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Wismar Sozialarbeit: Unverzichtbar im Schulalltag
Mecklenburg Wismar Sozialarbeit: Unverzichtbar im Schulalltag
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00:01 05.02.2018

Sie haben ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Schüler. Wenn sie im Unterricht nicht mitkommen. Wenn’s Streit mit Freunden gibt. Oder Zoff zu Hause. Schulsozialarbeiter sind für sie da. 37 gibt es im Landkreis. Sie sind vor allem an Regionalen Schulen, Gymnasien und Berufsschulen eingesetzt – und lediglich an fünf Grundschulen.

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Doch kaum eine Grundschule im Raum Wismar hat eine Fachkraft

Der Übergang vom Kindergarten in die Schule ist laut Jana Möller einer der größten Schritte, die Kinder tun. Die Sozialarbeiterin ist seit knapp drei Jahren an der Grundschule Neukloster tätig. Zudem ist sie Ansprechpartnerin für Förderschüler. Beide Schulen befinden sich in einem Gebäude.

Zusammenleben lernen

Die Kinder kommen aus verschiedenen sozialen Schichten. In der Grundschule lernen sie das Zusammenleben. „Wir besprechen Normen und Werte: Wir begrüßen uns, sind höflich und fair zueinander, wir helfen uns. Denn jeder hat Stärken und Schwächen. Kinder brauchen Regeln, die geben ihnen Sicherheit“, sagt Jana Möller.

Sie nutzt ein erprobtes Präventionsprojekt zur Förderung der emotional-sozialen Kompetenzen. In den ersten und zweiten Klassen arbeitet sie mit einer Handpuppe, dem Außerirdischen „Lubo“. Mit ihm erzählen die Kinder über ihre Emotionen und versuchen, sie auszudrücken. „Emotionen müssen raus. Freude genauso wie Traurigkeit oder Wut. Wir erarbeiten gemeinsam Strategien, wie wir beispielsweise einem wütenden Mitschüler begegnen können.“

Stichwort Meinungsverschiedenheiten. „Die klären wir friedlich. Ich versuche, mit den Schülern eine Lösung zu erarbeiten.“ Sie fordert sie, sich eine eigene Meinung zu bilden. „Ich bin der Vermittler, nicht der Feuerlöscher.“

Hat ein Kind Probleme, sich zu konzentrieren, sitzt Jana Möller mit auf der Schulbank. Gibt es einen Störenfried im Unterricht, kümmert sie sich um ihn, damit der Lehrer im Stoff weitermachen kann.

Lehrer unterstützen

„Schulsozialarbeit ist sehr hilfreich. Sie erleichtert uns vieles“, bestätigt Birgit Krüger, Leiterin der Grundschule am Friedenshof in Wismar. Hier lernen seit September zwei zusätzliche erste Klassen und insgesamt 57 Kinder aus 13 Nationen. „Die neuen Schüler sprachen kein oder nur wenig Deutsch. Wir konnten uns nicht mit ihnen und ihren Eltern verständigen. Das war extrem schwierig.“

Zwei Monate später stellte die Stadt den Pädagogen einen arabisch sprechenden Sozialarbeiter an die Seite. Abdulghafor Eskif übersetzt Formulare und Mitteilungen für die Eltern, die sich sorgen, dass ihre Kinder im Unterricht nicht mitkommen. Er dolmetscht in Gesprächen mit Lehrern, hilft den Kindern, Deutsch zu lernen, bringt ihnen Regeln im Schulverhalten bei. Zum Beispiel: erst nachdenken, dann melden, dann reden. „Sprache ist das Allerwichtigste“, sagt der gebürtige Syrer, der auch Englisch und Französisch spricht. „Können sie sich den anderen Kindern nicht mitteilen, bleiben sie unter sich.“ Er fördert sie und berücksichtigt ihre Interessen. Manche spielen gern Fußball und lernen dabei Deutsch, andere sind lieber kreativ. „Ich habe Deutsch in zwei Jahren gelernt und bin Vorbild für die Kinder“, sagt der 25-Jährige. „Wir haben in der kurzen Zeit schon sehr viel geschafft“, sagt die Schulleiterin erfreut. „Die Kinder lernen schnell, haben Erfolge. Da ist es für uns Lehrer leichter, Inhalte zu vermitteln. Außerdem: Nur durch Herrn Eskif können die Kinder mit Migrationshintergrund am Schulschwimmen teilnehmen.“

Bedarfslage hat sich verändert

Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich verändert. Die Bedarfslage hat sich verschoben, sagt Peter Fröhlich von der Wismarer Schulverwaltung. „Es gibt an Grundschulen Kinder, die hyperaktiv sind oder in sich gekehrt und dadurch isoliert von ihren Mitschülern. Zudem haben wir erste Schulverweigerer. Wenn wir uns nicht kümmern, kann es in Klasse fünf und sechs schon zu spät sein.“ Deshalb seien Sozialarbeiter in Grundschulen wichtig.

Doreen Machau Aycan, Leiterin der Seeblick-Grundschule in Wismar, verweist auch auf Aspekte wie den zunehmenden sonderpädagogischen Förderbedarf sowie die Gefährdung der Kinder durch neue Medien, verbale Gewalt, Rauchen und Alkohol. „Der Umfang erzieherischen Handelns von uns Lehrern wird größer. Prävention muss ganzheitlich und nachhaltig wirken, dazu brauchen wir die kontinuierliche Unterstützung.“

EU-Zuschüsse nur noch bis zum Jahr 2020

Träger der Schulsozialarbeit sind Vereine der Wohlfahrtspflege wie die Felicitas gGmbH, die Arbeiterwohlfahrt oder das DRK. Die Personalkosten werden bis zum Jahr 2020 aus dem Europäischen Sozialfonds gefördert, ausgereicht vom Land an die Kreise. 2018 sind es rund 444878 Euro, im nächsten 448285 Euro, 2020 werden 461287 Euro erwartet.

Zusätzlich fließen Mittel aus dem „Landesprogramm Schulsozialarbeit“. In diesem Jahr rechnet die Kreisverwaltung mit 179591 Euro.

Auch der Landkreis Nordwestmecklenburg beteiligt sich an den Personalkosten. Er stellt in diesem Jahr 643830 Euro zur Verfügung (inklusive der Mittel aus dem Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes). Wie die Schulsozialarbeit ab dem Jahr 2021 finanziert werden soll, dazu könne man derzeit noch keine Aussage treffen, heißt es auf Anfrage. Für die Sachkosten der Schulsozialarbeit kommen die jeweiligen Schulträger auf, bei Grundschulen in der Regel die Gemeinden. Wismar allerdings finanziert zu 100 Prozent die Sozialarbeit an der Grundschule am Friedenshof. „Wir haben schnell gehandelt, damit gar nicht erst Probleme aufkommen“, begründete Peter Fröhlich von der Schulverwaltung.

Hw Haike Werfel

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