Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wismar Letzter Ausweg Pfandhaus Wismar
Mecklenburg Wismar Letzter Ausweg Pfandhaus Wismar
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:46 10.10.2018
Edwin Wegner in seinem Pfandhaus. Quelle: Nicole Hollatz
Wismar

Edwin Wegner sitzt in seinem Büro mit der gläsernen Wand. Mittwoch vormittag, es ist wenig los. „Vieles, wofür der Kunde früher her kommen musste, regeln wir inzwischen per Mail und über den Computer“, erzählt er. Früher, das war vor acht Jahren, als er Wismars erstes Pfandhaus eröffnete. Es ist immer noch das einzige in Nordwestmecklenburg. Und „früher“, das war die Zeit, in der seine Kunden mit allerlei Elektronikspielkram ins Pfandhaus kamen. Der große Fernseher, der DVD-Player, die gute Kameraausrüstung. „Das nehm ich alles nicht mehr, das ist inzwischen ja nichts mehr wert“, schüttelt er den Kopf und zieht die Stirn in Falten. Früher, da ging es mitunter um Kleinstbeträge für diese elektronischen Geräte. Mal 20 Euro, mal 50 zum Verleben.

„Die Zeiten haben sich verändert“, sagt er. „Die meisten Leute, die zu mir ins Pfandhaus kommen, sind Selbstständige“, sagt Edwin Wegner. Die bekommen mitunter von den Banken nur sehr zögerlich oder gar keine Kredite. Und brauchen vielleicht kurzfristig Geld, um Steuerschulden oder kurzfristige Autoreparaturen zu bezahlen. „Aber die haben ja auch was in der Hinterhand!“, weiß Wegner. Hochwertige Fahrzeuge, Baumaschinen, Anlagegold, Münzen, teure Uhren – die landen bei ihm im Pfandhaus, um kurzfristig zahlungsfähig zu sein.

Wegner rechnet vor: „Wenn Sie 1000 Euro von mir wollen, müssten Sie 1500 Euro an Pfandwert auf den Tisch legen!“ Der Pfandvertrag läuft dann laut Gesetz drei Monate, pro Monat werden 45 Euro an Zinsen und Gebühren fällig. „Im vierten Monat schreib ich Sie an, wie es weitergeht.“ Wird der Pfandvertrag verlängert, werden die Gebühren weiterhin fällig. Wenn nicht, müssen die 1000 Euro zurückgezahlt werden. „Oder ich habe das Recht, das Pfand zu veräußern“, erklärt Wegner. Manch ein Familienschmuckstück liegt so schon seit Jahren im Tresor von Wegner, Der Pfandvertrag wird immer wieder verlängert, weil der Schuldner den Kredit nicht zurückzahlen kann.

Auch Rentner kommen ins Pfandhaus, beispielsweise wenn es große Nachzahlungen bei den Energielieferanten gibt. Mit Gold, wertvollen Uhren und manch einem Erbstück kommen sie ins Pfandhaus. „Gerade die Erbstücke will man dann ja nicht verkaufen, da weiß ich, das Pfand wird in der Regel wieder eingelöst.“

Beim Erbschmuck kommt mitunter das böse Erwachen. „Goldschmuck kommt nur auf die Waage, egal wie kunstvoll er gefertigt ist“, erklärt Wegner das, was jeder Pfandhausbesitzer machen muss. „Gold ist in unseren Augen nur Altmetall.“ Die Wahrscheinlichkeit, einen Liebhaber zu finden, der den Wert des Schmuckes als solches bezahlen würde, ist verschwindend gering. Wer mit Silberbesteck, Silberschmuck oder Silberbarren ankommt, wird noch mehr enttäuscht. „Die Preise sind so klein, das lohnt sich nicht!“ Gold ist Bargeld. „Autos beleihe ich höchstens bis zur Hälfte des Marktpreises, so hoch sind die Abschreibungen. Die Kunden lösen ihre Autos deswegen in der Regel wieder ein und verkaufen sie im Notfall selbst.“ In seiner Halle, die als Winterlager für Boote und Wohnmobile ein zweites Geschäftsstandbein ist, stehen so nur wenige Autos als Pfand.

Mehr als 600 Kunden hat Edwin Wegner. „Das ist viel für mich als Einzelkämpfer.“ Aber vergleichsweise wenig für andere Regionen mit Pfandhäusern an jeder zweiten Ecke. „Die Menschen wussten vor acht Jahren hier noch nicht, was ein Pfandhaus ist“, erzählt er von den ersten Jahren. „Das war kein Zuckerschlecken, aber jetzt läuft es.“

Zwei Jahre noch, maximal, dann hört Edwin Wegner auf und geht in den wohlverdienten Ruhestand. Wenn er einen Nachfolger findet, existiert das einzige Pfandhaus der Region weiter. Wenn nicht, dann nicht.

Nicole Hollatz

Die seit Dienstagmittag vermisste Frau aus Boldela ist von der Polizei gefunden wurden. Die 53-Jährige ist wohlauf.

10.10.2018

Tonnen von Briefmarken aus ganz Deutschland bringen in Bielefeld Menschen mit Behinderungen in Arbeit. Sie arbeiten die Ware auf und verkaufen sie wieder. Jetzt wurde auch in Nordwestmecklenburg gesammelt.

10.10.2018

Wismarer sind gut in die Verbandsliga gestartet

10.10.2018