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Schatz aus dem Mittelalter taucht auf

Wismar Schatz aus dem Mittelalter taucht auf

Wrackteile in der Wismarbucht werden geborgen / Fund hat große Bedeutung für die Forscher

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Gefunden wurden die Wrackteile während der Bauarbeiten zur Erweiterung des Seehafens in Wismar. Taucher des Munitionsbergungsdienstes haben die archäologischen Teile entdeckt und die Experten informiert. FOTOS: MARTIN SIEGEL (1), VANESSA KOPP (3)

Wismar. Luftblasen an der Wasseroberfläche verraten, dass gleich etwas passiert. Langsam erscheint die Silhouette von Forschungstaucher Dirk Hering in der vier Grad kalten Ostsee, am Rand des Arbeitspontons „Julia“ taucht er auf. In seinen Händen hält der 50-Jährige ein Holzteil – mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit aus dem Mittelalter. Bereits im Sommer wurden während der Bauarbeiten zur Erweiterung des Wismarer Seehafens die historisch bedeutenden Wrackteile entdeckt. Die Schätze werden nun von der Firma UWA-Logistik geborgen, untersucht und dokumentiert.

OZ-Bild

Wrackteile in der Wismarbucht werden geborgen / Fund hat große Bedeutung für die Forscher

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20Jahre

ist es her , dass vermeintlich mittelalterliche Wrackteile in der Wismarbucht gefunden wurden. Die „Poeler Kogge“ ist nach neuesten Untersuchungen jedoch deutlich jünger als vermutet, nämlich keine 650, sondern höchstens 250 Jahre alt.

An zwei Fundstellen arbeiten die Archäologen seit mehreren Wochen. Zwei Holzproben wurden bisher genommen. Das Ergebnis: Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wurden die Bäume um das Jahr 1200 gefällt, also im Mittelalter. „Dadurch wissen wir allerdings noch nicht, ab wann und wie lange die Schiffe im Einsatz waren“, sagt Landesarchäologe Detlef Jantzen. „Die wissenschaftliche Bedeutung des Fundes ist groß. Schiffe aus diese Zeit sind sehr selten.“ Die Forscher erhoffen sich dadurch neue Erkenntnisse, welche Rolle Wismar in den Anfängen der Hansezeit gespielt hat.

Zum Schutz der beiden Fundstellen wurde ein Sperrgebiet in der Wismarbucht eingerichtet. Die zentrale Aufgabe der Forschungstaucher ist es derzeit, die Ausmaße der beiden Funde zu kennen. Das südliche Wrackteil nahe der Arbeitspontons ist 18 Meter lang und 6,50 Meter breit. „Im Umfeld liegen zudem noch einige Trümmerstücke“, erklärt Projektleiter Roman Scholz. Die Wrackteile waren unter einer 20 Zentimeter dicken Schlickschicht vergraben – eine natürliche Schutzschicht für das Holz. „In dieser Schicht haben wir ebenfalls einiges gefunden, wie Taureste oder Tierknochen, die jedoch mit dem Schiff nicht in Verbindung stehen“, erklärt der Archäologe. Circa 50 Meter entfernt befindet sich das zweite Wrackteil, bedeckt von gut einem Meter Schlick. „Wir gehen bisher davon aus, dass dieses Teil ähnliche Ausmaße wie das andere hat“, sagt Scholz. Die Arbeiter sind jedoch noch damit beschäftigt, mit einem Sauger die Schlammschicht abzutragen. „Wir können bisher sagen, dass es sich um kompakte Schiffe handelt, die stabil gebaut waren“, erzählt der Experte.

Viele weitere Fragen sind noch offen. Im südlichen Wrackteil sind in der Innenseite beispielsweise Brandspuren zu erkennen. Ob der Rumpf durch einen Unfall oder durch ein kriegerisches Ereignis in Brand geriet? Darüber lässt sich bisher nur spekulieren. „Bisher haben wir auch noch kein Ballastmaterial gefunden, das Schiff war also nicht beladen“, erzählt Scholz weiter. Daraus könne sich schließen lassen, dass das Schiff im Niedrigwasser lagerte oder repariert wurde.

Denn die Ostsee ist an der Fundstelle nicht tief. „Zurzeit nicht mal 1,50 Meter“, sagt Taucher Dirk Hering. Das macht ihm das Arbeiten nicht leichter. „Wenn ich den Grund berühre, dann wirble ich den Boden auf und habe schlechte Sicht“, erklärt er. Über Funk ist er mit den Kollegen auf der „Julia“ verbunden, diese können auf dem Bildschirm seine Arbeit verfolgen. „Eigentlich ist das eine Ausgrabung wie an Land“, erklärt Hering. „Doch die Strömung, meine Schwerelosigkeit und die teilweise schlechte Sicht machen es problematischer.“ Dazu kommen noch rund 30 Kilogramm Ausrüstung, die ein Taucher bei sich trägt.

Mindestens bis zum Frühjahr nächsten Jahres werden die Archäologen noch mit der Bergung beschäftigt sein. Sind beide Fundstellen komplett freigelegt und ausreichend dokumentiert, werden die Wrackteile vorsichtig zerlegt und dann in das Unterwasserdepot vor Kap Arkona auf Rügen gebracht. Wären die Holzstücke länger als zwei Wochen im Trockenen, würden sie zerfallen.

Video: www.ostsee-zeitung.de

Vanessa Kopp

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