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Wismar Schutzgeld – keine Erfindung der Neuzeit
Mecklenburg Wismar Schutzgeld – keine Erfindung der Neuzeit
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00:00 10.09.2018
Wismar

Am 8. September 1300 einigten sich Heinrich der I. von Mecklenburg und sein Sohn, Heinrich der II., mit dem Wismarer Rat über den Neubau einer fürstlichen Residenz in Wismar. Die Wismarer erwiesen sich aber als hartnäckige Händler. Letztendlich erhielten sie zum Neubau der fürstlichen Residenz einen Platz an der Mecklenburger Straße in Höhe des „Katersteiges“. 1229 bekamen sie eine Schenkungsurkunde vom Herzog, in der er „seinen Bürgern“ ein Stück Land überließ. Es ist die Bestätigung für eine Stadt, denn mit Bürger wurden nur die Bewohner einer Stadt bezeichnet. 1257 war Fürst Johann I. von seiner Stammburg Mecklenburg in die Nähe der neuen Stadt auf dem Weberkamp gezogen, der sich im heutigen Bereich der Tankstelle an der Kreuzung Dr.-Leber-Straße befand. Die Wismarer begannen jedoch ab 1276 selbstbewusst ihre Stadt mit einer 3000 Meter langen und sechs Meter hohen Stadtmauer zu umgeben. Am 6. September 1259 hatten sie mit Lübeck und Rostock ein Schutzbündnis geschlossen, das den Beginn des Wendischen Quartiers der Hanse markierte. Heinrich I., auch „der Pilger“ genannt, befand sich ab 1271 auf Pilgerfahrt ins Heilige Land. Auf dieser Fahrt wurde er in Kairo gefangen genommen und kehrte erst 27 Jahre später, 1298, nach Wismar zurück. Ihm nahmen die Wismarer besonders übel, dass er die in der Stadt ansässigen Juden unter seinen persönlichen Schutz nahm, die auch dafür bezahlen mussten.

Die Straßenfront des Fürstenhofes Wismar um ca. 1870 Quelle: Foto: Sammlung Detlef Schmidt

Dies änderten die Wismarer nach 1350 grundlegend mit der Ausweisung der Juden aus der Stadt. Der Fürst befand sich nun mit seiner Burg von der Stadt ausgegrenzt und fühlte sich von den Bürgern hintergangen. Verärgert war er auch darüber, dass schon 1292, während seiner Abwesenheit, die Braut seines Sohnes Heinrich, Beatrix von Brandenburg, nicht in die Stadt gelassen wurde. Nach etlichen Verhandlungen erhielt er am 28. März 1300 nach Verkauf seiner Burg, einen Platz für seinen Hof in der Nähe des Schwarzen Klosters, jedoch ohne Befestigung. Am 8. September 1300 erhielt dieser seine rechtliche Beurkundung. Heinrich der Löwe übernahm 1302 die Regentschaft von seinem Vater.

Zwei Jahre später kam Heinrich II. zusammen mit dem Markgrafen von Brandenburg dem böhmischen König Wenzel II. von Böhmen im Krieg gegen König Albrecht I. zu Hilfe. Dieser Krieg brachte Heinrich II.

den Beinamen „der Löwe“ ein. Als 1310 die Wismarer die Hochzeit seiner Tochter Mechthild mit Herzog Otto zu Braunschweig-Lüneburg in ihrer Stadt verweigerten, ließ sich Heinrich das nicht bieten und griff die Wismarer militärisch an, wobei die Wismarer durch die Rostocker unterstützt wurden. Diese zerstörten den Hof des Fürsten. Doch Heinrich II. bezwang die Wismarer und entzog ihnen neben der Gerichtsbarkeit auch das Münzrecht und den Zoll, was schon ein herber Verlust war.

Zudem hatten die Wismarer den Hof mit Schloss und Turm herzurichten und durch die Stadtmauer einen eigenen Zugang zu schaffen, so dass Heinrich „also dat he in und uth mochte ahne der borger dank, wenn he wolde“. Wismar kapitulierte am 15. Dezember 1311 vor Heinrich dem Löwen, denn der Verlust der Privilegien wog schwerer für die Hanseaten. Die Hochzeit seiner Tochter Mechthild ließ er in Sternberg durchführen, und Heinrich II. wählte die Stadt danach zu seiner Residenz. Das ging ins Geld. Heinrich griff nun auch Rostock an und besiegte die Hansestadt. Als Heinrich 1313 einen Pilgerzug nach Madonna della Rocca unternahm, nutzten dies die Rostocker aus, wurden von den Landesfürsten am 12. Januar 1314 wieder eingenommen. Heinrichs Regentschaft war gekennzeichnet von Kämpfen um Landgewinn und Sicherung an den Grenzen seines Landes. Heinrich II. war dreimal verheiratet und hatte insgesamt sieben Kinder.

Am 21. Januar 1329 stirbt der mecklenburgische Fürst Heinrich II. der Löwe in Sternberg und wird in Doberan begraben.

Was sonst noch geschah

8. September 1949: Die Karl-Liebknecht-Straße ist umgepflastert worden. Die Arbeiten in der Lübschen Straße haben begonnen. Die Umpflasterung der Altwismarstraße steht bevor. Arbeiten erfolgten auch in der Scheuerstraße und Am Lohberg. In der Breiten Straße wird der Asphalt entfernt und die alte Pflasterung wiederhergestellt. Die Altböter- und ABC- Straße sind Einbahnstraßen in Richtung Norden.

9. September 1984: Umbenennung des Turnplatzes in Gottlob-Frege-Platz, ab März 1992 wieder Turnplatz. Die Leningrader

Straße wird zur „Prof.-

Frege- Straße“.

10. September 1799: Die letzte öffentliche Hinrichtung findet in Wismar statt. Sie trifft den Hirtenjungen Caspar Schwartzkopff wegen Raubmordes.

10. September 1998:

Gründung der Bürgerstiftung Hansestadt Wismar.

11. September 1816:

Fürst Leberecht von

Blücher ist Gast im

Hotel Stadt Hamburg.

11. September 1945:

Beschluss des Rates,

die Schulen wegen mangelnden Heizmaterials

und anderweitiger Belegung der Gebäude noch nicht zu eröffnen.

11. September 1998: Übergabe der Westtangente.

12. September 1816:

In Wismar findet das erste mecklenburgische Musikfest mit der Aufführung von Joseph Haydn „Die Schöpfung“ in St. Nikolai statt, mit dabei 100 Sängern als Mitwirkende.

12. September 1935:

Neue „Hauptsatzung

für die Seestadt Wismar“ tritt in Kraft. Wismar hat

einen Oberbürgermeister.

12. September 1999:

Bundespräsident Johannes Rau eröffnet in Wismar

die zentrale Eröffnungsveranstaltung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz zum Tag des

offenen Denkmals 1999.

13. September 1945:

Wiederaufnahme der

regelmäßigen Briefkastenleerungen, Postsendungen mit Postwertzeichen

des „Dritten Reiches“

werden nicht befördert.

13. September 1946: Mit den „Wismarschen Nachrichten“ erscheint erstmalig nach dem Krieg wieder ein Mitteilungsblatt.

Detlef Schmidt

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