Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wismar Schiffsuntergang im Werfthafen
Mecklenburg Wismar Schiffsuntergang im Werfthafen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:01 04.12.2017
Die „Fürnberg“ war am 12. November 1973 gesunken.
Wismar

Am 3. Dezember 1973 ist das Fang- und Verarbeitungsschiff ROS 305 „Louis Fürnberg“ in Wismar gehoben worden. Es war drei Wochen zuvor, am 12. November, i

Die gesunkene „Louis Fürnberg“ wurde vor 44 Jahren gehoben / Öffentlichkeit erfuhr offiziell nichts

m Werfthafen gesunken.

Die „Fürnberg“, benannt nach dem tschechoslowakisch-deutschen Schriftsteller und Dichter, wurde am 29. Oktober zur Durchsicht und Reparatur in die Mathias-Thesen-Werft gefahren. Zwei Tage später wurde das Schiff eingedockt. Die Arbeiten liefen zügig und ohne Vorkommnisse. Beim Ausdocken am 9. November bemerkte man, dass einige Außenbordventile noch fehlten. So wurden die alten, nicht reparierten Ventile wieder eingesetzt. Da diese über dem Wasserspiegel lagen, sollten sie später am neuen Liegeplatz neben dem MS „Rudolf Breitscheid“ repariert werden.

Dazu begaben sich am 12. November 1973 zwei Werftmitarbeiter an Bord der „Fürnberg“. Sie meldeten sich beim Wachhabenden auf dem Schiff an, erhielten den Schlüssel zum Maschinenraum und demontierten die schadhaften Ventile, ohne Information an den technischen Offizier. Die Öffnungen lagen zu dem Zeitpunkt noch etwas über einen Meter über der Wasserlinie. Die Arbeiter gingen mit den Ventilen von Bord. Gegen 7 Uhr sollte das Schiff auf Betreiben der Werftbauleitung an die Dockdalben verholt werden. Dazu wurde der Elektro-Landanschluss gekappt. Der technische Offizier kontrollierte auch den Maschinenraum, konnte in der Dunkelheit nichts erkennen und gab das Schiff zur Fahrt frei.

Als die Reparaturmitarbeiter gegen 9 Uhr an Bord wollten, stellten sie erschrocken fest, dass sich das Schiff nicht mehr an seinem ursprünglichen Liegeplatz befand und eine starke Schlagseite nach Backbord hatte. Laut rufend machten sie den diensthabenden Offizier von Land aus klar, dass wohl Wasser durch die nicht geschlossenen Ventilöffnungen kommt. Sofort eilte der in den Maschinenraum und sah das einströmende Wasser. Durch das Fehlen der Ventile war ein bordeigenes Abpumpen nicht mehr möglich. Es wurde noch versucht, die Leckstellen mit den Ventilen abzudichten, was aber misslang. Die schon alarmierte Betriebsfeuerwehr traf ein und übernahm mit dem Lenzen der überfluteten Räume das Kommando. Das Schiff bekam immer mehr Schlagseite, da durch die Schräglage auch mehr Wasser eindrang. Alle Versuche, das Wasser aus dem Schiff zu bekommen, scheiterten. Zwei Hafenschlepper versuchten, sich gegen die Bordwand der „Louis Fürnberg“ zu stemmen, um sie stabil zu halten. Ebenso wurde wegen der hohen Unfallgefahr der Einsatz von Tauchgeräten verworfen. Letztendlich kam der 100-Tonnen-Schwimmkran zum Einsatz. Doch auch das brachte nichts. Gegen 12.30 Uhr verließen alle Personen das Schiff. Die ersten Festmacherleinen vom Dock, in der das MS „Georg Schumann“ lag, begannen zu reißen, als die Anordnung kam, die restlichen Leinen zu lösen und die Schlepper und den Kran abzuziehen. Das Schiff legte sich gänzlich auf die Backbordseite und versank mit dem Heck auf den Grund.

Man kann sich die Aufregung auf der Werft vorstellen. Die Staatssicherheit, die Kriminalpolizei sowie die Werft- und die Parteileitung begannen sofort, die Ursachen zu erforschen. Man witterte zunächst Sabotage durch den „Klassenfeind“. Freigegeben zur Bergung wurde das Schiff am 16. November 1973. Die Bagger-, Bergungs- und Bugsierreederei aus Rostock arbeitete gründlich und ohne Zeitdruck und konnte mithilfe zweier leistungskräftiger Schwimmkrane des „Klassenfeindes“ aus Westdeutschland das Schiff am 3. Dezember heben. Es wurde dann verschrottet.

Eine gemeinsame Gutachtergruppe der Hochseefischerei und des Schiffbaus stellte fest, dass „das wesentliche Schiffstheoretische von den um die Verhinderung des Kenterns Bemühten in der Katastrophensituation nicht voll übersehen wurde“. Die Bezirksstelle der Kriminalpolizei als Ermittlungsbehörde sah aufgrund dieses Gutachtens keine strafrechtliche Relevanz mehr.

Die Öffentlichkeit erfuhr vom Untergang der „Louis Fürnberg“ offiziell nichts. Im Sozialismus durfte eben kein Schiff untergehen.

Die „Fürnberg“ war eines von insgesamt 13 auf der Mathias-Thesen-Werft gebauten Fang- und Verarbeitungsschiffen, die für das Rostocker Fischkombinat neu entwickelt wurden. Am 30. März 1962 lief sie bei der MTW vom Stapel. Sie wurde am 31. Oktober 1962 in Dienst gestellt.

Dieser neuartige Typus von Fischereifahrzeugen ließ das Fischen in allen Gewässern der Erde zu. Man war unabhängig, denn der gefangene Fisch wurde an Bord bei bis zu 20 Grad minus gefroren.

Die Einsatzgebiete reichten von der afrikanischen Küste bis in die Arktis und auch im Pazifik und im Indischen Ozean waren diese Fabrikschiffe im Einsatz. Der Fang wurde gleich an Bord verarbeitet und konnte so an die Empfänger, auch im westlichen Ausland, geliefert werden.

Was sonst noch geschah

4. Dezember 1989: Kundgebung des Neuen Forums vor der Nikolaikirche und anschließend Demonstration zum Stasi-Gebäude. Die Staatssicherheit wird daran gehindert, weitere Akten zu vernichten.

5. Dezember 1815: Die Anlage vor dem Altwismartor erhält durch eine Zeitungsveröffentlichung den Namen „Lindengarten“.

6. Dezember 1749: Mit den „Wismarschen Intelligentz= und andere Nachrichten“ gibt es die erste regelmäßige Zeitung. Sie erscheint bis 6. Juni 1750, danach wieder erst ab 1783.

Detlef Schmidt

Zu Weihnachten und zum Jahreswechsel gibt es in der Hansestadt Änderungen bei der Abfallentsorgung.

04.12.2017

Väle Johr führ ick mit öffentliche Verkiehrsmittel tau miene Arbeit. Uns Bahnhoffshus up ’n Dörp wier lütt, aewer bi Schmuddelwäder warm. Dei Aben bullerte siet Klock 5 an.

04.12.2017

Fünf Welpen werden ab sofort vermittelt / Pflege-Mama hofft, dass sie in gute Familien kommen

04.12.2017
Anzeige