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Wismar Plädoyer für Tauwetter statt Eiszeit
Mecklenburg Wismar Plädoyer für Tauwetter statt Eiszeit
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01:08 17.04.2018
Signierte am Ende der Lesung mehr Bücher als üblich. Gabriele Krone-Schmalz, hier für den Wismarer Ulrich Maaß. Quelle: Foto: Heiko Hoffmann
Wismar

„Ich habe das Buch nicht einmal, nicht zweimal, sondern dreimal gelesen und bin immer noch nicht ganz fertig.“ Der Wismarer Norbert Gelhart outete sich am Dienstagabend als Fan des neuen Buches von Gabriele Krone-Schmalz. Die Autorin las im Zeughaus aus „Eiszeit – Wie Russland dämonisiert wird und warum das so gefährlich ist“. 200 Besucher ließen sich von der Russland-Kennerin durch das Buch führen. „Mir hat es sehr gut gefallen. Der Inhalt ist für alle Generationen interessant. Die Sorge um den Frieden ist leider wieder da“, so der Wismarer Ulrich Maaß. Er ließ sich das Buch signieren und war Nummer zwei in der langen Schlange.

„Wir haben mehr Bücher als üblich verkauft“, war Volker Stein mit dem Abend rundum zufrieden. Die Buchhandlung Hugendubel hatte zu der Lesung eingeladen, das Interesse war so enorm, dass die Karten schnell vergriffen waren. „Und wir hatten einen Rekord: Nur ein Handy hat geklingelt, die Handys lauschen Ihnen“, so der Filialleiter. Gelauscht hat auch Bürgermeister Thomas Beyer (SPD). Er hatte zu Beginn die „streitbare Russland-Expertin“ als jemanden begrüßt, „der den Finger in die Wunde legt“. Beyer warb für eine differenzierte Betrachtung Russlands. Schwarz und Weiß, Gut und Böse – diese Kategorien früherer Bondfilme funktionieren nicht in der Welt von heute.

Genau das ist ein Hauptanliegen des Buches. Deeskalieren, vermitteln, sich in die Lage anderer versetzen „hat nichts mit Schwäche zu tun, sondern mit politischer Weitsicht, mit menschlicher Größe und genau mit den christlichen Werten, die so viele im Munde führen“, wirbt Krone-Schmalz für ein Ende der Eiszeit zwischen Russland und dem Westen.

„Eiszeit“ ist keine leichte Unterhaltungskost. Doch sie wolle es „Hardlinern“, die keine andere Position als die eigene zulassen, so schwer wie möglich machen. Darum mehr Fakten als Emotionen. Sie zitiert den früheren SPD-Bundeskanzler Willy Brandt und sagt den Zuhörern im Zeughaus: „Den bräuchten wir heute.“ Zustimmendes Gemurmel. In Wismar erntet Krone-Schmalz viel Zustimmung und Applaus.

Sie appelliert im Kapitel „Selber denken“ an den mündigen Bürger und schreibt im Kapitel „Gut und Böse“ wie reflexartig häufig über Russen gedacht wird: „Wenn es gilt, Schuldige zu suchen, dann ist nichts so einfach, wie in Russland fündig zu werden. Denn ,denen’ kann man offenbar alles unterstellen, auch ohne Beweise liefern zu müssen.“

Zum Giftgaseinsatz am letzten Wochenende in Syrien mit über 150 Toten sagt Krone-Schmalz, dass sie Zweifel habe, dass Machthaber Assad dahinterstecke. Er sei gestärkt, zuletzt durch Landgewinne. „Wo ist da die Logik?“ Auch dass Russland hinter dem Attentat auf den russischen Ex-Doppelagenten Skripal in England stecken soll, bezweifelt Krone-Schmalz. „Bewiesen ist nichts, es gibt viele ungeklärte Fragen.“ Solidarität könne es nur bei belastbaren Grundlagen geben, kritisiert die Autorin all die Länder, die der britischen Premierministerin Theresa May „beigesprungen sind“. Dass ihre Ansichten teils umstritten sind, stört die 68-Jährige nicht. Eine Zuhörerin ermuntert sie, sich treu zu bleiben. Krone-Schmalz: „Ich habe nicht vor, aufzugeben.“

Russland-Korrespondentin

Gabriele Krone-Schmalz (68) gilt als eine der

führenden Russland-Experten Deutschlands.

Sie ist Mitglied im Forum „Petersburger Dialog“, das die Verständigung zwischen den Zivilgesellschaften Deutschlands und Russlands fördert.

Von 1987 bis 1991 war Gabriele Krone-Schmalz Russland-Korrespondentin der ARD, im Anschluss moderierte sie den ARD-Kulturweltspiegel bis 1997.

Von 2011 bis 2016 war sie Professorin für TV und Journalistik an der Hochschule Iserlohn.

Vor dem Buch „Eiszeit“ waren „Was passiert in Russland“ (2007) und „Russland verstehen“ (2015) erschienen.

Krone-Schmalz ist auch bekannt durch Auftritte im Fernsehen, mit Gesprächspartnern gab es einen zum Teil heftigen Meinungsstreit.

Heiko Hoffmann

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