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Wismar Samanthas Wunsch: Einmal in eine große Stadt reisen
Mecklenburg Wismar Samanthas Wunsch: Einmal in eine große Stadt reisen
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11:50 05.12.2017
Samantha Donde (r.) leidet an Spinaler Muskelatrophie. Ihre Eltern Nicole Donde und Maik Baumann sowie die kleine Schwester Josefin helfen ihr, den Alltag zu bewältigen. Quelle: Foto: Michaela Krohn
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Wismar

Samantha Donde ist 13 Jahre alt, liebt Rock- und Metal-Musik, Mathematik nicht so, streitet sich mal mit ihrer kleinen Schwester und chattet gern mit Freunden und Klassenkameraden über den Kurznachrichtendienst Whatsapp – alles ganz normal für ein Mädchen in ihrem Alter. Samantha, die von Freunden und Familie nur Samy genannt wird, leidet aber auch an einer chronischen Krankheit: Spinale Muskelatrophie, Typ 1. „Meine Muskeln bauen sich schleichend ab“, erklärt sie. Und: „Einige Kinder sterben schon als Babys an der Krankheit“, weiß sie.

Die OZ sammelt Geld für schwerkranke und sozial benachteiligte Kinder

„Am meisten wünsche ich mir, dass Samy gesund wäre, aber das geht nicht.

Nicole Donde (36),

Mutter von Samantha

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Empfänger: OZ-Weihnachtsaktion

Verwendung: „Helfen bringt Freude“

Samantha ist wegen ihrer Krankheit noch nie verreist. Das soll sich ändern – mithilfe der OZ-Weihnachtsaktion. Die unterstützt in diesem Jahr den Verein „Licht am Horizont“, der das Mädchen mit anderen kranken Kindern für einige Tage nach Berlin schicken will. Dort soll Samantha weg von ihrem Alltag kommen: Sie sitzt oder liegt im Rollstuhl, kann nur mithilfe einer Membran am Hals sprechen, die sie für jedes Wort mit einem Finger berühren muss. Mehrmals am Tag wird durch einen Katheter Schleim aus ihrer Lunge gesaugt. Bis auf kleinere Bewegungen im Gesicht, in den Armen und Händen ist sie nahezu bewegungsunfähig.

Diagnose im Alter von sechs Monaten war ein Schock

„Durch den Muskelschwund hat sie nicht die Kraft, selbst abzuhusten“, erklärt ihr Vater Maik Baumann. Seine Handgriffe sitzen: Der 36-Jährige steckt den Schlauch an die Kanüle am Hals und schaltet das Gerät zum Saugen ein. Nach ein paar Sekunden ist alles erledigt. Samantha hat dabei keine Schmerzen. „Ich bin daran gewöhnt“, erzählt sie tapfer.

Als die Eltern Nicole Donde und Maik Baumann von der Diagnose ihrer Tochter erfahren haben, war Samantha gerade ein halbes Jahr alt. „Die Ärzte merkten, dass etwas nicht stimmt. Es war ein Schock für uns“, erinnern sich die Eltern. Oft haben sie seitdem um das Leben ihrer ältesten Tochter gebangt. Es folgten viele Aufenthalte in Krankenhäusern. Eine Lungenentzündung hat das Mädchen gerade so überstanden.

Zudem muss sie alle vier Monate in eine auf ihre Krankheit spezialisierte Klinik nach Hamburg. Dort werden Metallstäbe, die in ihren Rücken eingesetzt wurden, mit Magneten regelmäßig korrigiert. „Früher mussten wir Samy zweimal im Jahr dort operieren lassen. Jetzt geht es zum Glück mit den Magneten“, berichtet ihre Mutter. Einmal in der Woche kommt außerdem eine Kinderärztin aus Wismar zu Samantha nach Hause. Auch zur Physiotherapie geht sie regelmäßig.

