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Schiffsflagge und Stadtplan restauriert

Wismar Schiffsflagge und Stadtplan restauriert

Wertvolle Ausstellungsstücke aus dem 19. Jahrhundert sind zurück im Wismarer Museum

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Restauratorin Rosemarie Selm und Carsten Oettle, Leiter der Fielmann-Filiale in Wismar, vor der wiederhergestellten Schiffsflagge. Um ein geschlossenes Bild zu erhalten, wurde Stoff hinter die löchrige Flagge gelegt und nach deren Originalfarben gefärbt.

Quelle: Fotos: Haike Werfel

Wismar. . Das Stadtgeschichtliche Museum hat nach aufwendiger Restauration zwei geschichtsträchtige Objekte zurück: eine Schiffsflagge des Wismarer Kapitäns Wilhelm Bade (1843-1903) und einen Wasserleitungsplan der Stadt. Beide Ausstellungsstücke stammen aus dem 19. Jahrhundert und gehören zur Sammlung des Museums. Sie konnten mithilfe der Günther-Fielmann-Stiftung, die zum dritten Mal rund 3500 Euro bereitstellte, und des Museumsvereins für die Nachwelt erhalten werden.

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Wertvolle Ausstellungsstücke aus dem 19. Jahrhundert sind zurück im Wismarer Museum

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Beide Objekte wurden lange genutzt und wiesen starke Gebrauchs- und Altersspuren auf, die eine längere Ausstellung unmöglich machten. Die Flagge wehte auf Schiffen, auf denen Kapitän Bade seit seiner Rettung 1870 aus dem Packeis vor Grönland fuhr. „Der Stoff war beschmutzt, hatte viele Schwachstellen und war an der Kante ausgefranst“, berichtet Corinna Schubert, die amtierende Museumsleiterin.

Die Textilrestauratorin Rosemarie Selm aus Preetz (Schleswig-Holstein) hat die Flagge stabilisiert, indem sie einen Stoff dahinter legte und auf einer Präsentationsplatte befestigte. So kann die Flagge in einer Vitrine der neuen Dauerausstellung des Museums ab Dezember wieder gezeigt werden.

Viel Zeit habe sie ins Färben des neuen Stoffes investieren müssen, um die Originalfarben der Flaggen zu treffen, erzählt die Restauratorin. Das Schwarz zum Beispiel sei etwas grünlich. Schwierig sei auch gewesen, den Ruß aus dem Flaggenstoff zu bekommen. Mindestens sechs Monate habe die Restaurierung gedauert.

Die Flagge ist an ihrem Stockteil auf beiden Seiten mit Schiffsnamen und Jahreszahlen beschriftet. „Es sind die Schiffe, die Wilhelm Bade für seine Spitzbergen-Touren gechartert hat“, berichtet Corinna Schubert. Bade war ein Pionier der deutschen Nordpolarfahrten und der modernen Kreuzfahrten. Für gut zahlende Touristen, darunter zum Beispiel Max Graf von Zeppelin, organisierte er Reisen auf deutschen, norwegischen und finnischen Schiffen ins Polarmeer. Seit 1880 lebte der auf Gut Hohen Wieschendorf geborene Bade mit seiner sechsköpfigen Familie in Wismar. Die Stadt hat die Flagge 2006 von einem Nachfahren Bodes erworben.

Das zweite Exponat, der Wismarer Wasserleitungsplan von Mitte des 19. Jahrhunderts, ist laut Museumsleiterin „einer der schönsten und wichtigsten Pläne dieser Zeit“, weil er die einzelnen Häuser und die Straßenzüge der Stadt Wismar zeigt. Dadurch besitzt er einen außerordentlichen Quellenwert. Zusätzlich wurden vom damaligen Stadtbaumeister Zacharias Voigt die Wasserleitungen eingetragen. Damit liegen wertvolle Informationen über die Organisation der Wasserversorgung im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts vor. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Originalfederzeichnung kopiert, koloriert und um die neuen Leitungen ergänzt.

Weil es die detailreichste Karte war, wurde sie oft benutzt. Ihr Zustand war auch deshalb schlecht, weil als Träger ein nicht säurefreier Karton dient, erläutert Jens Wyssusek, Restaurator des Museums. Die schädlichen Substanzen gingen in die Leinwand über. „Leinwand und Papier – das verträgt sich nicht. Das Papier reißt“, erklärt Wyssusek. Durch die Restaurierung, die der Lübecker Spezialist Bogouslaw Radis vornahm, wurde der Verfall gestoppt. Der etwa 50 mal 70 Zentimeter große Stadtplan ist nun mit einem Passepartout versehen und kann ebenfalls wieder in einer Vitrine ausgestellt werden.

„Er ist einmalig“, zeigt sich Ulrike Lebek begeistert. Die Vorsitzende des Museumsvereins hat die Freimaurer-Loge Zur Vaterlandsliebe in der Lübschen Straße entdeckt. „Das waren früher mal vier Häuser.“ Gut nachvollziehbar sei unter anderem auch, dass die Breite Straße kaum bebaut war.

Neue Dauerausstellung

Das Stadtgeschichtliche Museum an der Schweinsbrücke 6/8 (das Schabbell- und das Nachbarhaus) soll nach aufwendiger Sanierung am 22. Dezember wiedereröffnet werden. Tags darauf wird die neue Dauerausstellung für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

2038 Objekte aus der Sammlung des Museums werden mindestens zehn Jahre zu sehen sein. Laut der amtierenden Leiterin Corinna Schubert werde seit 2012 intensiv daran gearbeitet, das Museum wiederzueröffnen.

Einen Eindruck von der neuen Dauerausstellung können Interessierte bereits am 21. Mai, dem Internationalen Museumstag, erhalten. Sie sind von 10 bis 16 Uhr in die Museumsräume in der Beguinenstraße 4 eingeladen. Es werden auch die restaurierte Schiffsflagge und der Wasserleitungsplan präsentiert sowie die Angebote für zwei Gemälde vorgestellt, die das Museum erwerben möchte.

Haike Werfel

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