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Wismar So sieht die zweite Sturmflut in Wismar und auf Poel aus
Mecklenburg Wismar So sieht die zweite Sturmflut in Wismar und auf Poel aus
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17:48 09.01.2019
9. Januar - erneut Hochwasser in Wismar. Die Sirene wurde bereits um 7.10 Uhr ausgelöst. Quelle: Heiko Hoffmann
Wismar/Poel

Schon wieder erreicht eine Sturmflut die Hansestadt Wismar. Gegen 7.10 Uhr heult am Mittwoch die Sirene auf, um die Anwohner der gefährdeten Hafenbereiche vor dem drohenden Hochwasser zu warnen. Der Pegel ist zu diesem Zeitpunkt bereits bei 1,25 Meter über Normal.

Am Altstadtring steht die Kreuzung zum Schiffbauerdamm erneut unter Wasser. Im Hochwasserbereich wird der Schiffbauerdamm für Autos gesperrt. Auch Fußgänger und Radfahrer müssen sich einen Umweg suchen. Einige kürzen durchs Wasser ab. Ronny Bieschke, Chef der Wismarer Berufsfeuerwehr, verschafft sich einen Überblick. „Noch ist die Lage entspannt, hoffentlich bleibt es so.“

Zentimeter um Zentimeter steigt der Pegel. Sturmtief „Benjamin“ lässt die Boote kräftig schaukeln. Wasser schwappt bei Wind und Wellen über die Kaikanten. Es läuft aber nicht rüber. Für Wismar ist ein maximaler Wasserstand von 1,30 Meter über Normal vorhergesagt worden. Die vergangenen Prognosen wurden allerdings bei den letzten beiden Hochwassern überschritten.

Hochwasserstände

Der normale Wasserstand liegt bei 5,0 Meter. Am Mittwoch wurde der Höchststand um 11.09 Uhr mit 6,40 m gemessen. Das sind 1,40 m über Normal.

Am 2. Januar 2019 waren es 1,91 Meter über Normal.

Weitere Wasserstände in Wismar über Normal:

4. Januar 2017: 1,83 m

1. Februar 2006: 1,82 m

6. Dezember 2003: 1,66 m

21. Februar 2002: 1,98 m

3. November 1995: 2,02 m

4. Januar 1954: 2,14 m

13. November 1872: 3,06 m. Diese Rekordmarke ist am Baumhaus im Alten Hafen vermerkt. Andere Quellen besagen 2,80 und 2,83 m.

Um 11.09 Uhr wird der höchste Wasserstand am Baumhaus gemessen. 6,40 Meter zeigt der Pegel am Alten Hafen. Das sind 1,40 Meter über Normal. Vor einer Woche waren es 6,91 Meter.

Bärbel Hottendorf, Inhaberin des Blumengeschäfts "Gänseblümchen", stapelt Sandsäcke vor ihrem Laden in der Fischerreihe. Quelle: Heiko Hoffmann

Das Tief „Zeetje“ hatte zum Teil heftige Schäden angerichtet. So auch bei Bärbel Hottendorf. Sie hat ihr Geschäft „Gänseblümchen“ in der Fischerreihe. Hier waren Hauseigentümer schon wiederholt Hochwasser-Opfer. „Die Emotionen reichen von Angst bis Verzweiflung. Es gibt aber auch Momente mit Spaß und Ironie, um die Situation im Team zu entspannen“, sagt die Geschäftsfrau. Vor einer Woche stand der Keller unter Wasser. Die Elektrik ist kaputt, noch heute läuft zeitweise die Pumpe. Mit ihrer Nachbarin hat sie 150 Sandsäcke geordert. Sie ist dankbar, dass die Feuerwehr am Dienstag die Säcke bis vor die Tür gebracht hat.

In Wismar läuft eine Unterschriftenaktion für besseren Hochwasserschutz. Auch Bärbel Hottendorf hat unterschrieben. „Die Stadt und das Land müssen für Wismar mehr unternehmen. So kann es nicht bleiben.“ Eine große Schwachstelle sei die Runde Grube. Hottendorf: „Sandsäcke allein reichen nicht aus.“ Auch durch die Gullys drückt das Wasser.

