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Redentiner Osterspiel am Hafen

Wismar Redentiner Osterspiel am Hafen

Schon im Mittelalter gab es in den Hansestädten ein buntes Treiben auf den Marktplätzen

Wismar. Im Mittelalter wurden zur Unterhaltung der Bürger auf den Märkten, in den Kirchen und sonstigen Festräumen sogenannte Osterspiele oder Auferstehungsspiele aufgeführt. Diese entwickelten sich im 15. und 16. Jahrhundert zu wahren Volksschauspielen. Es schloss sich viel Unfug daran, und es ging wild dabei her. So war 1480 „done etliken dat hilgen spil in der kerken spelden“ – so ein zeitgenössischer Bericht – der Altar von St. Nikolai in Wismar derart zerstört, dass er nach dem Urteil des bischöflichen Amtes entweiht war. In diese Spiele mischte sich neben aller Ehrfurcht auch ein derber Volkswitz, der sich nicht scheute, das Heilige zum Profanen zu kehren.

Ein solches Spiel ist heute noch im Text überliefert. Es ist das Redentiner Osterspiel, das im 19. Jahrhundert in Originalschrift, dem mittelniederdeutschen, in Karlsruhe wieder entdeckt wurde und seitdem auch dort in der Landesbibliothek aufbewahrt wird. Der Verfasser ist der Doberaner Zisterzienser Mönch Peter Kalff, der um 1460 einen klostereigenen Hof bei Hof Redentin in Wismar verwaltete. Sein Wächter- und Teufelsspiel, das Christi Auferstehung und Höllenfahrt zum Hauptinhalt hat, ist 1464 entstanden. In ihm steht neben dem weihevollen Ernst der niederdeutsche Humor, der den Schauplatz der heiligen Geschichte kurzerhand an die Ostseeküste verlegt und mit heimatlichen Gestalten bevölkert: Die Wächter am Grabe unterhalten sich, um warm zu bleiben. Sagt der eine:

„Wachet auf ihr Ritter schön! Zwischen Hiddensee und Mön seh ich zwei da kommen her . . .“, antwortete der andere: „Wächter, du mein lieber Mann, wenn sie bei Poel sind, sage mir’s an!“

Der Überlieferung nach soll es auf dem Marktplatz von Wismar aufgeführt worden sein, was nicht genau verbürgt ist. In diesem Spiel nimmt die Kritik der Stände, die Geistlichkeit nicht ausgenommen, einen breiten Raum ein: Der Bäcker hat hohles Brot verkauft, der Schuster schlechtes Leder verarbeitet, der Krüger sein Bier verdünnt, der Krämer falsches Gewicht gewogen, und selbst ein kleiner Teufel wird wegen Trägheit bestraft. Hinter allem, was geschieht, steht ein Wirklichkeitssinn, ein scharf beobachtender und gern ironisierender Realismus, wie wir ihn aus dieser Zeit auch in anderen Künsten wiederfinden.

Die Kritik an die Geistlichkeit, kann man schon als „Vorglimmen“ der Jahre später erfolgten Lutherschen Reformation ansehen. Das Redentiner Osterspiel gehört sicher zu den schönsten und bedeutendsten Schöpfungen des mittelalterlichen deutschen Dramas und fesselt uns auch noch heute, nicht zuletzt durch seinen Spott auf die damaligen Ritter und einige bürgerliche Berufe. Der Wismarer Willy Krogmann hat 1927 das Redentiner Osterspiel aus dem Mittelniederdeutschen ins heute besser verständliche Niederdeutsche übertragen. Im Sommer 2001 führten Studenten der belgischen Universität Leuwen mit Wismarer Bürgern das Redentiner Osterspiel am Alten Hafen nach 537 Jahren wieder mit großem Erfolg am Ursprungsort auf.

Detlef Schmidt

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