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Schwimmbäder kleben Sticker auf die Linse

Wismar Schwimmbäder kleben Sticker auf die Linse

Immer mehr Bäder verbieten Fotoaufnahmen komplett / Am Strand darf noch geknipst werden

Wismar. Den kleinen Verbotsaufkleber auf der Kameralinse eines Smartphones sieht man in Deutschland immer öfter. Nach der Salztherme in Lüneburg hat auch Bäderland Hamburg in 26 seiner Schwimmbäder den Sticker eingeführt. Dieser soll verhindern, dass am Beckenrand oder im Wasser Fotos gemacht werden. Denn auch auf zufällig gemachten Aufnahmen könnten fremde Menschen in Badesachen auftauchen. Für viele keine schöne Vorstellung. Wie sieht es da in der Region Wismar aus – wo darf noch beim Baden geknipst werden und wo lieber nicht?

 

OZ-Bild

Bei Wonnemar bekommen Smartphones einen Sticker verpasst.

Quelle: Foto: As

Im Wismarer Wonnemar jedenfalls nicht. Seit 17 Jahren darf hier weder im Schwimmbad noch in der Sauna fotografiert werden. Auch Handys sind unerwünscht. Darauf wird jeder Badegast nach dem Umziehen mit großen Verbotsschildern hingewiesen. „Fotografieren und filmen verboten“, heißt es an Türen, die zum Schwimmbereich führen. Die Sticker sind allerdings neu. „Wir haben sie vor etwa zwei Jahren eingeführt“, sagt Madlen Spiekermann, Marketingleiterin bei Wonnemar.

Den Betreibern geht es dabei um den Schutz der Badegäste. „Unsere Gäste sind zum großen Teil Familien mit Kindern. Wenn da jemand Fotos macht, weiß man nie, ob dann das eigene Kind auf ihnen auftaucht und wo die Fotos im Internet veröffentlicht werden.“ Kunden, die sich nicht an das Verbot halten, werden vom Bademeister ermahnt. Wer am Schwimmbecken mit seinem Handy unterwegs ist, bekommt den kleinen Sticker verpasst. Vorfälle, bei denen tatsächlich Bilder von Wonnemar-Gästen im Internet veröffentlicht wurden, habe es bislang nicht gegeben, so Spiekermann.

Auch in kleineren Hallenbädern herrscht ein Foto-Verbot. Im Schwimmbad vom Ferienpark Zierow baden häufig Hebammen mit Kindern, Reha-Gruppen, zu freien Stunden aber auch Urlauber. „An unserem Becken darf nicht fotografiert oder gefilmt werden“, sagt Geschäftsführerin Nathalie van Meeteren.

An Wismars Strand sehen die Verantwortlichen bisher wenig Handlungsbedarf. Ein Verbot von Aufnahmen sei für Wendorf nie ein Thema gewesen, sagt Pressesprecher der Hansestadt, Marco Trunk. „Natürlich darf man Fotos machen. Hauptsache ist, das man nicht die Persönlichkeitsrechte anderer verletzt.“ Es habe an dem Strand bislang noch keine Beschwerden gegeben, erzählt Trunk. Deswegen habe man auch künftig kein generelles Verbot geplant. Allerdings hat Trunk auch Bedenken: „Wir hoffen, dass es nicht zu einem Verbot kommen muss, denn die Problematik nimmt offensichtlich zu. Immer mehr Menschen machen Aufnahmen mit Smartphones oder Drohnen.“

Auch der Kurdirektor der Insel Poel, Markus Frick, hält eine Reglementierung von Aufnahmen am Strand für nicht sinnvoll. „Wenn ich selbst mit Frau und Kind am Strand eine Sandburg baue und Fotos davon mache, möchte ich, dass es weiterhin erlaubt bleibt.“

Gleichzeitig soll die Privatsphäre der Strandbesucher gewahrt bleiben. Der Tourismusverband MV hat vor einem Jahr eine Broschüre mit geänderten Baderegeln herausgegeben. Erstmals hieß es dort: „Bitte fotografieren Sie keine fremden Menschen ohne deren Zustimmung.“ „Mit den Flyern treten wir aktiv an die Badegäste heran“, sagt Frick.

Auch in Grevesmühlen ist das Abkleben von Handy-Kameras bisher nicht angesagt. Vereinsvorsitzender des Freibades, Benny Andersson, erklärt: „Wir haben ja hier überwiegend Mütter, Omis und Kinder, eigentlich keine komischen Männer, von denen man das vielleicht vermuten könnte, dass sie solche Fotos machen.“

Recht am eigenen Bild

Das Recht am eigenen Bild gibt Menschen die Möglichkeit, über die Verwendung von Fotos zu bestimmen, auf denen sie abgebildet sind. Auch ein Widerspruch gegen die Veröffentlichung ist möglich. Dieses Recht ist in den Artikeln 1 und 2 des Grundgesetzes verankert. Abgelichtete Personen dürfen jedoch nicht uneingeschränkt darüber bestimmen, was mit ihren Abbildungen geschieht.

Ausnahmen stellen Kunst- und Pressefreiheit dar. Beispielsweise ist die Veröffentlichung eines Fotos vom Marktplatz, auf dem zufällig Menschen vorbeilaufen, ohne ihr Einverständnis möglich. Wenn Fotograf und abgebildete Person uneins sind, können Fälle vor Gericht landen. Dann müssen Richter zwischen den Interessen des Fotografen, der Öffentlichkeit und des Abgebildeten Person abwiegen.

Alexander Salenko

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