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Immer mehr Menschen wollen einen Waffenschein

Wismar Immer mehr Menschen wollen einen Waffenschein

544 Nordwestmecklenburger besitzen einen „Kleinen Waffenschein“. Die Tendenz ist steigend.

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Für die Schreckschusspistole ist nach dem Waffenrecht ein „Kleiner Waffenschein“ erforderlich, wenn sie geladen am Mann getragen wird. Ansonsten kann jeder Volljährige diese käuflich erwerben.

Quelle: Maik Ehrlich

Wismar. 544 Nordwestmecklenburger besitzen einen „Kleinen Waffenschein“. Die Tendenz ist steigend. Wurden 2014 noch 24 Anträge bewilligt, so waren es bis Mitte November 2015 19 Erteilungen und sieben offene Anträge. Bis Ende 2015 gingen weitere 16 Anträge ein. „In diesem Jahr lagen allein im Januar der Behörde 55 Neuanträge vor. Sie befinden sich allerdings noch in der Bearbeitung. Bis zum 10. Februar sind weitere 19 Neuanträge eingegangen“, so Kerstin Weiss (SPD), Landrätin von Nordwestmecklenburg, auf Anfrage der OSTSEE-ZEITUNG.

 

OZ-Bild

In diesem Jahr lagen allein im Januar der Behörde 55 Neuanträge vor.“Kerstin Weiss (SPD), Landrätin von Nordwestmecklenburg

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Gründe für den Anstieg könne der Landkreis nicht nennen. „Es besteht keine Begründungspflicht“, erklärt Kerstin Weiss. Doch Peter Richter, Sportwaffenhändler in Neukloster, glaubt den Grund zu wissen: „Die Leute haben einfach Angst.“ Er kennt Beispiele, wo sich Leute, insbesondere auch Frauen, mit Abwehrsprays eingedeckt haben.

„Nach den Ereignissen in der Silvesternacht in Köln habe ich einfach Angst. Deshalb habe ich mir eine Dose mit Pfefferspray besorgt und trage diese immer in meiner Handtasche“, erzählt eine 33-jährige Wismarerin, die ihren Namen in der Zeitung nicht lesen möchte. Viele sollen sich auch eine Schreckschusspistole besorgt haben. „Ein ,Kleiner Waffenschein‘ wird benötigt, wenn die Schreckschusspistole geladen am Mann getragen wird. Ansonsten kann sich jeder Volljährige eine Schreckschusspistole kaufen, ohne dass er dafür eine Genehmigung braucht“, erklärt Peter Richter.

Die Idee sich zu bewaffnen, stößt jedoch bei einigen Wismarern auf Ablehnung. „Ich habe in der ehemaligen Nationalen Volksarmee eine Waffe tragen müssen und war heilfroh, als ich sie immer wieder abgeben musste. Bin froh, dass diese Zeit vorbei ist“, so der 59-jährige Axel Reuter aus Wismar.

„Die Bewaffnung sehe ich als Teil der Hysterie, die sich um das Flüchtlingsthema entwickelt hat und von politischen Kräften geschürt wird. Mehr Sicherheit wird dadurch nicht erreicht “, ist sich Wismars Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) sicher.

Dennoch will der Bürgermeister diese Angst nicht herunterspielen. „Es gab auch im vergangenen Jahr Überfälle, wo Waffen eine Rolle gespielt haben“, meint er. Das bestätigt auch die Polizei. „Wir hatten mehrere Überfälle, insbesondere auf Tankstellen, wo die Täter bewaffnet waren“, bestätigt Wismars Polizeisprecherin Nancy Schönenberg.

Prinzipiell könne jeder einen Waffenschein beantragen. „Der ,Kleine Waffenschein‘ berechtigt den Inhaber zum Führen von SRS-Waffen, das sind Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen. Wer eine solche Waffe führt, muss neben Personalausweis oder Pass auch den ,Kleinen Waffenschein‘ mit sich führen“, macht die Landrätin aufmerksam. Polizeibeamten oder sonst zur Personenkontrolle Befugten seien die Papiere auf Verlangen zur Prüfung auszuhändigen. „Verstöße können als Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße bis zu zehntausend Euro geahndet werden“, warnt die Landrätin.

Der Erwerb und Besitz solcher SRS-Waffen unterliegt nicht der Erlaubnispflicht des Waffengesetzes. Voraussetzung dafür ist jedoch die Volljährigkeit des Besitzers oder Erwerbswilligen. „Im Sinne des Waffengesetzes führt eine Waffe, wer tatsächliche Gewalt darüber außerhalb der eigenen Wohnung, Geschäftsräume, des eigenen befriedeten Besitztums oder einer Schießstätte ausübt“, ergänzt die Landrätin.

Bei öffentlichen Veranstaltungen dürfe trotz des „Kleinen Waffenscheins“ keine Waffe geführt werden. Das treffe nicht nur für Demonstrationen zu. Verboten sei es auch, die Waffen bei Veranstaltungen wie im Kino, im Theater, in der Disco, auf Festen, Märkten oder beim Karneval zu tragen. Wer gegen das Waffengesetz verstößt, kann mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit einer Geldbuße bestraft werden.

Kleiner Waffenschein

Der „Kleine Waffenschein“ ist ein Waffenschein, der in Deutschland zum Führen von sogenannten Schreckschusswaffen mit dem Siegel der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) berechtigt.

Zum bloßen Erwerb einer Waffe mit PTB-Zeichen F genügt in Deutschland die Volljährigkeit — ihr Erwerb ist erlaubnisfrei; auch der Besitz ist erlaubnisfrei. Reizstoffsprühgeräte mit PTB-Prüfzeichen dürfen auch ohne „Kleinen Waffenschein“ von Personen ab 14 Jahren in der Öffentlichkeit mitgeführt werden. Ein Sachkundenachweis ist, anders als bei einer Waffenbesitzkarte oder einem Waffenschein, nicht erforderlich. Jeder, der diese Voraussetzungen erfüllt, kann einen „Kleinen Waffenschein“ beantragen. Die Bearbeitung dauert, je nach Behörde und Bundesland, meist drei bis acht Wochen.

Die Voraussetzungen für den „Kleinen Waffenschein“ sind identisch mit denen des vollwertigen Waffenscheins, allerdings muss der Antragsteller kein Bedürfnis und keine Haftpflichtversicherung nachweisen. Der Antragsteller muss zuverlässig und persönlich geeignet sein. Bei der Prüfung der Zuverlässigkeit und persönlichen Eignung werden folgende Kriterien an den Antragsteller gestellt: keine Vorstrafen (außer höchstens einer Freiheitsstrafe, Jugendstrafe oder Geldstrafe von weniger als 60 Tagessätzen), fachgerechte Aufbewahrung der Waffen, Mindestalter 18 Jahre, keine Drogen- oder Alkoholabhängigkeit, körperliche und geistige Eignung.

Von Peter Preuß

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