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Schicksal einer deutschen Volksgruppe

Wismar Schicksal einer deutschen Volksgruppe

Wanderausstellung im Wismarer Rathaus berichtet über Aus- und Spätaussiedler aus Russland

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Die Wolgadeutsche Valentina Frank (69), hier mit ihrem Bruder Josef, zeigt auf eine Siedlung nahe der Stadt Perm (Nordural), wo ihre Familie gelebt hat. Jetzt wohnen sie in Wismar mit noch einer Schwester, sie und Josef kamen 2001, Valentina 2005 nach Deutschland. Drei Geschwister sind verstorben.

Wismar. Schlagersängerin Helene Fischer ist wohl die bekannteste Vertreterin der deutschen Volksgruppe, deren Angehörige in der ehemaligen Sowjetunion als Deutsche und in Deutschland als Russen bezeichnet werden: die Russlanddeutschen. Fast 2,8 Millionen von ihnen haben seit 1950 aus der Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten als Aussiedler und Spätaussiedler in der BRD Aufnahme gefunden. Woher kommen sie? Und warum kommen sie?

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Wanderausstellung im Wismarer Rathaus berichtet über Aus- und Spätaussiedler aus Russland

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Antworten auf diese Fragen will die aktuelle Ausstellung in der Gerichtslaube im Rathaus geben. Auf 24 Stellwänden wird der harte Schicksalsweg der Russlanddeutschen dargestellt ebenso wie ihre erfolgreichen Bemühungen um Integration. „Wurzeln schlagen und die Gesellschaft stärken“ ist der Leitgedanke der Wanderausstellung „Deutsche aus Russland – Geschichte und Gegenwart“. Sie wird von der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland mit Sitz in Stuttgart präsentiert. Die Ausstellung ist Teil eines Integrationsprojektes, gefördert vom Bundesinnenministerium und vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

Der Projektleiter Jakob Fischer, selbst Deutscher aus Kasachstan, berichtete zur Eröffnung über das wechselvolle Schicksal dieser Volksgruppe. Viele Deutsche folgten dem Ruf der russischen Zarin Katharina II. im Jahre 1763 – aus Hungersnot, um der Heeres- und Frondienste zu entfliehen, wegen politischer und religiöser Unterdrückung. Bis 1862 wurden 3536 deutsche Siedlungen an der Wolga, in der Ukraine, im Kaukasus, Wolhynien und Bessarabien (heute Moldawien) gegründet. Von dort stammen zum Beispiel die Vorfahren des ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler.

Die Deutschen wurden heimisch und waren aufgrund ihrer wirtschaftlichen Leistungen hoch geachtet. Im 20. Jahrhundert gründeten sie die Autonome Republik der Wolgadeutschen. Doch nach dem Überfall Hitlers auf die Sowjetunion 1941 begann für die Russlanddeutschen ein unbeschreiblicher Leidensweg. Zigtausende verloren ihr Leben durch Deportation, Verschleppung und Ermordung, weil der sowjetische Diktator Stalin sie der Spionage und Kollaboration (Zusammenarbeit) mit Hitlerdeutschland verdächtigte.

Eine Ausreise nach Deutschland wurde ihnen im größeren Umfang erst ab 1988 gestattet – dank geduldiger Diplomatie und erfolgreicher Entspannungspolitik. Das Land ihrer Vorfahren stand für sie als Synonym für Hoffnung und Gerechtigkeit. Doch hier schlugen vielen von ihnen Vorurteile und Ablehnung entgegen von Menschen, denen alles Fremde fremd ist. Die Ausstellung dokumentiert, wie die russlanddeutschen Rückkehrer unter oft schwierigen Bedingungen Fuß fassten. „Anpassen und nicht auffallen ist bei uns die Devise“, ist von der Regisseurin Anna Hoffmann zu lesen. Besucher erfahren von Vorurteilen, die auf beiden Seiten bestehen.

Doch es gibt auch Beispiele für gelungene Integration. „Russlanddeutsche sind heute in der Politik tätig, sie gestalten das Land in vielfältiger Weise mit und sind im Einsatz für deutsche Unternehmen in 28 Staaten“, informierte Jakob Fischer. Er appellierte: „Die Menschen müssen bereit sein, miteinander zu reden, nicht übereinander.“

Die Ausstellung illustriert die Historie, die wirtschaftlichen, kulturellen und Handelsverknüpfungen von Deutschen und Russen. Der stellvertretende Bürgermeister Michael Berkhahn (CDU) wünschte allen Besuchern ein aufregendes Ausstellungserlebnis.

Als Unterrichtsprojekt

2,8 Millionen Russlanddeutsche kamen als Aus- und Spätaussiedler seit 1950 aus der ehemaligen Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten – 2,3 in die alten Bundesländer, 485000 in die neuen. 75000 Deutsche aus Russland leben gegenwärtig in Mecklenburg-Vorpommern.

4,1 Millionen Russlanddeutsche leben in der BRD, einschließlich der hier geborenen. Das sind fünf Prozent der deutschen Bevölkerung.

Bis zum 2. Juni ist die Ausstellung in der Gerichtslaube täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Führungen sind ebenfalls möglich. Anmeldungen dafür nimmt Projektleiter Jakob Fischer entgegen unter ☎ 0171/4034329, per E-Mail an J.Fischer@LmDR.de oder im Internet unter www.deutscheausrussland.de beziehungsweise www.lmdr.de.

Geplant ist auch die Präsentation eines weiteren Exemplars der Ausstellung als Unterrichtsprojekt zum Thema Migration und Integration in Deutschland am Beispiel der Deutschen aus Russland in einigen Schulen in Wismar und in anderen Orten des Landkreises Nordwestmecklenburg.

Haike Werfel

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