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Stein um Stein gegen die Spuren der Zeit

Wismar Stein um Stein gegen die Spuren der Zeit

Mit Lasertechnik und alter Handwerkskunst werden Fürstenhofportale aufgefrischt

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Restauratorin Constanze Schellbach beim Arbeiten am Fürstenhof.

Quelle: Fotos: Nicole Hollatz

Wismar. Eine filigrane Arbeit. Mit einem kleinen Kalksandsteinstück bearbeitet Constanze Schellbach ihre Ergänzungen am teuflischen Gesicht. Dort, wo Risse und Brüche im Kalksandstein von 1550 oder aus den 1880ern waren, dort wo Wasser eindringen und beispielsweise bei Frost große Schäden anrichten konnte, haben die Fachleute mit einem speziellen Sandsteinrestaurierungsmörtel ausgebessert. Mit viel Zeit, Gefühl und Handwerkskunst werden diese Stellen nun angepasst an den alten Stein und dem, was die Steinmetze vor fast 500 Jahren schufen.

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Mit Lasertechnik und alter Handwerkskunst werden Fürstenhofportale aufgefrischt

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Geschützt vor neugierigen Touristenblicken arbeiten Constanze und Bernhard Schellbach aus Dessau zusammen mit ihren Kollegen an den beiden Portalen des Fürstenhofes. Die Schellbachs sind Restauratoren für Steinkonservierung, Bernhard Schellbach ist zusätzlich Bildhauer.

Schon seit Monaten ist der Durchgang zum Amtsgericht nicht passierbar, das historische Gewölbe für den Besucherverkehr gesperrt.

„Die ältesten Bauteile stammen noch original aus der Zeit um 1550“, erklärt Constanze Schellbach und zeigt auf die Fratzenköpfe am Portal, auf die Masken und Fruchtgehänge. Typische Ausstattungsmerkmale der Renaissance. „Aber der weibliche Satyr ist schon etwas seltenes“, macht sie auf die Figuren am Nordportal aufmerksam.

Damals, als 1553/ 54 der „Neue Hof“ des Fürstenhofes von Herzog Johann Albrecht I. für dessen Hochzeit mit Anna Sophie von Preußen nach oberitalienischen Vorbildern errichtet wurde, nutzten die Handwerker südschwedischen Sandstein. Einen sehr stabilen, haltbaren Stein. Jetzt kommt Wünschelburger Sandstein an den Wismarer Fürstenhof. „Der kommt dem Skandinavischen sehr nahe“, erzählt Constanze Schellbach. Einige Elemente der Portale mussten erneuert werden, so dass sich nun ein Nebeneinander von Originalen aus dem ausgehenden Mittelalter, von der Umgestaltung des Fürstenhofes im Jahr 1878, von späteren Restaurierungen und natürlich von den jetzigen Arbeiten ergibt. „Das Hauptaugenmerk liegt immer im Erhalt der Originale und ihrer Konservierung. Man versucht, den Verfall aufzuhalten oder zumindest zu verlangsamen“, erklärt die Restauratorin. Umwelteinflüsse wie eindringendes Wasser, Frost, thermische Spannungen und die Alterung an sich setzen den Originalen zu. Am Fürstenhof waren die Figuren und Fresken längst flächig mit großen, steinschädigenden „Gipsschmutzkrusten“ überzogen. Diese dunklen Ablagerungen wurden mit schonender, berührungsloser Lasertechnik abgetragen beziehungsweise verdünnt. „Damit der Stein darunter wieder atmen kann“, beschreibt Constanze Schellbach, dass es nicht nur darum ging, die Optik zu verbessern. Ohne dieses „Atmen“ des Steines bilden sich „Mürbezonen“, wodurch Bereiche des kunstvoll gemeißelten Steins abfallen können. So wie es wahrscheinlich mit der einen Nase links im Durchgang passiert ist. Sie wurde in den 1880er Jahren mit Beton ergänzt, weder optisch ansprechend noch fachgerecht. „Das Material kam damals gerade auf“, entschuldigt Constanze Schellbach das, was die Handwerker in den Generationen vor ihr oft und aus Unwissenheit taten. Der Beton von damals muss oft bleiben, ihn zu entfernen könnte zu großen Schäden im restlichen Relief führen.

Restauratoren von heute wiegen ab, was muss, was kann und darf ergänzt werden? Was kann an Originalem erhalten bleiben? Die Rückseite des Fürstenhofs ist dafür ein spannendes Beispiel. Exemplarisch wurde ein vorheriges Erscheinungsbild mit weißen Terakotten auf blauer Hinterlegung wieder hergestellt. Auch das Portal, das nun restauriert wird, war mal in Bleiweiß eingefasst. Ende September sollen die Arbeiten am Fürstenhof abgeschlossen sein.

Nicole Hollatz

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