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Serie: Kalenderblatt zum 7. Februar

Wismar Serie: Kalenderblatt zum 7. Februar

In der Nacht vom 7. Februar zum 8. Februar 1811 kam es zu einer Aktion in Wismar, die es so noch nie gegeben hatte. Die Franzosen als Besatzer in Mecklenburg und Wismar brauchten Soldaten.

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Hafen und Ansicht von Wismar – Lithografie um 1808, von J. L. Hornemann. SAMMLUNG DETLEF SCHMIDT

Wismar. In der Nacht vom 7. Februar zum 8. Februar 1811 kam es zu einer Aktion in Wismar, die es so noch nie gegeben hatte. Die Franzosen als Besatzer in Mecklenburg und Wismar brauchten Soldaten. Dazu diente ein 1810 erschienenes Dekret, welches besagte, dass alle mecklenburgischen Hafenstädte Matrosen für den Dienst in der Truppe Napoleons zu stellen hätten.

Man hatte auch schon ganz gewisse Vorstellungen. So sollte Wismar 50 Matrosen im Alter von 22 bis 34 Jahren stellen, die außerdem an der Nord- und Ostsee Bescheid wissen mussten. In der Kenntnis der Lage schrieb dann auch Wismars Bürgermeister Fabricius an den mecklenburgischen Herzog: „Freiwillig stellt sich schwerlich kein Einziger“. Nachdem der französische Vizekonsul sich energisch um die Einhaltung des Befehles an den Rat wandte, wurden sämtliche Schiffer vorgeladen, damit sie aussagen, wie viele Matrosen in der Stadt wären. Diese berichteten aber schlauerweise, dass sie nur Matrosen aus anderen Städten beschäftigten. Nach einem Aufruf vom 11. Dezember 1810 in der Wismarschen Zeitung meldete sich ein einziger Freiwilliger – aus Grevesmühlen.

Trotz falscher Angaben zur Marine gezwungen

So kam es in der Nacht vom 7. zum 8. Februar 1811 zu einer „Hafenrazzia“. Es wurden von sämtlichen im Hafen liegenden Schiffen die Matrosen gefangen genommen. Jedoch befanden sich unter den 65 Matrosen auch welche aus Schweden und anderen Nationen. Nach ihrem Abzug blieben noch sechs übrig, und davon konnte man auch nur zwei gebrauchen. Jetzt wurde in der Nacht vom 9. zum 10. Mai 1811 auch in den umliegenden Orten gesucht. Dabei fand man 41 Matrosen, die man in einer Nacht- und Nebelaktion zusammentrieb. Zwar hatten diese vorher versucht, ihr Geburtsjahr falsch anzugeben, aber die Häscher sahen in den Kirchenbüchern nach.

Die Bewacher hatten jedoch ihre liebe Not, die Mecklenburger zu beaufsichtigen. So manch einer verschwand mit Hilfe seiner Verwandten. Selbst die militärische Eskorte, die sie nach Hamburg begleiten sollte, konnte nicht verhindern, dass unterwegs noch einige „Maaten ausbüxten“.

Die Hansestadt Wismar war zur Freude ihrer Bürger 1803 wieder mecklenburgisch geworden. Ehe man sich wirtschaftlich von den Schweden erholt hatte, kamen die Franzosen. Wismar erlebte von 1806 bis Ende August 1813 eine zeitweise französische Besetzung, die die Lage der Stadt nicht gerade verbesserte. Schon 1805 gab es bedeutende Truppendurchmärsche. So mussten vom 24. Oktober 1805 bis 9.

November 1805 allein 9000 Russen verpflegt werden Dazu muss man wissen, dass für Verpflegung und Unterkunft der durchziehenden Truppen immer die heimische Bevölkerung aufkam.

