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Wismar Questin: Flügellahmes Windrad wird repariert
Mecklenburg Wismar Questin: Flügellahmes Windrad wird repariert
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00:00 28.04.2016
Questin

Mit einer Tasse heißem Kaffee in der Hand steht Andreas Urban in der Kälte. Frühstückspause. Ihm im Rücken ist das flügellahme Windrad, das die Firma Kenersys im Jahr 2010 auf einem Acker bei Questin errichtete und das von der Firma Windprojekt in Börgerende betrieben wird.

Im Dezember 2015 löste sich ein knapp elf Tonnen schweres Rotorblatt und bohrte sich in den Ackerboden. Lange war die Ursache unklar. Mittlerweile gehen Sachverständige von einem Materialfehler im Rotorblattlager aus, das gebrochen war und zum Absturz des Flügels führte.

Ein neuer ist Montag aus Süddeutschland angefahren worden, die beiden an der Nabe verbliebenen Flügel und die Nabe selbst werden dieser Tage abmontiert.

Ein paar Schritte vom 100 Meter hohen Windrad entfernt, wirkt dieses riesig. Doch noch gigantischer sind die beiden Kräne, die 115 Meter in die Luft ragen.

In einen der Kräne wird sich gleich Andreas Urban setzen, der noch einen Schluck Kaffee aus seiner Tasse nimmt. Er rückt seinen Helm zurecht. „Das ist schon eine spezielle Aufgabe hier“, sagt der 52-Jährige, der für die Firma Mobi-Hub in Berlin arbeitet. In koordinierter Zusammenarbeit mit einem zweiten Kranfahrer und zwei Facharbeitern, die in einem Korb stehend an einem Seil in die Höhe gezogen werden, sowie mit Anweisungen über Funk werden die Flügel abgebaut.

Bevor die Schlinge um einen der Flügel gelegt und dieser vom Kran gesichert wird, werden im Inneren des Maschinengehäuses die zahlreichen Bolzen gelöst, die das Windrad an der Nabe halten. Ist der Flügel in der Schlinge, wird eine zweite um ihn gelegt, bevor er endgültig von der Nabe abgebaut wird. Dann geht es langsam 100 Meter abwärts.

Schnell ist das nicht gemacht. Erst nächste Woche rechnet Andreas Urban damit, dass auch die etwa 27 Tonnen schwere Nabe entfernt ist. Die Arbeit ist wetterabhängig. Am Dienstag musste sie abgebrochen werden, da ein Gewitter und starker Wind aufzog. Lebensgefährlich für alle. Erst Anfang Juni, so erklärt Carlo Schmidt, Geschäftsführer von Windprojekt, wird die Anlage repariert sein.

„Geschuldet ist das der langen Lieferzeit des Blattlagers“, sagt er. Das bedeutet Verluste für das Unternehmen. Auch die Kosten für die Sanierungsarbeiten sind nicht unerheblich und liegen „deutlich im sechsstelligen Bereich“, resümiert Carlo Schmidt.

Der Kaffee ist ausgetrunken, Andreas Urban setzt sich ins Führerhaus des Krans. Sein Arbeitstag wird lang, zehn Stunden mindestens, um etwas zu schaffen. Heute vielleicht sogar zwölf. Das Funkgerät schnarrt, Anweisungen werden durchgegeben. Sind die Flügel runter, die Nabe abmontiert und die Ersatzteile da, wird alles am Boden montiert und der „Bausatz“ komplett per Kran hochgehievt und am Windradkopf angebaut, erklärt Urban. Dann schließt er die Tür des Führerhauses. Ein Foto von ihm? Nein, dass dann lieber doch nicht, gibt er lächelnd zu verstehen, bevor er sich ganz seiner Arbeit widmet.

Von Jana Franke

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