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Ritter, Gaukler, Met und viel Musik

Neuburg Ritter, Gaukler, Met und viel Musik

Beim 20. Burgfest auf dem Thingplatz in Neuburg verfolgen Mittelalter-Fans wilde Schaukämpfe

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Das tut weh: Ritter aus Tschechien duellieren sich am Sonnabend beim Burgfest auf dem Thingplatz in Neuburg. FOTOS (2): NORBERT WIATEREK

Neuburg. Mit lautem Gebrüll stürzen die beiden Ritter aufeinander los. Der junge Kämpfer lässt sein Schwert auf die Rüstung des Gegners krachen. Doch der Kontrahent zeigt sich davon unbeeindruckt. Er dreht sich geschickt, stößt den Angreifer zur Seite und schlägt mit einer Axt auf den Heißsporn ein. Die Zuschauer sind begeistert, jubeln, applaudieren.

OZ-Bild

Beim 20. Burgfest auf dem Thingplatz in Neuburg verfolgen Mittelalter-Fans wilde Schaukämpfe

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Die Schaukämpfe der Ritter der böhmischen Gruppe „Discordia“ gehörten zu den Höhepunkten des Burgfestes auf dem Neuburger Thingplatz, das am Sonnabend zum 20. Mal gefeiert wurde. Für die Organisation war wieder der Thingplatz-Verein zuständig. Trotz wechselhaften Wetters ließen es sich viele Gäste nicht nehmen, eine Zeitreise ins Mittelalter zu unternehmen und die Männer anzufeuern.

Die fünf Ritter hatten sich in Rüstungen gezwängt, die bis zu 40 Kilo schwer sind. Kein Wunder, dass sie nach den Duellen aus der Puste waren und schwitzten. „Wir trainieren dreimal pro Woche jeweils zwei Stunden lang“, erzählte Karel Duran, der als „Jindrich z Lipé“ angetreten war. „Es ist ein Hobby, das viel Spaß macht. Im Sommer, wenn wir unsere Fähigkeiten bei verschiedenen Festen zeigen, ist dies aber auch anstrengende Arbeit“, erklärte der junge Mann aus Tschechien. Und die Kämpfe sind auch nicht ganz ungefährlich. Nicht ohne Stolz zeigte Petr Hnidek eine Narbe neben seinem linken Auge sowie eine weitere unter den Haaren, die mit fünf Stichen genäht werden musste. „Da floss viel Blut, weil der Kerl mal nicht aufgepasst hatte“, meinte Karel Duran und lachte. „Alles eine Frage der Übung.“ Besonders die Kinder staunten über die Ritter und ihre zum Teil schon recht zerbeulten Metallpanzer. Kleinere Rüstungen stülpten sich unter anderem Leon aus Wismar und Enno aus Neuburg über. „Boah, ist das anstrengend. Ich kippe hier gleich um“, meinte Leon, der sich mit der schweren Kleidung kaum auf den Beinen halten konnte. „Und dann soll ich noch so ein langes Schwert schwingen?“

Die Festgäste staunten außerdem über die geschickten Gaukler. Juray aus Tschechien und Friendman aus Leipzig, der „Gaukler aus Leidenschaft“, jonglierten mit Bällen und Keulen. Friendman konnte außerdem eine lange Stange auf seinem Kinn balancieren und mehrere Messer gleichzeitig durch die Luft wirbeln lassen. Dabei sah er nichts, denn er hatte eine Haube über dem Kopf.

„Noch vor wenigen Tagen war ich fix und fertig“, erzählte Jörg Böhncke, der den Thingplatz-Verein seit vielen Jahren leitet und im vergangenen Jahr zum König ernannt worden war. „Die ,Kyzziner’

hatten kurzfristig abgesagt. Und ein Gaukler hatte kurz vor unserem Fest einen Unfall, er musste ins Krankenhaus.“ Aber Friendman sei auf den Facebook-Aufruf aufmerksam geworden und kurzfristig eingesprungen. Juray brachte außerdem noch seinen Freund Schiefner, einen Schmied aus Tschechien, mit.

Beim Burgfest durften natürlich eine geheimnisvolle Wahrsagerin, eine Münzerei, Wettkämpfe mit Pfeil und Bogen sowie Verkaufsstände in Zelten, an denen es unter anderem Holzschwerter, Steinschleudern, Süßes aus Beeren, scharfe Messer, Ketten und Ringe gab, nicht fehlen. Zur Reise in die Vergangenheit gehörten auch eine „Taverne“ mit kühlen Getränken, die „Wurstwenderey“ mit Gebratenem und das „Fressen aus dem Napf“. Kinder konnten sich von Mitgliedern des Thingplatz-Vereins als Prinzessinnen und Edelmänner schminken lassen, sich auf einem handbetriebenen Karussell vergnügen, im Heu toben und auf Shetland-Ponys vom Mühlenkamp Neuburg reiten. Für mittelalterliche Musik sorgte die Gruppe „Elthin“ aus Pilsen in Tschechien. Salut schoss wieder mehrmals Hartmut Schießer vom Wismarer Schützenverein Hanse 1990 mit einer schwedischen Hakenbüchse und einer Drehbasse.

„Ich mag dieses Fest, weil es nicht so groß, sondern eher familiär ist und mit Liebe vorbereitet wird“, sagte Herold Scott McGlencairn alias Thomas Heinrich, der mit lockeren Sprüchen unterhielt.

„Diese Veranstaltung bietet eine gute Gelegenheit, mal dem Alltag zu entfliehen. Es macht viel Spaß, daran mitzuwirken“, so Knappe Bodo Tiedt vom Thingplatz-Verein. Auch Neuburgs Bürgermeisterin Heidrun Teichmann (Die Linke), war in Aktion. Sie wirbelte als „bezauberndes Burgfräulein“ über den Platz.

Norbert Wiaterek

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