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Wismar 500 Schüler demonstrieren in Wismars Altstadt fürs Klima
Mecklenburg Wismar 500 Schüler demonstrieren in Wismars Altstadt fürs Klima
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09:53 16.03.2019
Blick in die Krämerstraße in Wismar: Rund 500 Schüler schlossen sich dem Klima-Protest in der Hansestadt an. Quelle: Nicole Hollatz
Wismar

„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!“ oder „Und wir singen im Atomschutzbunker, hurra, hurra, die Welt geht unter!“ Sprüche wie diese hallten am Freitagvormittag aus Hunderten Mündern gleichzeitig durch die Straßen. Passanten blieben verwundert stehen, Anwohner schauten aus ihren Fenstern. Als langer, lauter und bunter Zug fielen die Schüler mit ihren teils frechen und provokanten, teils schwarzhumorigen Plakaten auf: „Ich glaube eher an den Weihnachtsmann als daran, dass die Politiker uns retten“, „Warum lernen für die Zukunft, wenn es keine Zukunft gibt?“, „Fehlstunden kann man verkraften, Klimawandel nicht“.

Schwänzen für den Klimaschutz

Das war Wismars erste „Fridays for Future“-Demonstration. Schüler schwänzten den Unterricht und demonstrierten für den Klimaschutz und damit die Rettung ihrer Welt. „Wir stehen hier für unsere Kinder und unsere Enkelkinder“, sagte Organisatorin und Versammlungsleiterin Florentine Förster (18) vom Gymnasium am Tannenberg in Grevesmühlen. Sie freute sich über die große Resonanz, die Organisatoren haben mit 150 Demonstranten gerechnet. Gekommen waren aber rund 500. Diese Zahl bestätigte auch die Polizei.

Die Schülerinnen und Schüler fordern eine verantwortungsvollere Klimapolitik und wollen durch das Schwänzen Druck auf die Politiker aufbauen, so wie die Erwachsenen das beim Streiken in der Arbeitszeit machen.

„Wir hätten heute fünf Stunden gehabt und waren erst in der Schule. Eine Lehrerin hat uns für zwei Stunden entschuldigt, so dass wir nur eine Stunde fehlen“, so Eleah Seher (15) vom Gymnasium in Neukloster. „Es ist doch unnötig, jetzt für gute Noten zu lernen. Wir können und wir müssen jetzt die Welt verändern“, sagt sie weiter. „Es kommt nicht darauf an, dass wir alle binomischen Formeln auswendig können, sondern darauf, dass unser Planet erhalten bleibt. Wir müssen was machen, weniger Plastikverpackungen kaufen und Energie sparen. Durch solche Demos können wir andere aufrufen mitzumachen.“ Ihre Freundin Helena Brandt (15): „Die Mathestunde arbeiten wir am Wochenende nach.“

Hausaufgaben für Politiker

Zu den Rednern, die vom Stromkasten auf dem Marktplatz zu den Jugendlichen sprachen, gehörte Adrian Klabunde. Der 18-Jährige hat in Wismar sein Abitur gemacht und studiert nun. Seine Worte waren deutlich: „Von uns wird täglich erwartet, dass wir unsere Hausaufgaben machen. Wir werden bestraft, wenn wir das nicht tun. Die Politik versäumt es aber seit Jahrzehnten, ihre Hausaufgaben zu machen und wurde dafür noch nie abgestraft. Aber wir sind es, die mit den Konsequenzen leben müssen.“ Er ärgerte sich, dass „weiße alte Männer“, denen es naturgemäß egal sein kann, wie die Welt in 50 Jahren aussieht, genau darüber entscheiden. „Wir dürfen nicht profitgeilen Unternehmen wie Nestlé oder RWE die Führung in unseren Untergang überlassen. Wenn es so weitergeht, ist der Planet schon Ende des Jahrhunderts für uns Menschen nicht mehr bewohnbar.“

Nur mit Schwänzen Aufmerksamkeit?

Redner Mathias Wolf machte den Schülerinnen und Schülern Mut, weiter und regelmäßig für solche Demos zu schwänzen. „Sonst ist das Thema in zwei, drei Monaten von der Bildfläche verschwunden und ihr habt nichts erreicht!“ Selbst wenn die Schulen und Lehrer oder gar die Eltern mit Sanktionen drohen oder gleich sanktionieren, sollten die Schüler standhaft bleiben. Das war wohl in Einzelfällen schon gestern so. Gerüchte um spontan angesetzte Klassenarbeiten und pauschale Sechsen für das Fernbleiben vom Unterricht machten die Runde. Er zog wie viele andere auch den Vergleich zu den streikenden Berufstätigen, die in ihrer Arbeitszeit die Arbeit niederlegen für die maximale Aufmerksamkeit. Mit dem Unterschied, dass die Jugendlichen in ihrer Freizeit den fehlenden Stoff nachholen müssen bis zur nächsten Klassenarbeit.

Ines Albrecht, Schulleiterin am Gerhart-Hauptmann-Gymnasium, zeigte Verständnis für die Schüler, auch wenn sie sie nicht „beurlauben“ kann für die Demonstration. „Wir werden diese Aufmerksamkeit auf das Thema aber auch gleich nutzen, um konkrete Ideen zum Umweltschutz an der Schule weiterzuentwickeln. Nicht nur demonstrieren, sondern auch was tun!“, forderte sie.

Nicht jeden Freitag, aber möglichst einmal im Monat wollen die Organisatoren mit Demonstrationen in Wismar auf das Thema aufmerksam machen. Natürlich dürfen auch Erwachsene mitdemonstrieren.

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Nicole Hollatz

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