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Schlafstörungen sind auf dem Vormarsch

Wismar Schlafstörungen sind auf dem Vormarsch

Die DAK hat den Krankenstand in Nordwestmecklenburg analysiert

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Viele Menschen haben nachts das Smartphone an der Steckdose, können aber ihre eigenen Akkus nicht mehr aufladen.Mario Krause Chef DAK-Servicezentrum Wismar

Wismar. Der Krankenstand im Landkreis Nordwestmecklenburg ist gesunken. Die Ausfalltage aufgrund von Erkrankungen nahmen im Vergleich zum Vorjahr um 0,2 Prozentpunkte ab.

 

OZ-Bild

Versicherte

Rund 15000 Versicherte hat die DAK-Gesundheit im Landkreis Nordwestmecklenburg.

Sie ist eine der größten Krankenkassen Deutschlands – mit 170000 Versicherten in Mecklenburg-Vorpommern.

Mit 4,8 Prozent gab es in der Region jedoch einen etwas höheren Krankenstand als im Landesdurchschnitt (4,7 Prozent). Das geht aus dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport für das Jahr 2016 hervor. Über die Besonderheiten sprach die OSTSEE-ZEITUNG mit Mario Krause, Chef des DAK-Servicezentrums Wismar.

Der Report befasst sich schwerpunktmäßig mit Schlafstörungen. Wie krank schlafen wir?

Mario Krause: 78 Prozent der Erwerbstätigen in Mecklenburg-Vorpommern berichten von Schlafproblemen. Wir beobachten, dass Arbeitnehmer im Alter von 35 bis 65 immer häufiger Probleme mit dem Einschlafen und Durchschlafen haben. Seit 2010 stieg dieser Anteil um 66 Prozent an.

Viele Menschen können stundenlang nicht einschlafen?

Leider. Schwere Schlafstörungen haben seit 2010 um 32 Prozent zugenommen. Jeder zwölfte Arbeitnehmer in Mecklenburg-Vorpommern leidet unter schweren Schlafstörungen mit Ein- und Durchschlafstörungen, schlechter Schlafqualität, Tagesmüdigkeit und Erschöpfung.

Welche Rolle spielen Schichtarbeit und das Gefühl, für den Arbeitsgeber immer erreichbar sein zu müssen? Wer zum Beispiel häufig an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit arbeitet, steigert sein Risiko, schwere Schlafstörungen zu entwickeln. Auch starker Termin- und Leistungsdruck, Überstunden sowie Nachtschichten und ständige Erreichbarkeit nach Feierabend gelten in diesem Zusammenhang als wichtige Risikofaktoren.

TV-Konsum, Handy im Bett – wie sehr bringen wir uns selbst um den Schlaf?

Viele Arbeitnehmer sorgen selbst für einen schlechten Schlaf. Nach unserer Studie schauen 87 Prozent der Erwerbstätigen vor dem Einschlafen Filme und Serien, 70 Prozent erledigen abends private Angelegenheiten an Laptop oder Smartphone. Etwa jeder neunte Mecklenburger kümmert sich noch um dienstliche Dinge wie E-Mails oder die Planung des nächsten Arbeitstages.

Wie gefährlich ist die Entwicklung?

Die Beschwerden müssen ernst genommen werden, da chronisch schlechter Schlaf der Gesundheit ernsthaft schaden kann. Viele Menschen haben nachts das Smartphone an der Steckdose, können aber ihre eigenen Akkus nicht mehr aufladen.

Steigt durch die Schlafstörungen die Zahl der Krankentage?

Grundsätzlich spielen Schlafstörungen bei den Fehlzeiten nur eine geringe Rolle. Die Analyse zeigt: 2016 waren es lediglich 2,86 Tage je 100 Versicherte. Die große Mehrheit der Mecklenburger versucht allein mit den Schlafproblemen zurechtzukommen und geht nicht zum Arzt.

Lediglich fünf Prozent der Erwerbstätigen waren im vergangenen Jahr deswegen in den Praxen. Im Bundesdurchschnitt sind es 4,8 Prozent. Selbst Erwerbstätige mit der schweren Schlafstörung Insomnie gehen meist nicht zum Arzt: 70 Prozent von ihnen lassen sich nicht behandeln.

Was tun?

Als Reaktion auf die aktuelle Studie und die zunehmenden Schlafstörungen bieten wir Versicherten ab sofort eine spezielle Schlaf-Beratung an: Die neue Hotline ( 040 325 325 805) ist rund um die Uhr erreichbar. Unter der Rufnummer geben Mediziner individuelle Hinweise und Tipps rund um die Themen Schlafen und Schlafstörungen.

Zurück zu den Krankheiten. Woran leidet der Nordwestmecklenburger am meisten?

Spitzenreiter sind nach wie vor Muskel-Skelett-Erkrankungen. Obwohl Rückenschmerzen und Co. um neun Prozent zurückgingen, verursachten sie beinahe jeden vierten Ausfalltag in der Region. Es folgten an zweiter Stelle psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angstzustände. Fehltage aufgrund dieser Diagnose wurden elf Prozent häufiger als im Vergleichszeitraum verzeichnet. Die Zahl der Verletzungen und Vergiftungen nahm ebenfalls zu. Hier gab es ein Plus von 20 Prozent. Mit einem Anteil von 13,8 Prozent am gesamten Krankenstand landeten diese Beschwerden auf Platz drei.

Neues Jahr, neue Vorsätze: Wie sieht es bei Ihnen persönlich aus?

Ich möchte ganz bewusst weniger Handy, Fernseher und Internet nutzen, um mehr zu entschleunigen. Und, meine Fitness möchte ich wieder verbessern, das ist zuletzt aus privaten Gründen etwas ins Hintertreffen geraten.

 

Interview: Heiko Hoffmann

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