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Sat.1 startet neue Serie mit Fall aus Wismar

Wismar Sat.1 startet neue Serie mit Fall aus Wismar

Die „Mission Familie“ wird morgen um 22.15 Uhr ausgestrahlt.

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Immer auf Augenhöhe: Familien- und Traumapsychologin Dr. Alina Wilms mit dem neunjährigen Jannik aus Wismar.

Quelle: Sat1/Benedikt Müller

Wismar. Jannik bringt seine Eltern zur Verzweiflung. Der Neunjährige aus Wismar ist ein echter Zappelphilipp, wirkt unkonzentriert und scheint nie wirklich zuzuhören. Ärzte diagnostizierten ADHS. Doch alle Therapien und Medikamente blieben wirkungslos. Fast 300 Tage war der Junge in Kliniken und Arztpraxen. „Die Eltern wussten nicht mehr weiter“, sagt Isabel Albrecht von funtain PR in Hamburg. Im Auftrag des Senders Sat.1 kümmert sie sich um die Pressearbeit für die neue Reihe „Mission Familie“. Start ist morgen um 22.15 Uhr — und der erste Fall ist der von Jannik.

Im vergangenen Sommer suchte der Fernsehsender mit einem Werbetrailer Familien, die Hilfe bei der Lösung von Konflikten oder Problemfällen benötigen. Janniks Eltern, die alle anderen Möglichkeiten ohne sichtbaren Erfolg ausgeschöpft hatten, meldeten sich. Sie bekamen Besuch von Dr. Alina Wilms und ihrem Hunde-Assistenten „Archibald“, einem Beagle, der ständig dabei ist. Es sei für alle Familienmitglieder eine intensive Woche der Beobachtung und Beratung geworden, erklärt Isabel Albrecht. Am Ende stand für Alida Wilms fest: Janniks Verhalten hatte vermutlich andere Ursachen als ADHS. „Auf jeden Fall konnte sie den Eltern und vor allem Jannik helfen, den Weg in einen harmonischeren Alltag zu finden“, sagt Isabel Albrecht.

Für Alina Wilms, der Psychologin aus Erfurt, ist der Schritt vor die Kamera Neuland, und eigentlich war sie mit ihrer Praxis ganz glücklich. „Aber die Erfahrung mit dem Schulmassaker in meiner Heimatstadt hat mich aufgerüttelt“, sagt sie. Die Psychologin mit fünf Universitätsabschlüssen hat die Überlebenden des Amoklaufs am Gutenberg-Gymnasium betreut. Sie hofft, durch die Sendung auf bestimmte Dinge hinweisen zu können. „Vielleicht kann ich auch dafür sorgen, dass manche Kinder gar nicht erst in Traumatisierungsschleifen kommen“, sagt Alina Wilms.

Fürs Fernsehen ist die Mutter von zwei Kindern quer durch Deutschland gereist. Von Wismar im Norden bis nach Stuttgart im Südwesten. Getroffen hat sie Familien mit ganz unterschiedlichen Problemen.

Wichtiger Helfer in allen Fällen ist Beagle „Archibald“. „Archi ist ein Spürhund“, erklärt Alina Wilms, „ich beobachte mit meinen Augen, er mit seinen Ohren und seiner feinen Nase.“ Am Verhalten des Hundes könne sie sofort erkennen, was in einer Familie los ist. „In Familien mit extremer Gewaltbereitschaft reagiert Archi mit extremer Anspannung und sucht die Nähe zu mir“, beschreibt die Psychologin. Gibt es in einer Familie gar keine Regeln, werde auch der Beagle sehr lässig und würde dann auch schon mal seine Nase auf den Esstisch legen. Natürlich gebe es Unterschiede zwischen Kinder- und Hundeerziehung. Aber an „Archi“ könnten die Eltern schon mal üben, klare Botschaften auszusprechen und zu loben. Denn daran fehle es oft in Familien.

Während der Aufzeichnungen fürs Fernsehen hat Alina Wilms eine ganz andere Art von Arbeit kennengelernt. „Normalerweise sehe ich meine Klienten einmal in der Woche für eine Stunde. Für die Sendung verbringe ich viel gebündelte Zeit mit ihnen und komme so auch schneller zu Ergebnissen“, sagt die Psychologin. Ihr sei aber wichtig, dass auch diese Arbeit nachhaltig ist. Daher kümmere sie sich mit ihrem Team nach Abschluss der Dreharbeiten weiter um die Familien.

Im Gegensatz zu ähnlichen Sendungen sei ihr Ansatz nicht, Menschen nur zu kritisieren. Sie schaue auch, was sie bereits richtig machen. „Darauf baue ich dann auf“, so die Psychologin. Dabei nutzt sie Methoden aus verschiedenen Fachgebieten. „Eine große Portion Humor gehört auf jeden Fall dazu, weil überraschende und humorvoll inszenierte Techniken besser im Gedächtnis bleiben“, sagt sie.

Viele Familien habe sie während der Dreharbeiten ins Herz geschlossen. Am Ende komme durchaus immer etwas Wehmut auf. „Da fließen zum Abschied schon mal die Tränen“, gesteht Alina Wilms. Aber durch die Nachsorge wisse sie ja, dass der Kontakt weiterhin bestehen bleibt — auch zu der Familie von Jannik aus Wismar, dem Neunjährigen, bei dem mehrere Ärzte ADHS diagnostiziert hatten.

„Mission Familie“, morgen ab 22.15 Uhr auf Sat.1

Was ist ADHS?
Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungist eine im Kindesalter beginnende psychische Störung, die sich durch Probleme mit der Aufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität äußert.



Die ADHS gilt heute als häufigste Verhaltensstörung bei Kindern und Jugendlichen. Jungen sind deutlich häufiger betroffen als Mädchen.



Voraussetzung für jede Behandlung ist eine fundierte Diagnose. Sie erfolgt durch einen Kinder- und Jugendpsychiater, Kinder- und Jugendarzt oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten.



Die Behandlung, bei der Medikamente nur ein Baustein sein können, richtet sich nach dem Schweregrad der Störung. Meist kann eine Therapie ambulant erfolgen.

 



Sylvia Kartheuser

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