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Wismar Schützengesellschaft Wismar: Seit 194 Jahren gut in Schuss
Mecklenburg Wismar Schützengesellschaft Wismar: Seit 194 Jahren gut in Schuss
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12:26 28.09.2018
Die Fahne der Vereinigten Schützengesellschaft Wismar Quelle: Charleen Jacobs
Wismar/Groß Stieten

Die Abzeichen an der olivgrünen Uniform von Uwe Sandhop und den Mitgliedern der „Vereinigten Schützengesellschaft von 1824“ klappern leise, als sie sich an den Runden Tisch im Vorraum des Schießstandes setzen. Auf dem Ärmelstreifen des 68-Jährigen steht „Präsident“ geschrieben. Die „Vereinigten Schützengesellschaft von 1824“ ist einer von zwei Wismarer Schützenvereinen, deren Geschichte bis in das Mittelalter zurück reicht.

„2024 wird die Gesellschaft 200 Jahre alt. Ab und zu bekommen wir Bilder zugeschickt, die Schützenkönige vor 100 Jahren zeigen. Wir selbst besitzen leider kaum Aufzeichnungen von früher. Es freut uns daher umso mehr, wenn Leute uns Relikte der Schützengesellschaft zeigen“, erzählt der Präsident Uwe Sandhop.

Präsident Uwe Sandhop zeigt die Uniform der Gesellschaft Quelle: Charleen Jacobs

Bereits zu Zeiten der Hanse war das Schießen in der Bevölkerung ein angesehener Sport. Zwei bekannte Schützengesellschaften aus dieser Zeit sind die Papagoyengesellschaft, deren Mitglieder reiche Kaufleute und Ratsherren waren und die St. Annenbruderschaft, welcher Krämer und Handwerker angehörten. 1823 schlossen sich diese Gesellschaften in der Hansestadt zusammen und es entstand die „Vereinigte Schützengesellschaft Wismar von 1824“, welche die Tradition des Schießsportes bis heute weiterführt. Zur Zeiten der NS-Regierung wurde die Schützengesellschaft in den nationalsozialistischen Schützenbund überführt und auch anschließend in der DDR durfte der Schießsport nur von staatlichen Sportorganisationen durchgeführt werden. Nach der Wende gründete sich die „Vereinigte Schützengesellschaft Wismar von 1824“ wieder.

Dass der Schießsport eine lange Tradition ins Deutschland darstellt, beweist auch eine besondere Ehrung. „Seit 2016 zählt unsere Schützengesellschaft zum Immateriellen Kulturerbe“, erzählt der Präsident stolz.

Jedoch ist der Schützensport nicht mehr so beliebt wie noch vor 200 Jahren. „Der älteste Sportverein in Deutschland ist ein Schützenverein. Somit ist der Schießsport schon länger vertreten als beispielsweise Fußball. Aufgrund der Kriegsvergangenheit Deutschlands gibt es jedoch Bürger, die den Sport mit Waffen als unnötig empfinden“, sagt der 68-Jährige.

Dabei ist das Schießen keineswegs eine Art Kriegsspiel, sondern ein Präzisionssport. „Man muss sehr konzentriert sein und eine ruhige Hand am Abzug haben, sonst geht der Schuss daneben. Das erfordert Übung und viel Technik“, erklärt das Vorstandsmitglied Bodo Pahl.

„Derzeit hat die Schützengesellschaft 42 Mitglieder im Alter zwischen 27 bis 82 Jahren“, sagt Uwe Sandhop. Darunter befinden sich auch drei Frauen, die gemeinsam mit ihren Männern der Gesellschaft angehören. Eine von ihnen ist Christel Sandhop, die Ehefrau vom Gesellschaftspräsidenten. „Mir hat der Schießsport schon immer Spaß gemacht. Deshalb bin ich ebenfalls in den Verein eingetreten“, erzählt sie und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: „Außerdem übertrumpfe ich auch gerne mal die Männer.“

Die Mitglieder der „Vereinigten Schützengesellschaft Wismar von 1824“ trainieren auf dem Schießplatz in Groß Stieten, den sie 1990 als Treuhand erworben hatten. Zu DDR-Zeiten wurde von der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) für Schießübungen genutzt. „Unsere alte Schießanlage bei der Molkerei in Wismar wurde nach der Wende geschlossen. Daraufhin haben wir uns auf die Suche nach einer neuen Anlage gemacht und sind in Groß Stieten fündig geworden“, erzählt der Präsident.

Die „Vereinigte Schützengesellschaft Wismar von 1824“ kooperiert mit dem zweiten Wismarer Schützenverein „Hanse 1990“. „Unsere Mitglieder schießen oft gemeinsam auf den beiden Vereinsschießplätzen, da bestimmte Waffen nicht auf allen Plätzen zugelassen sind“, erklärt Sportleiter Fred Czarnowsky.

Die Schützengesellschaft nimmt regelmäßig an Wettkämpfen mit hauptsächlich Großkaliberwaffen in Mecklenburg-Vorpommern teil, unter anderem Kreis- und Landesmeisterschaften. „Die Teilnahme an Deutschen Meisterschaften oder Weltmeisterschaften ist aus finanziellen Gründen nicht möglich“, erklärt der Präsident, der selbst mehrere Landesmeistertitel im Großkaliber inne hat. Neben den landesweiten Wettkämpfen findet jedes Jahr vereinsintern das Königsschießen statt, ein Highlight für die Mitglieder. „Wir treten gegeneinander an. Jeder darf einen einzigen Schuss auf die Königsscheibe aus Holz abgeben. Derjenige, der am dichtesten an die Mitte trifft, gewinnt und trägt für ein Jahr den Titel 'Schützenkönig'“, erklärt Fred Czarnowsky.

Die Siegerehrung findet jedes Jahr auf dem Familienfest statt, bei dem Freunde, Familie und Kinder der Mitglieder sich beim Luftgewehr- und Bogenschießen miteinander messen dürfen. „Es ist uns sehr wichtig, die Familien miteinzubeziehen, auch wenn sie selber keine Vereinsmitglieder sind“, erzählt Christel Sandhop. Regelmäßig nimmt die Schützengesellschaft auch an Dorffesten teil. „Das Luftgewehrschießen ist immer gut besucht. Manchmal kommt zu Konkurrenzkämpfen der Dorfbewohner um den Sieg“, erzählt sie lachend.

„Das Jahr 2018 war ein erfolgreiches für unsere Schützen“, erzählt Uwe Sandhop abschließend. Mit dem Jahresabschlussschießen im Dezember will die Schützengesellschaft diese Saison ausklingen lassen, um gestärkt in die nächste zu starten.

Charleen Jacobs

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