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Pferde zogen riesigen Stein nach Wismar

Wismar/Züsow Pferde zogen riesigen Stein nach Wismar

Das 20 Tonnen schwere Geschenk des Großherzogs erinnert an Loslösung der Stadt von Schweden

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Die von Klaus-Dieter Jost geschaffene Kopie des Schwedensteins steht auf dem Hof des Hauses am Turnplatz 7. Fotos (2): Sammlung Detlef Schmidt

Wismar/Züsow. Am 29. Juni 1903 wurde aus dem Züsower Forst ein mächtiger Granitfindling nach Wismar transportiert. Großherzog Friedrich Franz IV., dem der Wald bei Neukloster gehörte, hatte diesen Stein den Wismarern, deren Bitte folgend, zum Geschenk gemacht. Und dieses Geschenk hat die letzten 100 Jahre sehr gut überstanden.

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Das 20 Tonnen schwere Geschenk des Großherzogs erinnert an Loslösung der Stadt von Schweden

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Der Platz oben am Wischberg war 1903 von der Stadt in Verbindung mit dem Köppernitztal zum Bürgerpark und Festplatz ausgebaut worden – hier sollte der fast 20 Tonnen schwere Gedenkstein seinen Platz bekommen. Eingeweiht wurden Festplatz, Bürgerpark und Gedenkstein am 19. August 1903, als Wismar die 100-Jahr-Feier der Loslösung von Schweden feierte. Zwar war durch den Vertrag von Malmö von 1803 der schwedischen Krone das Recht eingeräumt worden, nach Ablauf von hundert Jahren die Stadt wieder einzulösen, doch war ab Mitte des 19. Jahrhunderts klar, dass an eine Wiedereinlösung der ehemals schwedischen Besitzungen nicht mehr zu denken war.

Den Transport des Steines übernahm der großherzogliche Hofspediteur Carl Longuet aus der Schulstraße 18 in Wismar. Er gestaltete sich unter den damaligen Transportverhältnissen recht schwierig.

Die Route ging quer durch die Stadt und am 30. Juni 1903 war der Stein am Lübschen Tor angekommen. Den folgenden Weg beschreibt das „Mecklenburgische Tageblatt“ vom 1. Juli 1903: „ Auf der Chaussee ging der Transport mit acht Pferden ganz gut vonstatten bis zur Stadtziegelei (heute Burgwallcenter), wo der Wagen auf dem Landwege (später folgerichtig Parkstraße und heute Philipp-Müller-Straße) nicht recht vorwärts kam und infolgedessen noch acht Pferde vorgespannt werden mussten, die den Stein bis an den Festplatz brachten. Von da an machte der Berg große Schwierigkeiten. Obgleich oben ein schwerer Wagen festgerammt war, woran ein Flaschenzug angebracht wurde, den vier Pferde in Bewegung setzten, so mussten doch immer wieder Bohlen und Eisenplatten vor die Räder gelegt werden, damit diese nicht so tief in den Sand einschnitten. Am Nachmittag verließ man den Weg, um über die Stoppeln hinweg den ziemlich in gerader Linie liegenden Platz, wo der Block aufgestellt werden soll, zu erreichen. Hier wurden nun 14 Pferde vorgespannt, die um 4 Uhr den Stein an Ort und Stelle brachten.“ Dort wurde er mit einem Flaschenzug vom Wagen gehoben, um ihn dann auf den vorher gemauerten Sockel zu stellen.

Am 7. August wurden in einer Metallkapsel mehrere zeitgenössische Schriften und die Festschrift zur 100-Jahr-Feier des Schweriner Archivars Dr. Hans Witte eingemauert. Die Einweihung nahm anlässlich des Festes am 19. August 1903 der Großherzog Franz IV. vor. Zu dem Ereignis wurden eine Bildpostkartenserie, die auf dem Festplatz abgestempelt wurde und eine Extrazeitung herausgegeben, die heute zu den Raritäten zählen. Allein an diesem Tag wurden circa 30000 Postsendungen vom Festplatz abgesandt und gut 10000 Stadtführer anlässlich der 100-Jahr-Feier verkauft. Für eine Stadt mit 21

000 Einwohnern stattliche Zahlen.

Am 15. August 1948 wurde der Ehrenfriedhof der Roten Armee für 348 gefallene Militärangehörige auf dem Wischberg eingeweiht. Da war der Schwedenstein nur noch störend und fristete bis 1993 ein mehr oder weniger kümmerliches Dasein in einer Ecke zwischen Kita und heutigem Verwaltungsgebäude der Wohnungsbaugesellschaft am Juri-Gagarin-Ring. Im russischen Ehrenmal ist am 8. Mai 1970 noch eine Kartusche mit russischer Erde eingelassen worden. Nach der Bebauung des Wohngebietes Köppernitztal war der alte Standort des Schwedensteines wohl nur noch störend und vom alten Festplatz der Wismarer nichts mehr übrig. Im Sommer 1993 wurde der Stein in der Straße „Am Schwedenstein“ symbolträchtig wieder aufgestellt. Einen weiteren „Schwedenstein“ hatte 1997 der Tierpräparator Klaus-Dieter Jost für das Wismarer Museum als Replik des originalen Steines angefertigt. Diese wurde 2010 aus dem Bestand des Museums ausgegliedert und steht jetzt auf dem zur Kanalstraße hinweisenden Hof des Hauses Turnplatz 7.

Was sonst noch geschah

1. Juli 1855: Die „Großherzoglich-Mecklenburg-Schwerinsche Post“ führt Briefmarken ein.

1. Juli 1866: Die Torwachen werden in Pension geschickt, der Rat entscheidet sich, die Stadttore abzureißen.

1. Juli 1881: Bau von Quartierhäusern für die Soldaten und Unteroffiziere des Wismarer Infanterie-Regiments.

1. Juli 1945: Abzug der englisch-kanadischen Besatzungstruppen aus Wismar.

1. Juli 1945: Dr. Connerth pachtet das Haus Parkstraße 43 (Philipp-Müller-Str.) und richtet eine Kinderklinik ein.

1. Juli 1857: Einweihung des Bahnhofes Wismar.

1. Juli 1992: Eröffnung einer Jugendarrestanstalt mit 16 Haftplätzen im 1890 als Armenhaus erbauten und seit 1935 nach Neu- und Umbau genutzten Gefängnisses in der Kellerstraße 1.

1. Juli 1999: Gründung der Kulturstiftung Nordwestmecklenburg als Bürgerstiftung. Genehmigung am 6. Oktober 1999 durch das Innenministerium des Landes MV.

1. Juli 2000: Die Werkstraße wird in Podeusstraße rückbenannt.

2. Juli 1912: Das Luftschiff LZ 11 „Viktoria Luise“ überfliegt die Stadt.

2. Juli 1945: Besetzung Wismars durch die Rote Armee.

3. Juli 1906: Die Straße Platter Kamp erhält ihren Namen. Ursprünglich ein Feld- und Flurname nach seinem Eigentümer „Jürgen Plate“.

Detlef Schmidt

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