Einzug der Franzosen erfolgte im November 1806

Endgültig zogen am 28. November 1806 die Franzosen mit General Michaud in Mecklenburg ein, und es begann die gewiss nicht erfreuliche „Franzosentied“. Im ehemals von den Schweden als oberstes Appelationsgericht genutzten Fürstenhof richteten die Franzosen 1810 ein Lazarett ein, das allein die Stadt nahezu 25000 Taler kostete. Hinzu kam die von den Franzosen verhängte Kontinentalsperre, die jeden Handel mit England unterbinden sollte und drohte, den Wismarer Handel lahmzulegen. Aber die Wismarer Kaufleute wussten sich zu helfen, um trotzdem englische Waren einzuschmuggeln. Die diensttuenden französischen Zollbeamten wurden bestochen, und so geschah das „Wunder“, dass der sonst so stille Hafen sich auf „wundersame Weise“ belebte.

1809 zogen zum ersten Mal Husaren der Freischärler-Korps des Ferdinand von Schill durch Wismar. Doch erst nach der verheerenden Niederlage der Franzosen in Russland im Winter 1812/13, setzte die große nationale Befreiungsaktion ein. Das Herzogtum Mecklenburg trat aus dem französisch dominierten Rheinbund aus und stellte sich somit gegen Napoleon. Wismar hatte seit Mai 1813 mecklenburgische Jäger und Schillsche Husaren in der Stadt. Am 25. August 1813 mussten sie die Stadt jedoch den anrückenden Franzosen überlassen. General Loison, unter dessen Befehl die Truppen standen, stellte sofort ungeheure Forderungen auf. So sollten für die 15000 Franzosen umfangreiche Verpflegung und insgesamt 50000 Taler zur Verfügung gestellt werden. Erst ein „Geschenk“ von eintausend Luisdor an den General stimmte ihn milder und bewirkte die Herabsetzung der für Wismar schwer erfüllbaren Forderungen. Dafür waren Plünderungen in und um die Stadt an der Tagesordnung. Um sich den Rückzug frei zu halten, wurde am 30. August 1813, am Tage ihres vorläufigen Abzuges, das westlich der Stadt gelegene Altwismartor abgebrannt.

170000 Taler Kriegsschäden

Für die Wismarer war dieser Krieg teuer. Auf insgesamt 170000 Taler beliefen sich die Kriegsschäden. Eine ungeheure Summe, die die 6450 Einwohner angesichts der schlechten wirtschaftlichen Lage aufzubringen hatten. Wismar war sprichwörtlich arm wie eine „Kirchenmaus“. Mit Hilfe der Schillschen Husaren und der mecklenburgischen freiwilligen Jäger war am 2. September 1813 der „Franzosen-Spuk zu Ende“ und die Wismarer Bürger konnten tief durchatmen. Sie hatten bei den Befreiungskriegen 23 Kämpfer verloren. Zur Erinnerung an das Ende der „Franzosentied“ und der Befreiungskriege pflanzten die Wismarer zum 100. Jahrestag 1913 im Lindengarten eine Eiche. Diese ist heute noch erhalten und eine gusseiserne Tafel am Fuße des Baumes wies bis vor 25 Jahren auf das Ereignis hin.

Was sonst noch geschah

8. Februar 1997 Gründung des Shantychores „Blänke“ im „Redentiner Hof;

9. Februar 1379 Gründung des Wendischen Münzvereines durch Wismar, Lübeck und Hamburg;

9. Februar 1961 Benennung der Dr.-Liebenthal-Straße per Ratsbeschluss;

10. Februar 1948 Beginn der Bauarbeiten für ein neues Theater an der Parkstraße in der ehemaligen Exerzierhalle der Infanteriekaserne;

12. Februar 1878 Graphikerin Sella Hasse geboren;

12. Februar 1995 Eröffnung des Technologie- und Gewerbezentrum Wismar mit Haus 1-3, in der Philipp-Müller-Straße;

13. Februar 1544 Fertigstellung der neuen, astronomischen Monumentaluhr hinter dem Hauptaltar in Sankt Marien.

Detlef Schmidt

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