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Prozess um Messerattacke: Richter hat Zweifel

Schwerin/Wismar Prozess um Messerattacke: Richter hat Zweifel

Der Wismarer Alexander L. (29) ist angeklagt, den 19-jährigen Robert Düwel niedergestochen zu haben / In dem Facebook-Streit kam gestern das Opfer zu Wort

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Robert Düwel (19) aus Wismar mit seinem Rechtsanwalt Carsten Düwel. Der 19-Jährige wurde von dem Angeklagten auf offener Straße mit einem Messer niedergestochen. Gestern war Robert Düwel als Zeuge geladen. Fotos (3): Cornelis Kettler

Schwerin/Wismar. Zufall oder nicht Zufall – das ist eine wichtige Frage für den Vorsitzenden Richter im Prozess um die Messerattacke von Wismar nach einem Streit zweier junger Männer im Internet. Otmar Fandel äußerte am zweiten Prozesstag am Landgericht Schwerin Zweifel, dass Täter und Opfer einander am Tattag wirklich zufällig begegnet sind. „Ich stelle mir das schwierig vor“, sagte der Richter gestern.

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Der Wismarer Alexander L. (29) ist angeklagt, den 19-jährigen Robert Düwel niedergestochen zu haben / In dem Facebook-Streit kam gestern das Opfer zu Wort

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Das inzwischen 19-jährige Opfer, Robert Düwel, das als Zeuge gehört wurde, blieb bei seiner Darstellung, dass der Angriff für ihn völlig überraschend gekommen sei. Es habe keine Verabredung gegeben, das Problem von Angesicht zu Angesicht auszutragen, sagte er. Das Aufeinandertreffen sei für ihn rätselhaft. „Ob er mich vorher beobachtet und gewartet hat, wann ich rauskomme – keine Ahnung.“ Er habe den Angreifer bis dahin nicht gekannt, nicht einmal gewusst, dass der Mann in Wismar wohnte.

Der 29-jährige Angeklagte Alexander L. und sein Opfer sollen im April auf Facebook über eine Matheaufgabe in Streit geraten sein. In dessen Verlauf kam es zu Beleidigungen von beiden Seiten und Drohungen. Dies soll am Vortag der Tat begonnen und bis weniger als eine Stunde vor der Tat angedauert haben.

An jenem 13. April, einem Mittwoch, habe er mit einem Bekannten einen Freund besucht und von dort seine damalige Freundin von der Schule abholen wollen, sagte der 19-Jährige. Als man zwischen zwei Häusern hindurchging, sei plötzlich der Angeklagte da gewesen und habe ihm, ohne ein Wort zu sagen, mit einem Messer in den Bauch gestochen. Er habe sich zur Seite gedreht, „hör auf, hör auf“

gebettelt und um Entschuldigung für seine Beleidigungen während des Facebook-Streits gebeten. Dann habe er einen zweiten Stich in den Rücken bekommen. Er habe viel Blut verloren und sei bewusstlos geworden. Es sei alles sehr schnell gegangen. Er habe aber den Angreifer von dessen Facebook-Bild zweifelsfrei erkannt. Der 29-Jährige hat in einer schriftlichen Erklärung, die Richter Fandel am ersten Prozesstag verlesen hatte, die Tat eingeräumt. Auch er hatte erklärt, rein zufällig auf sein Opfer getroffen zu sein. Das Messer habe er immer dabei. Im Moment des Aufeinandertreffens habe er es in der Hand gehabt, weil er unmittelbar zuvor eine Apfelsine damit geschält habe. Ihm tue die Tat sehr leid, er sei zuvor keinem Menschen gegenüber gewalttätig geworden. Die Anklage spricht von zwei Stichen mit einer fünf bis zehn Zentimeter langen Klinge. Ein Stich sei in den Bauch gegangen und einer in den Rücken, als das Opfer habe fliehen wollen. Der junge Mann konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden, die rechte Niere musste dabei entfernt werden. Der 19-Jährige ist Nebenkläger in dem Prozess um versuchten Totschlag.

Dass Streitigkeiten im Internet zu realer Gewalt führen, ist nach wie vor eine Ausnahme, hatte der Greifswalder Kriminologe Frieder Dünkel anlässlich des Prozessauftaktes erklärt. Das Internet könne im Einzelfall jedoch Hemmschwellen senken. Dünkel empfahl, energisch gegen herabwürdigende, beleidigende Inhalte im Netz vorzugehen und Löschungen zügig vornehmen zu lassen. „Das Internet darf nicht zum Freiraum für Menschenrechts- und Menschenwürdeverletzungen werden, die wir im realen Leben als Gesellschaft auch nicht dulden wollen.“

Iris Leithold

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