Nicht immer bleibt Kraft für einen normalen Schulunterricht

Zeit und Kraft für einen normalen Schulalltag bleibt da nicht. Vier Stunden am Tag besucht sie das Mecklenburgische Förderzentrum in Schwerin mit dem Förderschwerpunkt geistige und körperliche Entwicklung. Um 6.50 Uhr wird Samantha jeden Morgen abgeholt. „Das ist auch für uns sehr früh“, sagt ihre Mutter. Manchmal schafft Samantha auch die vier Stunden Unterricht nicht. „Dann kann ich mich zurückziehen und mich in einen Ruheraum legen, indem ich den Rollstuhl in eine Liegeposition umstelle“, erzählt sie. Ab mittags ist die Wismarerin dann wieder zu Hause, ruht sich aus, schreibt Nachrichten mit dem Handy und hört vor allem gern Musik.

„Musik ist mein Ein und Alles“, sagt sie deutlich. Ihre Augen strahlen, als sie von ihren Lieblingsbands – Dua Lipa und Linkin Park – spricht. Auch eine eigene Geige hat sie, konnte aber nie so recht darauf spielen.

Ab und zu bekommt Samantha Besuch von Freundinnen. Ihre Klassenkameraden zu besuchen, sei hingegen schwierig, weil die meisten nicht in Wismar wohnen.

Norbert Gelhart, Vorsitzender des Vereins „Licht am Horizont“, findet das Mädchen bewundernswert: „Sie ist klug, pfiffig, einfach liebenswert. In dieser Familie ist jeder für den anderen da. Ich bin beeindruckt.“

Der Kontakt entstand durch eine Sozialarbeiterin. Weil Samantha sich wünscht, einmal eine große Stadt zu sehen, dies aber sehr kostspielig für die Familie wäre, will der Verein in Zusammenarbeit mit der Deutschen Kinderhilfsstiftung sie und ein paar andere Kinder zu einer Reise nach Berlin einladen. Die Kinder werden von erfahrenem Pflegepersonal und Ärzten begleitet. Welches Programm dort genau auf die Kinder wartet, soll eine Überraschung sein. Norbert Gelhart betont allerdings: „Am schönsten finde ich es, dass Samantha unbedingt mit anderen Kindern zusammen diese Reise machen will.“

Eine spontane Spende in Höhe von 500 Euro hat Norbert Gelhart schon von einem Wismarer Einzelhändler bekommen: „Er hat von der Weihnachtsaktion gehört, fand das Projekt toll und hat mir einen Umschlag in die Hand gedrückt.“

Familie sucht eine neue, barrierefreie Wohnung

Neben dem Wunsch, einmal zu verreisen, hat Samanthas Familie noch ein Anliegen: Sie sucht eine neue Wohnung in Wismar. Zurzeit leben die vier in einem Mehrfamilienhaus in der Altstadt. Kurz nach dem Einzug bemerkten ihre Eltern aber Schimmel an den Wänden. Zudem ist das Haus Teil einer Insolvenzmasse. Der Eigentümer kümmere sich derzeit nicht um die Schäden. Deshalb brauchen sie dringend ein neues Zuhause, das für Rollstuhlfahrer geeignet ist. Der größte Wunsch von Samys Familie ist jedoch ein anderer: Dass sich ihr Zustand nicht weiter verschlechtere.

Für die Kinder von Wismar

Der gemeinnützige Verein „Licht am Horizont“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kinder und Jugendliche aus Wismar und Umgebung zu unterstützen, zu fördern und zu entwickeln. Im Mittelpunkt steht für die Vereinsmitglieder dabei die UN-Kinderrechtskonvention. 57 Mitglieder hat der Verein „Licht am Horizont“, der seinen Sitz in Wismar hat, jedoch landesweit und darüber hinaus aktiv ist. Der 2009 gegründete Verein kümmert sich zwar überwiegend um die Unterstützung und Begleitung von Kindern aus der Hansestadt, verfolgt jedoch unter anderem auch Projekte in Brandenburg, Thüringen, der Schweiz und Österreich.

Ein Teil der Spenden aus der OZ-Aktion ist für den Sozialdienst katholischer Frauen Wismar, den der Verein „Licht am Horizont“ regelmäßig unterstützt. Der Sozialdienst betreut sozial benachteiligte Familien und möchte denen vor Weihnachten Lebensmittelgutscheine schenken.

Michaela Krohn

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