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Wismar Stadt will Vereinshaus abreißen
Mecklenburg Wismar Stadt will Vereinshaus abreißen
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08:00 31.08.2013
Ein Blick in das Innere des Vereinhauses: Chaos! Decke und Wände sind unverkleidet. Auch eine Heizungsanlage gibt es nicht. Es haben sich zwar wieder Sponsoren gefunden. Doch prüffähige Unterlagen wurden bei der Stadt nicht fristgemäß vorgelegt. Fotos (5): Ina Schwarz

Eine kleine Baracke sorgt derzeit für großen Wirbel. Das kleine Vereinshaus am Kagenmarkt — seit 2011 durch einen Erbpachtvertrag vom Verein Schiffahrt/Hafen Wismar 61 gepachtet — soll abgerissen werden. Das entspricht einer aktuellen Verfügung der Hansestadt, die dem Sportverein vorhält, einer vereinbarten Sanierungspflicht nicht nachgekommen zu sein. Jetzt hat die Stadt den Pachtvertrag gekündigt. „Davon wissen wir nichts“, so Jürgen Freitag, Vereinsvorsitzender. Dass der Bebauungsplan am Kagenmarkt demnächst eine Verlagerung der Straßenführung sowie in unmittelbarer Nähe den Bau eines Feuerwehrhauses vorsieht und eine Ecke jener Baracke dabei sowieso im Wege ist, dürfte mehr oder weniger zufällig eine Rolle in der Geschichte spielen. Offiziell nicht.

Der Verein wehrt sich mit Händen und Füßen gegen den Abriss, sieht den Trainingsbetrieb in Gefahr und will sich mit Alternativen nicht abfinden. „Uns wurde angeboten, die Turnhalle am Kagenmarkt zu nutzen“, so Wilfried Firgt. Das Vorstandsmitglied desVerein sagt weiter: „Das funktioniert aus Sicherheitsgründen nicht. Die Wege sind zu lang. Wer soll die Aufsichtspflicht für die Kinder übernehmen?“ Auch einen Container, den Schiffahrt/Hafen dann allerdings selbst bezahlen muss, will der Verein nicht anerkennen. Darüber ist jetzt ein Streit entfacht.

Fakt ist, das Haus ist in einem katastrophalen Zustand. Das Innere erinnert an Ruine und Baustelle zugleich. Offene Decken, gerissene Wände, Bauschutt und Schutzfolien überall. Chaos. „Wir hatten hier große Pläne“, so Wilfried Firgt bei einem Lokaltermin. „Dann ist einer unserer Hauptsponsoren mit seinem Unternehmen pleite gegangen“, erzählt er. Den geplanten Sanierungsarbeiten hat dieses überraschende Aus des Mäzens das Genick gebrochen. „Der Sponsor hatte in Aussicht gestellt, das Haus energieeffizient umzubauen. Abrissarbeiten, um das alles vorzubereiten, waren durch Ferry Albers bereits in vollem Gange“, so Firgt. Dann der nächste Schicksalsschlag: Der Unternehmer Ferry Albers stirbt im Februar. In der Baracke jagd ein unglücklicher Umstand den nächsten. Mit dem Ergebnis, dass der Verein die Auflagen der Stadt nicht erfüllen kann. Zwar haben sich neue Sponsoren und initiative Eltern gefunden, die kräftig mit anpacken wollen, doch die prüffähigen Unterlagen wurden bei der Stadt zu spät vorgelegt. Die wollte, dass der Verein den Pachtvertrag kündigt. „Nichts da! Der Vertrag wurde 2011 für 25 Jahre geschlossen“, ereifert sich Firgt. „Wird das Haus abgerissen, können etwa 50 Kinder ihren sportlichen Neigungen nicht mehr nachgehen“, befürchtet er. Auch viele Eltern machen sich Sorgen, haben sich bereits mit einer Unterschriftenaktion für den Erhalt des Vereinshauses eingesetzt. Auch in der Fragestunde der Bürgerschaftssitzung am Donnerstag war die Baracke Thema.

Dass der Verein längst angebotene Alternativen ablehnt, kann die Stadt wiederum nicht nachvollziehen. „Eine Einstellung des Trainingsbetriebes oder gar die Auflösung der Mannschaft ist keinesfalls beabsichtigt“, so Michael Berkhahn (CDU). „Sowohl die Nutzung von Umkleiden in der Sporthalle am Kagenmarkt waren Konsens, eine Unterstellmöglichkeit für Sportgeräte in einem aufzustellenden Container ebenfalls“, macht der stellvertretende Bürgermeister deutlich. „Es ist für die Verwaltung nicht nachvollziehbar, warum die seit Jahren gut funktionierende Regelung beim FC Anker — dort ist neben dem Kunststoffrasenplatz nämlich ein Container für den Jugendbereich aufgestellt worden — nicht auch für den Verein Schiffahrt/Hafen ausreichend wäre“, argumentiert Berkhahn. Die Probleme am Kagenmarkt wecken im Rathaus den Eindruck, dass der Verein die „Vorschläge und Absprachen mit der Verwaltung nicht ernsthaft mit den Eltern besprochen hat“. Die Baracke wird also weiterhin für Gesprächsstoff sorgen.

Noch wurde der Pachtvertrag nicht gekündigt.“Jürgen Freitag, Vorsitzender SH Wismar

Ina Schwarz

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