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Die schnellste Schreiberin im Osten arbeitet in Wismar

Wismar Die schnellste Schreiberin im Osten arbeitet in Wismar

Monika Mahlke siegt bei Verbandsmeisterschaften der Stenografen / Sie arbeitet in der Kreisverwaltung als persönliche Referentin von Landrätin Kerstin Weiss

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Heimvorteil für die Tarnewitzerin Monika Mahlke (58). Kuscheltiere sollten ihr im Wettbewerb Glück bringen.

Quelle: Fotos: Nicole Hollatz

Wismar. Monika Mahlke ist die beste Schnellschreiberin in Ostdeutschland. Die 58-Jährige aus Tarnewitz hat am Sonnabend in Wismar bei den 25. Verbandsmeisterschaften des Ostdeutschen Stenografenverbandes in der Einzelwertung Stenografie gesiegt.

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Monika Mahlke siegt bei Verbandsmeisterschaften der Stenografen / Sie arbeitet in der Kreisverwaltung als persönliche Referentin von Landrätin Kerstin Weiss

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Monika Mahlke arbeitet als persönliche Referentin von Nordwestmecklenburgs Landrätin Kerstin Weiss, sie ist Mitglied im „Stenografenverein Leipzig 1990“ — in Mecklenburg-Vorpommern gibt es keinen Verein. Verglichen wurde in den Wettbewerben „Stenografie in steigender Geschwindigkeit“, Texterfassung sowie Textbearbeitung und -gestaltung. „Das ist praktisch orientierte Textverarbeitung, man muss einen Brief nach den DIN-Vorschriften schreiben, alles muss genau stimmen“, berichtete Monika Mahlke vom Wettbewerb. Tägliches Handwerkszeug im Beruf. Nicht mehr alltäglich in Zeiten von Diktiergerät ist die Stenografie, die Schnell- oder Kurzschrift.

Und so fand der Wettbewerb statt: Gespenstische Stille, als Rita Lehmann mit dem Vorlesen des Textes begann, eines parlamentarischen Textes. Die „Ansagerin“ startete mit 250 Silben in der Minute.

Zum Vergleich: Ein normal schnell in seiner Handschrift Schreibender schafft in einer Minute 40 Silben. Von Minute zu Minute wurde die „Ansagerin“ Rita Lehmann schneller. Nach fünf Minuten fiel dem ungeübten Zuhörer das Mitkommen schwer. Die Steigerung ging noch bis zur zehnten Minute auf 475 Silben. Eine ganze Seite Text im Eiltempo. Mitdenken für Ungeübte fast ausgeschlossen. Das war der Wettbewerb der Stenografen in Kurzform. Sehr gute Stenografen schreiben in diesem Affentempo noch fehlerfrei und wortgenau mit.

Diese sehr guten Handstenografen und Tastschreiber haben sich am Wochenende in Wismar getroffen. Die 25. Verbandsmeisterschaften des Ostdeutschen Stenografenverbandes waren eine Premiere für Wismar. Landrätin Kerstin Weiss (SPD) eröffnete als Schirmherrin den ungewöhnlichen Wettbewerb im Gebäude der Kreisvolkshochschule. 41 Teilnehmer aus sechs Vereinen sowie drei Gastschreiber hatten sich angemeldet, Monika Mahlke war die einzige aus der Region.

Sie hat diese Kurzschrift noch in der Ausbildung zur Facharbeiterin für Schreibtechnik gelernt, dann später im Studium ganz praktisch für die Mitschriften genutzt. Oder auch für Notizen an die Freundin, die nicht jeder lesen können sollte. Jetzt stenografiert sie bei den Dienstberatungen im Team von Kerstin Weiss. „Ich sage etwas und sie macht zwei Zeichen“, ließ die Landrätin die „Schriftfreundinnen und Schriftfreunde“ zur Eröffnung der Meisterschaft schmunzeln.

Schnell schreiben, genau schreiben, fehlerfrei schreiben — das geht mit der Kurzschrift und mit Tricks. „Wir haben als Praktiker für bestimmte Wortwendungen Abkürzungen. So kann man mal Luft holen und dann weitermachen oder aufholen, wenn der Ansager schon weiter ist als man selbst“, erläuterte Monika Mahlke. Beim Wettbewerb werden politische Reden genutzt, gespickt mit Fachbegriffen, die sich nicht abkürzen lassen und schnell wertvolle Zeit kosten.

Für die Praktiker wie Monika Mahlke gehört die Stenografie zum Alltag. „Die Handstenografie ist ein Teil meines Lebens geworden“, erzählte sie. Ein Teil des kulturellen Erbes, eingefangen im heimischen Einkaufszettel oder eben im Wortprotokoll im Bundes- oder Landtag, die immer noch stenografiert werden. Monika Mahlke erwischt sich dabei, wie sie die gehörten Nachrichten im Kopf mitstenografiert. Genauso beim Bücherlesen. „Es tackert gleich im Kopf, wie schreibst du das in Steno“, verriet sie lachend. Das ist das tägliche Training. „Man darf nicht aufhören, wie bei einer Fremdsprache.“ Wenn man die nicht mehr nutzt, gerät das Wissen in Vergessenheit.

Heimvorteil und zwei Kuscheltiere als Glücksbringer haben zusammen mit guten Nerven und natürlich ihrem Können Monika Mahlke auf das Siegertreppchen in der Einzelwertung Stenografie gehoben. Als Verbandsmeisterin kann sie an den Deutschen Meisterschaften teilnehmen, möchte jedoch darauf verzichten. Sie finden in Süddeutschland statt.

Alexander Beyer wurde Verbandsmeister in der Kategorie „Texterfassung 20 Minuten und Perfektion“, die amtierende deutsche Meisterin Katrin Müller ist Verbandsmeisterin in professioneller Textverarbeitung, in der Kategorie Textbearbeitung und Gestaltung heißt Ralf Groß der Sieger.

Obendrein wurde die erfolgreichste Mannschaft geehrt: Der Luckenwalder Stenografenverein „Pelikan“ hat abgeräumt.

Von Nicole Hollatz

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