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Mit Kung-Fu am Ostseestrand findet sie Kraft für die Politik

Direktkandidaten im Wahlkreis 13 vorgestellt: Martina Bunge (Die Linke) Mit Kung-Fu am Ostseestrand findet sie Kraft für die Politik

Die gebürtige Leipzigerin ist seit der Wende für die Linken aktiv. Im privaten Leben setzt sie auf Selbstheilungskräfte und in der Politik auf Konsequenz.

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Kampfkunst am Strand von Wendorf. Martina Bunge ist ein Kung-Fu-Fan. Mit Schultern, Armen und Händen formt sie einen imaginären Bogen. Auch im Parlament sei sie eine ausdauernde Kämpferin für Gerechtigkeit, sagt die 62-Jährige. Fotos (2): Ina Schwarz

Wismar. Ihre Handtasche, aus der allerlei Papiere und Akten ragen, stellt Martina Bunge auf einen Grashügel neben der Wendorfer Seebrücke ab, schlüpft aus ihren Schuhen und geht barfuß durch den Sand. „Wasser ist mein Element“, schwärmt sie beim Gehen, atmet tief durch, vertieft sich einige Sekunden und beginnt mit ihren Kung-Fu-Übungen. Ich fotografiere.

Und staune. Beides gleichzeitig. „Es sind 17 Abwehrübungen“, erklärt die Bundestagsabgeordnete der Linken, während sie wie eine „Kriegerin“ mit Schultern, Armen und Händen einen imaginären Bogen spannt. Im Hintergrund glitzert das Wasser der Ostsee.

„Das mache ich jeden Morgen“, weiht mich die 62-Jährige später bei einer Tasse grünem Tee ein. „Danach Qigong und zum Abschluss tauche ich einmal in der Ostsee unter.“ Ich bin baff. Das alles auch im Winter? Martina Bunge lacht. „Klar. Bei minus zwölf Grad sind mir mal die Fingerspitzen erfroren. Seither bin ich vernünftiger geworden. Bei minus fünf Grad ist jetzt definitiv Schluss.“

Dieses unerschrockene Eintauchen ins kalte Wasser zieht sie auch als Parlamentarierin durch. Von der Wissenschaft (sie studiert zunächst Mathematik, später Marxismus-Leninismus) hat es sie gleich nach der Wende in die Politik gespült. „Macht kann unglaublich arrogant sein“, sagt die erfahrene Politikerin. Vor allem die „träge Abstimmungsmaschinerie“ gefährdet ihren eh zu hohen Blutdruck immer wieder. „Eben wird in den Ausschüssen noch sachdienlich diskutiert, später dann doch anders abgestimmt.“ Das nervt die gesundheitspolitische Sprecherin. Doch die ständigen Wechselbäder härten auch ab. „Macht ist gleichzeitig etwas Schönes!“, gibt sie ebenso offenherzig zu. Sie nimmt einen kräftigen Schluck Tee und legt entspannt die Füße hoch. Auf der Terrasse des Restaurants. „Das tut mir gut“, entschuldigt sie sich. „Ich hatte kürzlich eine OP.“

Von 1998 bis 2002 war Martina Bunge Sozialministerin in MV. „Ja, da hatte ich Macht, konnte richtig was mitgestalten!“, reflektiert sie. Dennoch begleiten sie beim Nachdenken heute gemischte Gefühle.

„Auf mich selbst, meine Gesundheit und Bedürfnisse habe ich damals überhaupt nicht mehr geachtet“, sagt sie. Und heute? Martina Bunge sieht sich wie einen „sozialpolitischen Dinosaurier“. „Kann nur gut sein, wenn es in der Politik noch ein paar Kronzeugen gibt, die wissen, dass laut Einigungsvertrag vieles mal ganz anders gemeint war“, erklärt sie dazu.

Wir reden jetzt über das Essen in der Kantine im Bundestag. „Alles nicht so einfach mit der gesunden Ernährung“, seufzt sie. Im Hause Bunge gibt es zum Frühstück jeden Morgen Soja-Milch-Joghurt mit Apfel, Papaya und Mango. „Das sind die Früchte, die mein Körper verträgt. Weizen zum Beispiel macht mich müde. Da geht alle Energie in den Magen und nichts mehr in den Kopf“, gewährt die Kandidatin der Linken großzügigen Einblick in ihre Ernährungsgewohnheiten. Als Pendlerin zwischen den Welten hat sie eine Wohnung in Berlin, ein Haus in Warnemünde und tourt jetzt zu Hochzeiten im Wahlkampf bis zu 300 Kilometer täglich durchs Land. „Oft ist es dann doch wieder die schnelle Bratwurst“, geht sie zwinkernd mit sich selbst ins Gericht. Martina Bunge ist eine, die davon überzeugt ist, dass jeder Mensch sich selbst heilen kann. „Mit 50 konnte ich kaum noch die Griffe am Lenkrad meines Fahrrads halten“, erzählt die zweifache Mutter. Ihre Gelenkschmerzen, Knie- und Hüftprobleme hat sie mit ihrer speziellen Kampfkunst, kaltem Ostseewasser und mehr Achtsamkeit gut in den Griff bekommen. Ob dieser Selbstheilungseffekt auch für die Politik gilt? „Konsequenz ist wichtig“, empfiehlt Martina Bunge. „Viele Politiker können sich leere Versprechen doch nur leisten, weil sie vom Wahlvolk eben nicht die Quittung bekommen.“ Etwas, was die Frau, die gerne Marx zitiert, Theater liebt, Klavier spielt und zwei Enkelkinder hat, noch immer auf die Barrikaden treibt: „Wider besseren Wissens handeln!“

Serie

Bundestagswahl

2013

Die Direktkandidaten
Wahlkreis 13: Karin Strenz (CDU), Martina Bunge (Linke), Frank Junge (SPD), René Domke (FDP), Ulrike Seemann-Katz (Grüne), Dennis Klüver (Piraten), Gustav Graf von Westarp (Freie Wähler), Stefan Köster (NPD)

 

 

Ina Schwarz

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Direktkandidatin Martina Bunge (Die Linke).

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