Detlef Kasten am Mittwoch vor seinem Haus in der Fischerreihe. Am Schott hat er einige Rekordhöhen vermerkt, auch die von letzter Woche. Quelle: Heiko Hoffmann

Detlef Kasten unterstützt ebenfalls die Unterschriftenaktion. „Da muss was getan werden.“ Auch er nennt die Runde Grube als Schwachstelle und hat Ideen, was gemacht werden könnte. Seit 1980 wohnt Detlef Kasten in der Fischerreihe und hat schon einige Hochwasser erlebt. Der Wismarer hat die beiden jüngsten Hochwasser gut überstanden. In der Hauswand hat er zwei Marmorsteine eingelassen. Bei Hochwasser befestigt er daran eine spezielle Platte als Schott. Weitere Hilfsmittel wie eine Pumpe liegen bereit. Rund 600 Euro hat er in den Schutz investiert.

Kerstin Kasten am 2. Januar vor ihrem Haus in der Fischerreihe. Das Hochwasser erreicht 1,91 Meter über Normal. Das Schott hält das Wasser ab. Quelle: privat

Auf der Insel Poel sind die Sorgen ebenfalls groß. Auch dort hat die Sturmflut der vergangenen Woche enorme Schäden hinterlassen – vor allem in Timmendorf. In dem Küstenort haben am Mittwoch erneut hohe Wellen gegen die Nordmole gepeitscht. Das Bollwerk ist bereits seit dem ersten Januar-Hochwasser stark geschädigt: „Einige Steine wurden herausgerissen, andere sind wackelig“, berichtet die Poeler Bürgermeisterin Gabriele Richter (parteilos). Sie hat sich am Mittwochvormittag am Schwarzen Busch umgeschaut und gehofft, dass es nicht so schlimm wird wie vor wenigen Tagen. Da ist die Düne um bis zu zehn Meter geschrumpft.

Das zuständige Umweltministerium spricht von einer sehr schweren Beschädigung. Und obwohl die Düne nun weiter vom Ufer entfernt ist, haben sie die Wellen am Mittwoch trotzdem wieder erreicht – allerdings diesmal nicht mit voller Wucht. Auch Timmendorf ist am Mittwoch glimpflicher davon gekommen. In der vergangenen Woche sind im Hafen das Molenfeuer ausgefallen, Gehwegsteine, Strom- und Wassersäulen aus der Verankerung gerissen worden. Am Mittwoch haben neugierige Spaziergänger nur an wenigen Stellen nasse Füße bekommen. Dafür konnten sie sehen, wie die Wellen immer wieder gegen die Steilküste geschlagen haben.

Am Schwarzen Busch auf der Insel Poel hat das Wasser die Düne wieder erreicht - diesmal allerdings nicht so heftig wie in der vergangenen Woche. Quelle: Kerstin Schröder

Wie Gabriele Richter berichtet, belaufen sich die Schäden des vergangenen Hochwassers nach derzeitigem Stand auf etwa 10000 Euro, die Mole nicht mitgerechnet. Zudem sind auf dem Weg vom Schwarzen Busch nach Gollwitz jetzt Absperrungen vorgenommen worden. Grund: Die Wellen haben eine Treppe und Bäume aus der Küstenwand gerissen. „Wir müssen die Wege teilweise verlegen und hoffen dabei auf das Entgegenkommen der Forstbehörde. Denn wir brauchen dafür ein Stückchen Wald“, ergänzt die Bürgermeisterin.

Wieder Hochwasser in Wismar und auf Poel

Bereits am Dienstag verteilte die Berufsfeuerwehr Hunderte Sandsäcke an die Anwohner. Das letzte Hochwasser ist erst eine Woche her. Es hatte für enorme Schäden in Gebäuden in Wismar und an den Stränden der Region gesorgt.

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