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Peter der Große lobte Mauern

Wismar Peter der Große lobte Mauern

Preußische und dänische Truppen marschierten am 20. April 1716 in die Hafenstadt ein

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König Christian von Dänemark belagert 1675 Wismar.

Quelle: Sammlung Detlef Schmidt

Wismar. Am 20. April 1716 marschierten nach jahrelanger, zwischendurch unterbrochener Belagerung preußische und dänische Truppen in Wismar ein, nachdem sie gemeinsam mit den alliierten Russen und Hannoverschen Truppen die schwedische Garnison in Wismar besiegt hatten. Die seit 1648 zum Königreich Schweden gehörende Hafenstadt wurde immer wieder Schauplatz der kriegerischen Auseinandersetzungen, die Schweden um die Vorherrschaft im Ostseeraum führte.

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Die Hansestadt Wismar wurde 1650 zur stärksten Seefestung Europas ausgebaut und stellte einen nicht unerheblichen militärischen Brückenkopf der Schweden im südlichen Ostseeraum dar. In nahezu jede kriegerische Handlung der Schweden einbezogen, waren die Wismarer dieser großen Last überdrüssig — doch sie wurden nicht gefragt. Sie hatten die Festungswerke, Mauern und Schanzen nach schwedischen Vorgaben zu bauen und der junge schwedische König Karl Gustav VII. Adolf nannte Wismar die Stadt mit den „silbernen Wällen“, so teuer sind sie ihm geworden, nicht eingerechnet die Leistungen der Wismarer. Eine Zäsur in der schwedischen Geschichte, aber auch Wismars, ist der Große Nordische Krieg von 1700 bis 1721.

König Karl Gustav XII. Adolf war gerade 18 Jahre alt, als er in den Krieg gegen eine übermächtige Allianz von Russen, Sachsen und Dänen zog und anfangs hatte er Kriegserfolge zu verzeichnen, doch nach einer verheerenden Niederlage 1709 gegen die Russen unter Zar Peter I. war die Wende des Krieges da. Schon 1711 belagerten dänische Truppen Wismar, nach einem für sie in Lübow siegreich erfolgten Gefecht mit den Schweden.

Am 25. Juni 1715 zogen die alliierten Truppen um die Stadt einen acht Kilometer langen Belagerungsring mit Wällen; im Westen Dänen zwischen Wendorf und Karow; im Osten Preußen zwischen Redentin und Lübow und im Süden zwischen Lübow und Rosenthal. Hoher Besuch bei den alliierten Truppen in Wismar am 26. April 1716: Der russische Zar Peter der Große schaute von der Wendorfer Höhe auf Wismar. Peter I. war auf der Höhe seiner Macht und konnte sich aufgrund seiner Erfahrung schon ein militärisches Urteil erlauben und befand, dass ihm „die Vestung Wißmar wohl gefalle und es eine moye Vestung ist“.

Zu Wasser waren die Schweden mit ihren großen Schiffen, die viele Geschütze tragen konnten, der russischen Flotte aber weit überlegen. Peters einzige Chance war eine Schlacht in Küstennähe. Unter Aufbietung aller Mittel verdoppelte er seine Ostseeflotte. Im August 1714 lagen sich die beiden Flotten gegenüber. Während einer anhaltenden Flaute kämpften sich die kleineren, aber wendigen russischen Schiffe durch den schwedischen Geschützhagel und enterten die unbeweglichen schwedischen Schiffe eins nach dem anderen. Damit herrschte die russische Flotte über die nördliche Ostsee.

Nach der Einnahme Wismars am 20. April 1716 durch preußische und dänische Truppen gingen die neuen Kriegsherren nicht gerade zimperlich vor. An der heutigen Einmündung der Straße Vogelsang zur Dr.-Leber-Straße befand sich ein Wall mit einer Reihe von Linden. Weil die Bürger Wismars — ohnehin schon geschwächt durch Hunger, Bombardierung und Blockade — die Lindenblüten zur Nahrung benötigten, wandten sie sich an die Preußen, die einen Teil des Festungsabbaus leiteten. Es waren schon einige Bäume entfernt worden, als eine kleine Abordnung Wismarer Bürger im Lager der Preußen erschien und „untertänigst“ um Schonung der letzten verbliebenen Bäume bat. Der preußische Oberst hatte ein Einsehen mit der Not der Bevölkerung, und so blieben die Linden stehen. Aus Dankbarkeit gegenüber ihren „Rettern“ nannten die Wismarer fortan diese Linden die „Preußische Barmherzigkeit“. Diese standen gegenüber der Einfahrt zum Vogelsang und auf dem ehemaligen kleinen Exerzierplatz.

Dieser war da, wo sich heute die in den 50er-Jahren entstandenen Häuser Nr. 40 und folgende befinden. Die Benennung der Lindenstraße (heute Dr.-Leber-Straße) vom 22. November 1887 ist darauf zurückzuführen. Die letzten Linden der „Preußischen Barmherzigkeit“ fielen bei der Beseitigung der Stadtmauer und der Bebauung der weiteren Straße zwischen 1890 und 1902. Jedoch hat sich der Name so eingebürgert, dass sich zumindest unsere älteren Bürger noch daran erinnern. In der Folgezeit wurden alle Festungsbauten geschleift, das heißt komplett entfernt. Die Festung auf der Insel Walfisch ist mit Munition und Pulver gefüllt und am 2. Februar 1718 gesprengt worden. Noch heute können Sportbootfahrer mit den Resten der Festung in Berührung kommen, wenn sie zu dicht an Walfisch heranfahren.

Für Wismar bedeutete das Ende der Festung, dass die Stadt zunehmend verfiel, da die Schweden kaum Interesse an ihrer deutschen Besitzung hatte und es wurde durch internationale Verträge abgesichert, dass die Stadt Wismar auch zukünftig keinerlei militärische Nutzung mehr haben sollte.

Was sonst noch geschah

23. April 1859: Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Wismar.

25. April 1850: Einweihung der Knaben-Bürgerschule im ehemaligen Waisenhaus (seit 1689) in der Kirche des Schwarzen Klosters.

26. April 1907: Benennung der Straßen Schwarzkopfenhof, Gerberhof, Grothusenschanze.

27. April 2002: Eröffnung der 1. Landesgartenschau in Wismar am Bürgerpark.

27. April 1888: Eröffnung des Neubaus der Post in der Mecklenburger Straße 18. Sie wurde am 7. Oktober 1843 vom Markt 23 hierher verlegt. Davor war die Post in der Krämerstraße 27.

27. April 1946: Dreizehn Mitarbeiter der Stettiner Vulkan-Werft bauen im Auftrag der Sowjets in Wismar eine neue Werft (später MTW) auf.

Von Detlef Schmidt

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