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Staatsregierung wollte keinen Kirchturm

Wismar Staatsregierung wollte keinen Kirchturm

Am 12. März 1902 wurde der Grundstein für die katholische Kirche St. Laurentius am Turnplatz gelegt. Es war der erste katholische Kirchenbau in Wismar nach Hunderten von Jahren.

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St. Laurentius am Turnplatz in Wismar. Am 12. März 1902 wurde der Grundstein gelegt.

Quelle: Norbert Wiaterek

Wismar. Am 12. März 1902 wurde der Grundstein für die katholische Kirche St. Laurentius am Turnplatz gelegt. Es war der erste katholische Kirchenbau in Wismar nach Hunderten von Jahren. Bis zur Reformation waren alle Wismarer Kirchen katholisch.

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Am 12. März 1902 wurde der Grundstein für die katholische Kirche St. Laurentius am Turnplatz gelegt. Es war der erste katholische Kirchenbau in Wismar nach Hunderten von Jahren.

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Die Hanseaten dachten sehr pragmatisch und die Reformation kam ihrer Denkweise sehr nahe. An St. Marien hatte 1543 der letzte katholische Pfarrer Knudsen aufgehört und sein Nachfolger Paul Mecklenburg wetterte von der Kanzel, dass „die Bürgermeister alle auf dem Galgenberg stünden zwischen einem Haufen und brennten, weil sie die geistlichen Güter auffräßen“. Als er starb war Wismar protestantisch geworden. Alle Mönche, die nicht zum Protestantismus übertraten, durften bis zum Lebensende in ihren Klöstern wohnen. Der letzte Guardian der Dominikaner im Schwarzen Kloster verstarb 1575 und damit auch die letzte katholische Seelsorge.

1552 wurde die lutherische Kirchenordnung in Mecklenburg eingeführt und nach der Reformation wurden die Kirchengüter größtenteils unter den mecklenburgischen Herzögen aufgeteilt. Um 1750 gab es in Mecklenburg keine katholische Kirche mehr. Die erste katholische Kirche St. Anna ist 1795 in Schwerin geweiht worden. Schon 1665 wurde durch den zum katholischen Glauben übergetretenen Herzog Christian I. in der Schlosskirche Gottesdienst abgehalten, doch es sollten 130 Jahre vergehen, ehe der junge Herzog Friedrich Franz I., der mit dem katholischen Glauben sympathisierte, 1790 einen Neubau genehmigte.

Eine weitere katholische Kirche folgte 1803 in Ludwigslust, der zeitweisen Residenz der mecklenburgischen Herzöge. 1811 beschloss Friedrich Franz I. die Gleichstellung der christlichen Kirchen und 1813 die bürgerlichen Rechte für die ansässigen Juden. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es in ganz Mecklenburg knapp 500 Katholiken. Nach dem deutsch-französischen Krieg kamen sehr viele katholische Franzosen als Kriegsgefangene nach Mecklenburg und auch nach Wismar. Sie waren im alten Packhaus am Lindengarten untergebracht, damals im Volksmund „Franzosenstall“ genannt. Ihre Seelsorge übernahm nach Genehmigung des Großherzogs der Schweriner Pfarrer Fiedeldey. Damit war der Grundstein gelegt, denn nun duften die Katholiken auch in Wismar Gottesdienst feiern. Zunächst am 2. Weihnachtstag 1871 in der Bliedenstraße 24, später im Hotel „Stadt Braunschweig“ in der Mecklenburger Straße 15.

Durch Spenden aus anderen süddeutschen Gemeinden konnte ein Haus in der Breiten Straße 12 erworben werden, wozu sogar der Großherzog ein zinsloses Darlehen gewährte. Hier wurde dann alle 14 Tage ein Gottesdienst abgehalten. Verstärkt durch den Zustrom polnischer Erntearbeiter, die sogenannten Schnitter, und von weiteren katholischen Gläubigen wuchs die Wismarer Gemeinde stark und es sollte ein Neubau in der Breiten Straße entstehen. Der Wismarer Rat unterstützte dies, doch das Schweriner Ministerium für „Kirchliche Angelegenheiten“ verbot den Bau, weil ein Kirchturm vorgesehen war. Es sollte kein Geläut die Gläubigen zur Messe rufen. Der Wismarer Uhrmacher Franz Leibinger konnte im seit 1901 aufstrebenden Villenviertel am Turnerweg ein Grundstück günstig für die katholische Kirche erwerben.

Der Hamburger Architekt Brettschneider schickte seine Pläne nach Schwerin und nach Ministeriumsüberprüfung erteilte Großherzog Friedrich Franz die sofortige Genehmigung. Schon im November 1901 ist mit den Vorarbeiten begonnen worden und am 12. März 1902 ist der Grundstein durch den Schweriner Pfarrer Husmann gelegt und geweiht worden. Dieser ist 2008 bei Sanierungsarbeiten gefunden worden und an der linken Seite des Altarraumes in der Kirche sichtbar angebracht. Das Richtfest für den Kirchneubau wurde am 11. Juni 1902 schon mit dem drei Meter hohen Turmkreuz aus der Werkstatt des Wismarer Fabrikanten Wilhelm Müller aus der Rostocker Straße begangen. Die Glocken wurden in Hemelingen bei Bremen hergestellt und ein Probeläuten fand am 8. August 1902 statt. Die feierliche Kirchweihe fand am 12. Oktober 1902 morgens um 7 Uhr statt. Der Osnabrücker Bischof Dr. Hubertus Voß weihte die insgesamt 37 Meter hohe Kirche zu Ehren des Heiligen Laurentius, einem Stadtpatron Wismars. Die Glocken von St. Laurentius riefen an diesem Tag um 10 Uhr die katholischen Christen zum ersten feierlichen Gottesdienst in ihre Kirche, die erste katholische Kirche nach der Reformation mit einem Turm. Zum Pfarrer der nunmehr dritten katholischen Kirche in Mecklenburg wurde Manuel von Ondarza durch den Osnabrücker Bischof berufen und durch die mecklenburgische Staatskirche bestätigt. Er trat sein Amt erst im Juni 1903 an. Bis dahin hielt ein Geistlicher aus Schwerin zweimal monatlich einen Gottesdienst in St. Laurentius ab.

Am 5. Januar 1903 erhielt die katholische Kirche in Mecklenburg das bis dahin vorenthaltene Recht zur freien Religionsausübung, wie im Reichsgesetz von 22. April 1871 beschlossen. Die Weimarer Nationalversammlung von 1919 regelte in der Reichsverfassung das Verhältnis von Kirchen und Staat neu.

Was sonst noch geschah

12. März 1990: Montagsdemonstration mit Forderung nach Auflösung der Stadtverordnetenversammlung.

15. März 1990: Der „Runde Tisch“ übernimmt die Entscheidungsbefugnisse und konstituiert sich als beschlussfassendes legislatives Gremium. Damit ist die Stadtverordnetenversammlung aufgelöst und der Rat der Stadt ist nahezu machtlos.

15. März 1991: Beginn der 1. Informations- und Verkaufsausstellung vom 15. bis 18. März 1991 mit 120 Ausstellern in vier Hallen auf dem

Weidendammplatz. Hieraus entwickelte sich in den Folgejahren

die Hanseschau.

16. März 1956: Die ehemalige Gaststätte „Hafenhalle“ wird „Internationaler Club der Seeleute“ (Interclub).

16. März 1990: Willy Brandt spricht auf einer Wahlkundgebung auf dem Wismarer Markt.

Von Detlef Schmidt

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