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Karin Strenz holt das Direktmandat

Wismar/Grevesmühlen/Bad Doberan Karin Strenz holt das Direktmandat

CDU-Kandidatin verteidigt ihren Sitz im Bundestag / SPD legt im Wahlkreis zu / AfD aus dem Stand zweistellig

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Stimmen auszählen im Wahllokal im Wismarer Rathaus. Von Partystimmung danach oben im Bürgerschaftssaal war nichts zu spüren.

Wismar/Grevesmühlen/Bad Doberan. Stille im Bürgerschaftssaal des Wismarer Rathauses. Die erste Hochrechnung läuft über die Bildschirme. Kein Jubel. Kein Aufschrei. „Erschreckend“, kommentiert Monika Franz. Der Wismarerin graut vor der AfD in der Opposition. „Stellen Sie sich mal den Gauland im Bundestag vor!“ Ein paar Tische weiter steht Stöv Björn und wagt eine nüchterne Analyse. „Das wird so weitergehen wie bisher.“ Er habe auf eine stärkere FDP gehofft. „Die SPD konnte sich nicht profilieren.“ Gerechtigkeit für alle sei zu allgemein. „Sie haben es nicht auf den Punkt gebracht.“ Die AfD werde über Sachthemen wieder verschwinden, glaubt Björn.

Von den Kandidaten des Wahlkreises 13 ist im Wismarer Rathaus zunächst niemand zu sehen. Karin Strenz (CDU), die wenige Tage vor der Wahl wegen fragwürdiger Verbindungen ins autoritär geführte Aserbaidschan in die Kritik geraten war (die OZ berichtete), hat mit Parteikollegen im Technologie- und Gewerbezentrum am Hafen die Auszählung verfolgt. Die Presse darf nicht dabei sein, telefonisch ist Strenz nicht zu erreichen. Gegen 21.30 Uhr steht fest: Sie hat Verluste hinnehmen müssen, aber die meisten Stimmen geholt und wieder das Direktmandat gewonnen. Klar abgeschlagen sind SPD und Linke, die AfD holt aus dem Stand viele Stimmen. Später am Abend verschickt das Wahlkampfteam von Karin Strenz ein Jubel-Foto. Auf ihrer Facebook-Seite steht dazu: „Vielen Dank für Euer Vertrauen!“

In Wismar weit vorn – im Wahlkreis nur auf Platz zwei: SPD-Kandidat Frank Junge kommt ins Rathaus und ist wenig erfreut, dass zwischen ihm und der CDU- Kandidatin noch immer so ein großer Abstand herrscht. Nun wolle er genau hinschauen, wo sich die Ergebnisse widerspiegeln. „Ich vermute, dass gerade in den strukturschwachen, ländlichen Gebieten die Wahl zugunsten der AfD ausgegangen ist“, sagt Junge. Er hat den Abstand zu Strenz im Vergleich zur Wahl vor vier Jahren deutlich verringern können. Er führt das auf seine Arbeit im Wahlkreis zurück. Mit einem Bus wolle er künftig in jedes noch so abgelegene Dorf fahren, um den Menschen zuzuhören. An Motivation mangelt es ihn nicht, trotz heftiger Niederlage seiner Partei.

Entspannt nimmt der Kandidat der Linken das Wahlergebnis zur Kenntnis. „Ich bin als Außenseiter gegen zwei Amtsinhaber angetreten“, kommentiert Horst Krumpen die Zahlen. Im Bund habe Die Linke leicht zugelegt, wenngleich sie sich mehr gewünscht hätten. „Das werden spannende Koalitionsverhandlungen. Nach der Regierungsbildung werden die Lager klar sein und wir uns als Opposition klar gegen die AfD stellen.“

Freude bei der FDP: „Über das Ergebnis bin ich positiv überrascht“, sagt Kandidat Chris Rehhagen. „Wir haben mehr als fünf Prozent der Stimmen bekommen – das ist uns bei der Landtagswahl im vergangenen Jahr noch nicht geglückt.“ Derzeit würden die Freien Demokraten mit einem Abgeordneten aus MV im Bundestag vertreten sein. „Ein wichtiger Erfolg.“ Auch mit der persönlichen Wahl-Bilanz könne er leben, sagt der 25-Jährige: „Ich bin ja noch ein sehr junger Kandidat – deshalb freue ich mich, mit meinen 5,8 Prozent nicht meilenweit hinter erfahreneren Parteikollegen gelandet zu sein.“

Auch Claudia Schulz (Grüne) ist zufrieden: „Das Ergebnis macht Hoffnung, dass die Leute wissen, Grün ist vertreten.“

Gelassen hat Christoph Grimm (AfD) das Ergebnis im Amt Klützer Winkel erlebt. Dass er das Direktmandat nicht erreichen würde, das sei ihm vorher klar gewesen. Doch es sei ein Achtungserfolg. „Es geht darum, dass wir als Partei einen großen Schritt machen, und den haben wir getan. Wir bohren dicke Bretter, und das dauert eben etwas länger.“ Trotz der hohen Prozentzahl bei den Zweitstimmen, einen Platz im Bundestag wird es für den Rechtsanwalt auch über die Liste nicht geben. „So wie es aussieht, werden wir vier Sitze erhalten, ich stehe auf Platz sechs.“ Für den ehemaligen Sozialdemokraten, der aus Überzeugung in die AfD, die in Nordwestmecklenburg rund 80 Mitglieder hat, eingetreten ist, ist die Wahl dennoch ein Erfolg. Wenn auch ein mühsam erkämpfter. „Allein in Boltenhagen mussten wir 60 Mal die Wahlplakate erneuern.“

Nicole Buchmann, Kerstin Schröder, Michael Prochno

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