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Wundenlecken nach der Landtagswahl

Wismar/Grevesmühlen Wundenlecken nach der Landtagswahl

Die Grünen und Linken sind vom Ergebnis enttäuscht / Gut gelaunt zeigte sich gestern die AfD Nordwestmecklenburg

Wismar/Grevesmühlen. Der Morgen danach. Tino Schwarzrock sitzt am Rechner, auf dem Bildschirm die Ergebnisse der Wahlen in den einzelnen Landkreisen und Städten von Mecklenburg-Vorpommern. Neben der Tastatur eine Tasse Kaffee. „Dass es knapp würde, das war uns klar“, sagt der Grüne. Die Enttäuschung sei dennoch groß. Bis zuletzt mussten die Grünen bangen. Am Ende hat es nicht gereicht für den Wiedereinzug ins Schweriner Schloss.

 

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Unsere Haltung zur Flüchtlings- politik fand keine Zustim- mung. Deshalb ändern wir sie aber nicht.“Horst Krumpen, Die Linke

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Klar bin ich enttäuscht. Aber Kom- munalpolitik bleibt mein Hauptfeld, in dem ich mich engagiere.“Tino Schwarzrock, Die Grünen

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Mit dem Ergebnis in Wismar ist Schwarzrock durchaus zufrieden. Hier liegen die Grünen mit 5,4 Prozent der Stimmen über dem Landesdurchschnitt. „Mich bestärkt das darin, im Kreistag und in der Bürgerschaft mit Engagement weiterzuarbeiten.“ Ohnehin müssten die Grünen daran arbeiten, sich kommunalpolitisch mehr zu verwurzeln.

Ohne Bodenhaftung turnt Tilo Gundlack am Morgen danach auf der Leiter. Seit halb neun hängt er Wahlplakate ab. 40,6 Prozent der Erststimmen hat er in Wismar geholt. „Die Anspannung lässt so langsam nach.“ Ein harter Wahlkampf sei das gewesen, eine neue Erfahrung. „Ich habe nicht gegen einen Kandidaten gekämpft, sondern gegen eine Stimmung“, sagt Gundlack. Und, dass er aus dieser Erfahrung lernen will. „Ich habe neue Ideen, wie ich noch näher an den Bürger herantreten kann, die Politik an die Frau und an den Mann bringen kann.“ Sie alle, sagt Gundlack und meint Grüne, Linke, CDU, FDP und SPD, müssten die Augen nun noch besser aufmachen.

„Dass die so hoch drin sind“, raunt ein Mann vorbei an Kaugummis über den Tresen in Richtung von Horst Krumpen. Der Linke liegt weit abgeschlagen hinter SPD, AfD und CDU. Entspannt und ruhig sei er dennoch, sagt er. „Ich bin sehr viel in Kontakt mit Menschen und habe mit dem Ergebnis gerechnet.“ Die Linken seien mit einer bestimmten Haltung zum alles überlagernden Thema, der Flüchtlingspolitik, angetreten. „Für diese Haltung gab es offenbar weniger Zustimmung, als wir uns das gewünscht haben“, resümiert Krumpen. Das ändere aber nichts daran, dass die Linke auch weiterhin diese Haltung vertritt. „Wir werden weiterhin für ein tolerantes, weltoffenes Mecklenburg-Vorpommern eintreten.“

Gut gelaunt war gestern Christoph Grimm, der Rechtsanwalt aus Damshagen sitzt künftig für die AfD im Schweriner Landtag. „Ja, wir haben gefeiert, aber ich hatte auch mit einem Erfolg gerechnet“, sagt Grimm. Der Nordwestmecklenburger will auch weiterhin als Jurist arbeiten. „Mein Mandat behalte ich, aber ich muss natürlich sehen, was neben der politischen Arbeit machbar und möglich ist.“ Er sei im Moment froh, dass die Wahlkampfzeit vorbei ist. „Das war nicht immer einfach, ich bin von Mitgliedern der Antifa angegriffen und beleidigt worden.“ Künftiges Ziel von Christoph Grimm ist die innere Politik in Mecklenburg-Vorpommern. „Und ich will mich dafür einsetzen, dass die Bürger mehr mitbestimmen können. Die Gerichtsstrukturreform muss geändert werden, das Amtsgericht in Grevesmühlen wieder Amtsgericht werden.“

Enttäuschung herrscht nach der Wahl in den Reihen der CDU. Christiane Berg aus Groß Stieten hat trotz der schlechten Werte der Christdemokraten den Einzug in den Landtag über die Landesliste ihrer Partei geschafft. „Ich gebe es offen zu, dass ich traurig bin über das Ergebnis“, erklärte die Politikerin gestern. „Es war schon im Wahlkampf schwierig, die Leute haben die CDU im Land immer wieder mit der Flüchtlingspoltik der Bundes-CDU zusammengebracht, da war es oftmals schwer, mit Argumenten zu agieren.“ Den Erfolg der AfD sieht Christiane Berg mit Skepsis. „Eine politische Zusammenarbeit kann ich mir nicht vorstellen, es sei denn, die Partei distanziert sich von den extremen Forderungen. Aber daran glaube ich eher nicht.“

Nicole Buchmann und Michael Prochnow

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