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Wismar Stammbaum von Poeler Familie reicht bis ins Weiße Haus
Mecklenburg Wismar Stammbaum von Poeler Familie reicht bis ins Weiße Haus
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16:52 10.10.2018
Die Familie des Tempziner Gutspächters Gustav Lembke mit Verwandtschaft - die Lembkes waren weit verbreitet. Quelle: privat
Wismar/ Poel

Dirk Schäfer hat ein ungewöhnliches Hobby. Er ist Genealoge, forscht seit Jahren über die alten Poeler Familien. Der Poeler Familie Lembke als erste nachweisbare Familie auf Poel ist nun ein Buch gewidmet. Das Buch „Die Lembkes – Geschichte einer Mecklenburger Familie“ erzählt von der weit verzweigten Familie und macht Lust, sich mit dem eigenen Stammbaum auseinander zu setzen. Am 9. Oktober wird es um 19 Uhr einen „Poel-Abend“ im Stadtarchiv Wismar mit Buchpremiere und historischen Inselansichten geben.

„Einer meiner vielen Poeler Vorfahren war mein zehnfacher Urgroßvater Jasper Lembke, der Stammvater der Poeler Lembkes“, lacht Dirk Schäfer. Das reiche nicht, um den gebürtigen Poeler, der nun in Berlin arbeitet, zu einem Lembke zu machen. „Das ist so ein bisschen wie mit Karl dem Großen – mit dem ist auch halb Europa verwandt!“ Wer sich mit der Genealogie beschäftigt weiß, die Welt ist ein Dorf und im Zweifelsfalle liegt sogar Poel mittendrin!

Von der Insel Poel aus in die ganze Welt

Um 1357 tauchen die Lembkes erstmals auf Poel auf, die älteste auf der Insel nachweisbare Familie. „Um 1660 hat sich die Familie geteilt in einen Poeler und einen Wismarer Strang. Mitglieder der Wismarer Familie sind bis nach Russland gekommen, das waren Juristen und Kaufleute“, erzählt Dirk Schäfer über seine Vorfahren. Angefangen hatte alles mit einem Buch des Wismarer Heimatforschers Gustav Willgeroth (1865-1937) Dessen „Beiträge zur Poeler Familienkunde“ faszinierten Schäfer. Er wurde neugierig auf „mehr“ „Ich wollte gucken, ob ich mehr als er heraus finde. Es ist nun eine ganze Menge geworden, die Quellenlage ist sehr gut!“

Im Stadtarchiv, aber auch in vielen privaten Familienarchiven hat Dirk Schäfer sich auf die Spurensuche zu den Lembkes begeben. Mit viel Mühe hat er die Nachfahren der einzelnen Familienzweige bis hin ins Weiße Haus nachverfolgt. „Ein Nachfahre ist ein Clubmanager von Donald Trump!“ Über eine Todesanzeige von einem Lembke aus Florida hat Dirk Schäfer diese Nachfahren gefunden. „Ich habe der Familie des Verstorbenen eine Mail geschrieben und hatte innerhalb von zwei Stunden einen Rückruf!“ Vom Poeler Bauern bis hin ins Weiße Haus – auch das war ein Lembke-Enke.

Viel(e) Geschichte(n) um die Lembkes

Wenn Dirk Schäfer anfängt, über „seine“ Lembkes zu erzählen, kommt der Zuhörer aus dem Staunen kaum raus. „Ein Nachkomme war so reich, dass er seine drei Töchter in den Adel verheiraten konnte.“ Und eine davon hatte dann sogar enge Verbindungen zur russischen Zarin! Ein Lembke war Oberbürgermeister von Mülheim an der Ruhr, ein Johann Lembke war als brutaler Gutsbesitzer Vorlage für eine Romanfigur von Fritz Reuter, ein Lembke ist Mitbegründer des Seebads in Travemünde. Drei Lembkes waren Bürgermeister in Wismar, das Wismarer Welt-Erbe-Haus ist eng mit der Familie verbunden. Justizrat Dr. Oskar Lembke war Kunstsammler und der letzte Lembke-Besitzer des Hauses.

Auf Poel hat der Pflanzenzüchter Prof. Hans Lembke bleibende Spuren hinterlassen. 1897 übernahm er in zehnter Generation den elterlichen Landwirtschaftsbetrieb, inzwischen ist die „Norddeutsche Pflanzenzucht“ ein mittelständisches Familienunternehmen. Auch im Firmen- und Familienarchiv dieser Lembkes durfte Dirk Schäfer recherchieren. „Seine Nachkommen und der Heimatverbund haben das Buch überhaupt möglich gemacht!“, dankt er.

„Die Lembkes – Geschichte einer Mecklenburger Familie“

Die Buchpremiere findet am 9. Oktober um 19 Uhr im Stadtarchiv Wismar statt. Einlass ist ab 18.30 Uhr, der Eintritt kostet drei Euro, Mitglieder des Archivvereins haben freien Eintritt. Passenderweise wird dazu eine Poel-Ausstellung im Wismarer Stadtarchiv eröffnet. „Wir zeigen Fotos vom Poeler Badeleben aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts, schwedischen Vermessungskarten über die Steuerkraft der Bauern und Fotos vom geruhsamen Landleben auf Poel“, erzählt Stadtarchivar Dr. Nils Jörn. Die Fotos vom „geruhsamen Landleben“ werden mit Prozessakten des Tribunals konfrontiert. Jörn nennt Beispiele der streitbaren Poeler: „700 schwedische Soldaten, die wie ein Heuschreckenschwarm zehn Tage lang im Oktober 1656 aus dem Nichts auftauchten und mit 9255 Pfund Brot und 72 Tonnen Bier versorgt werden mussten oder der jahrelange Streit darum, über wessen Land man zur Kirche schlurfen durfte, zeigen das wahre Leben auf Poel zur Schwedenzeit.“

Auch Hexenprozesse oder der Streit darüber, wer für die Reparatur der Kirche aufkommen soll, gehört zu dieser Quellensammlung. Nils Jörn augenzwinkernd: „Viele der Namen findet man bis heute auf der Insel, ob wirklich alle alten Konflikte ausgeräumt sind, wird die Ausstellungseröffnung zeigen. Wir zeigen immer ein bis zwei Seiten Quellen, dazu die Übersetzung und meist einen erklärenden Text.“

Auf Poel ist Dirk Schäfer mit seinem Buch am 20.10. um 18 Uhr im Inselmuseum zu Gast. Das Buch ist im MFP-Verlag-Tellow (gemeinnütziger Verlag des Vereins für Mecklenburgsche Familien- und Personengeschichte e. V.) erschienen. Es ist über 300 Seiten dick, darin sind über 100 Bilder zur Familie Lembke. Das Buch kostet dank der Förderer nur 15 Euro, es kann unter info@poel-ahnen.de oder über den Verein MFP e. V. (Vorstand@MFPeV.de) bestellt werden.

Nicole Hollatz

Hiltrud Ritz (59) aus Kirchdorf ist Mitglied in der Selbsthilfegruppe „Wellenbrecher Insel Poel“.

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