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Dr. Nils Jörn erzählt Kinder-Uni-Studenten von Schätzen aus dem Stadtarchiv

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Der Wismarer Hafen im 16. Jahrhundert. Was fällt auf, fragt Dr. Nils Jörn die Kinder-Uni-Studenten. „Wismar ist ein Dorf“, sagt ein Junge. „Das dürfen wir nur unter uns sagen“, rät der Dozent, „Wismar ist eine Stadt.“

Wismar. Eine spannende Reise in Wismars Vergangenheit erlebten gestern die Kinder-Uni-Studenten an der Hochschule. Für ihre Eltern im Hörsaal über ihnen war es obendrein mitunter höchst amüsant, was Dr. Nils Jörn als Dozent erzählte. Der Stadtarchivar hielt seine Vorlesung kurzweilig, gespickt mit witzigen Anmerkungen.

Zunächst beschrieb er den Kindern, wie sie zu dem modernen Archiv in der Altwismarstraße gelangen, das er leitet, und was sie dort vorfinden. Für den Fall, dass sie gerne vorbeikommen möchten.

Vielleicht mit ihrer Schulklasse. Denn viele Schätze in Form von historischen Dokumenten, Büchern, Plakaten, Fotos und alten Zeitungen werden hier aufbewahrt.

Angefangen hat alles im Rathaus mit einer Schatzkiste mit Eisenbeschlägen. Wozu sie angebracht waren? Einer der kleinen Studenten meinte wegen der Holzwürmer, ein anderer sagte wegen Feuer und hatte Recht. Denn in Wismar brannte es immer mal, erklärte Dr. Jörn, und in der Truhe lagen die wichtigsten Sachen. Es gibt zum Beispiel keine Bilder von den ersten beiden Rathäusern, nur noch vom dritten aus dem 14. Jahrhundert. Es stand bis 1817. Das heutige ist bereits das vierte Rathaus, erfuhren die Kinder.

So befand sich in der Truhe das Verfestungsbuch, in dem seit 1353 die Namen von allen Wismarern standen, die etwas Schlimmes angestellt hatten. Laut Dr. Jörn „ein dicker Schmöker mit 150 Seiten, dicht beschrieben“. Auch Klaus Störtebeker, der Pirat, der aus Wismar stammen soll, steht drin.

Eines der wertvollsten Schätze im Stadtarchiv, so hörten die Kinder, ist eine Urkunde von Papst Bonifatius mit der Papstbulle, das ist ein Siegel aus Blei. Der Dozent zeigte den Studenten ein Foto, eines von rund 500000, die es im Archiv gibt. Sie wurden digitalisiert wie viele andere Dokumente.

Zu den wertvollsten gehört auch das Privilegienbuch, in dem die Privilegien der Kaufleute bis 1350 notiert sind. Zum Glück, denn die Originale sind bei einem Brand vernichtet worden. Wie kann man die alte Schrift lesen, wollte ein aufmerksamer Junge wissen, als er das Foto von dem Buch groß an der Wand sah. Das kann man lernen, erklärte Dr. Jörn. Es kämen zum Beispiel viele Leute ins Archiv, um 300 Jahre alte Zeitungen zu lesen. „Da stehen spannende Geschichten drin“, verriet der Archivar.

So manche Anekdote wusste er zu erzählen, unter anderem von einem Gewitter 1699, als der Blitz in einen Pulverturm einschlug. „Da gab‘s das schönste Feuerwerk. 700 Fässer Pulver flogen in die Luft, das waren 70000 Kilo Sprengstoff.“ Von dem Ereignis gibt es ein Bild, auf dem fliegen Pferde, Menschen und Iglus durch die Luft. „Das hat ein Maler aus Nürnberg gemalt“, erzählte Dr. Jörn. „Der kannte Wismar nicht. Deshalb sage ich immer: Reisen bildet.“

Von Haike Werfel

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