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Prettl macht Zugeständnisse an ehemalige Baltic-Elektroniker

Grevesmühlen/Lübeck Prettl macht Zugeständnisse an ehemalige Baltic-Elektroniker

Verhandlungen zum Standort Grevesmühlen und zur Übernahme der Mitarbeiter verliefen positiver als erwartet – Dennoch keine Festtagsstimmung im Grünen Weg

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Philipp Mirliauntas, Geschäftsführer Prettl Lübeck

Grevesmühlen/Lübeck. Teilerfolg für den Betriebsrat der ehemaligen Baltic-Mitarbeiter: Prettl wird den Standort im Grünen Weg in Grevesmühlen nun doch nicht komplett aufgeben und ein Repair Service Center für Handy-Displays und Elektronik von Airbus aufbauen. Zudem soll die Arbeit in Lübeck erst ab frühestens Juli 2018 starten. Zu den Zugeständnissen, die die Prettl-Geschäftsführung gemacht hat, gehört auch, dass sie weiterhin 30 Urlaubstage anstatt wie bei Prettl üblich 28 erhalten.

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Verhandlungen zum Standort Grevesmühlen und zur Übernahme der Mitarbeiter verliefen positiver als erwartet – Dennoch keine Festtagsstimmung im Grünen Weg

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Gute Nachrichten sind eigentlich Mangelware für Belegschaften von Firmen, die in die Hand eines anderen Eigners übergegangen sind. So sah es zunächst auch bei der Grevesmühlener Baltic Elektronik aus, die Ende vergangenen Jahres von der Körber AG an Prettl Electronics in Lübeck veräußert wurde. Im Februar dieses Jahres hatte die Belegschaft die Hiobsbotschaft erreicht: Der Betriebsteil in Grevesmühlen wird geschlossen, 90 Prozent der Belegschaft werden zwar übernommen, sollten aber ab September bereits in Lübeck arbeiten.

Ende September wurde dann plötzlich bekannt, dass sich der Betriebsrat und die IG Metall in Verhandlungen mit der Geschäftsführung von Prettl in Lübeck befinden, um die Bedingungen des Personaltransfers abzufedern.

Vor diesem Hintergrund ist vieles von dem, was Betriebsratsvorsitzender Frank Ritter nun vermelden kann, durchaus erfreulich. „Ja, wir konnten einiges erreichen – zumindest für die Mitarbeiter, die sich entschließen werden, den Weg nach Lübeck zu gehen.“ Wie viele es letztlich sein werden, die sich nach der Änderungskündigung, die sie in diesem Monat erhalten, dann tatsächlich für eine Arbeit in Lübeck entscheiden, dazu mag Ritter keine Prognose abgeben.

Von den ehemals 120 Mitarbeitern haben bereits einige den Betrieb freiwillig verlassen. Mit der niedrigen Arbeitslosenquote in Nordwestmecklenburg und Personalmangels allerorten stehen die Chancen derzeit gut, etwas anderes in der Region zu finden. Es bleibt also abzuwarten, wer sich von den insgesamt noch 106 Mitarbeiter in Grevesmühlen auf den Tarif-Sozial-Plan einlassen kann, den Betriebsrat und IG Metall ausgehandelt haben. Dieser sieht zumindest vor, dass, sollten zukünftig neue Tarifabschlüsse in der Elektro-Industrie erzielt werden, die Erhöhungen auch für die ehemaligen Baltic-Mitarbeiter wirksam werden. „Dabei muss man jedoch wissen“, so Ritter, „dass wir schon bei Körber und auch zurzeit bei Prettl nicht nach Tarif bezahlt werden.“

„Im Repair-Center in Grevesmühlen können 11 Mitarbeiter arbeiten – mit zumindest Aussicht auf Bestand oder sogar Erweiterung“, erklärt Daniel Friedrich von der IG Metall Lübeck-Wismar. Für die Mitarbeiter, die sich entscheiden, nach Lübeck zu gehen, wird ein Shuttle-Service nach und von Lübeck aus eingerichtet. Wer sein privates Auto nutzt, erhält eine Kilometerpauschale von 30 Cent pro Kilometer für die Hinfahrt nach Lübeck.

Wer keines der beiden Arbeitsangebote annehmen kann, soll eine kleine Abfindung erhalten – und damit eine gewisse Würdigung seiner Lebensleistung bei Baltic Electronics, wie Friedrich erklärt.

Repair-Service-Center ist nur ein kleiner Trost

Im Dezember 2015 hatte Baltic Elektronik im Grünen Weg in Grevesmühlen den Besitzer gewechselt. Der Technologiekonzern Körber aus Hamburg hatte das Unternehmen an die Lübecker Prettl Electronic abgegeben.

Prettl gilt nun als größter EMS-Dienstleister (Electronic Manufacturing Service) in Norddeutschland. Im vergangenen Jahr war von einem Jahresumsatz um die 50 Millionen Euro die Rede.

Der Landkreis NWM hatte versucht, die Betriebsschließung zu verhindern und zusammen mit dem Schweriner Wirtschaftsministerium Prettl Electronic eine Immobilie in Selmsdorf angeboten, sowie eine Lohnkostenförderung in Höhe von 1,1 Millionen Euro in Aussicht gestellt – jedoch umsonst.

DREI FRAGEN AN...

1Qualifizierte Mitarbeiter sind immer schwerer zu finden. Spielte das eine Rolle bei den Verhandlungen? Das Konzept der Prettl Electronics hat schon immer vorgesehen, dass wir sämtliche Mitarbeiter aus der Fertigung übernehmen. Lediglich Überhänge und Doppelungen im administrativen Bereich sollten eine betriebsbedingte Kündigung erhalten.

Bisher haben wir keine einzige Kündigung ausgesprochen.

2 Warum wird Grevesmühlen nun nicht aufgegeben? Mit dem Repair Service Center in Grevesmühlen bieten wir elf Mitarbeitern die Möglichkeit, vor Ort zu bleiben. Unsere Intention ist es, die Prettl Electronics Lübeck GmbH als den führenden Elektronikdienstleistunger für Norddeutschland stabil und zukunftssicher zu positionieren.

3 Was bieten Sie als Arbeitgeber? Prettl Electronics bietet attraktive Arbeitsplätze im Bereich der Elektronik für diverse Bereiche. Wir liefern in die Luftfahrtindustrie, Medizintechnik und verschiedenste industrielle Anwendungen. Die Spezialisierung und Vielfältigkeit der Arbeit ist attraktiv für die Mitarbeiter.

Annett Meinke

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