachsen gekauft. Erst Ende vergangenen Jahres hatte Leibold in einem umkämpften Übernahmepoker den Zuschlag für die drei Woodoxwerke erhalten (OZ berichtete). Die waren im Zuge der German-Pellets-Pleite auch in die Insolvenz gerutscht.

Vermarktet werden die Pellets aller vier Werke von der MPV. Leibold verfügt nun mit einer Produktionskapazität von jährlich 325 000 Tonnen über mehr Pellets als zu German-Pellets-Zeiten in Wismar.

Anleger klagen auf Schadensersatz

Die Übernahme der WoodoxWerke aber könnte Familie Leibold noch teuer zu stehen kommen. Eine auf Kapitalanlagerecht spezialisierte Kanzlei aus Frankfurt amMain hatte nach dem Deal angekündigt, unter anderem gegen Peter H. Leibold und dessen Frau persönlich Schadensersatzklage einzureichen. Seitdem habe sich die Zahl der Klagen von dreißig auf 45 erhöht, teilte der Sprecher der Kanzlei Marco Cabras auf OZ-Nachfrage mit. Darunter seien aber auch sogenannte Streitgenossenschaften, die mehrere Betroffene in einer Klage zusammenfasst. Die Anwälte rechnen mit ersten Verhandlungsterminen nicht vor Juli dieses Jahres.

Leibold sieht das offenbar gelassen. Die „vermeintliche Anlegerkanzlei“ habe Klagen wegen „vermeintlicher Prospektfehler“ eingereicht, obwohl die Prospekte unter steuerrechtlicher und anwaltlicher Federführung erstellt und geprüft worden seien, teilte er auf Anfrage mit.

Aus den Augen, aus dem Sinn?

In den USA hat German Pellets derzeit anderen Ärger. Seit Ostern brennt in der Kleinstadt Port Arthur in Texas ein Silo der German Pellets Texas, LLC and Texas Pellets Inc.. Die Bewohner sind aufgebracht. Im Lokalfernsehen „12News“ schimpfen sie über die Luftverschmutzung, ältere Menschen seien bereits mit Atembeschwerden ins Krankenhaus gekommen.Er bedauere das sehr, teilte Leibold mit. Aber der Vorfall liege in der Verantwortung der dortigen Insolvenzverwaltung. Auch die drei Werke in den USA waren von der German-Pellets-Pleite betroffen. Von den Anleger-Millionen hatte Leibold allein dorthin knapp 150 Millionen Euro als Eigenkapital weitergereicht.

Nicole Buchmann

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