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Wismar Steinzeit-Siedlung von Hohen Viecheln neu untersucht
Mecklenburg Wismar Steinzeit-Siedlung von Hohen Viecheln neu untersucht
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07:31 09.02.2019
Tödliche Waffen: Knochenspitzen aus der Mittelsteinzeit, die in den 1950er-Jahren auf einem alten Siedlungsplatz in Hohen Viecheln gefunden wurden. Quelle: Dr. Daniel Groß, Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie (ZBSA), Schleswig
Hohen Viecheln

Tausende Jahre alte Knochen und Waffen sind die Überreste einer alten Siedlung, die 1952 von Kindern beim Spielen in Hohen Viecheln gefunden haben. Sie sind Belege dafür, dass Jäger und Sammler der mittleren Steinzeit am Nordende des Schweriner Sees gelebt haben. Bis heute bietet der Fundplatz eines der umfangreichsten mittelsteinzeitlichen Inventare von Knochenspitzen in der nordmitteleuropäischen Tiefebene. Eingelagert sind die Artefakte seit Jahrzehnten in Schwerin. Nun sind viele Stücke davon noch einmal mit modernen Methoden untersucht worden. „Um herauszufinden, wie der Fundplatz tatsächlich zeitlich einzuordnen ist“, erklärt Dr. Daniel Groß vom Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie in Schleswig. Grund: Der Ausgräber, der mecklenburgische Archäologe Ewald Schuldt, und einer seiner Mitarbeiter sind damals zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen. Und mittlerweile hätten sich die Untersuchungsmethoden deutlich verbessert.

Knochenstaub aus Proben entnommen

Rund 350 Artefakte sind unter der Leitung von Daniel Groß in Schwerin begutachtet worden, etwa 30 davon wurden mit der Radiokohlenstoffmethode beprobt. Das heißt, in sie haben die Forscher mit einem Dremel winzige Löcher gebohrt. Anschließend ist der so entnommene Knochenstaub in drei unterschiedlichen Laboren (Kiel, Groningen und Brüssel) datiert worden. Das Ergebnis: Der Platz ist bereits zu Beginn der Mittelsteinzeit besiedelt gewesen, die Funde stammen von 9200 bis etwa 7300 Jahren vor Christus. „Später, 6500 vor Christus, wurde die Siedlung dann aufgegeben. Das hing mit den Umweltveränderungen zusammen, es gab damals beispielsweise gravierende Wasserstandsveränderungen im Schweriner See“, berichtet Daniel Groß. Der Wasserspiegel sei gesunken.

Unter die Lupe genommen wurden die Artefakte bereits in den Jahren 2015 und 2016. In diesem Tagen erscheint nun ein Buch zur Forschungsarbeit mit dem Titel „Working at the sharp end“. Es enthält Vergleichsstudien aus Nordeuropa von Britannien über die Niederlande, Dänemark und Schweden. „Unser Ziel ist es, den Platz international vorzustellen und ihn in Kontext zu setzen“, erklärt Groß. Denn: In der Archäologie werde seit langem nicht mehr nur nach wertvollen Schätzen gesucht, sondern Menschheitsgeschichte geschrieben.

Landesarchäologe in der Arbeitsgruppe

Mitglied der vierköpfigen Arbeitsgruppe ist auch der Landesarchäologe von MV, Detlef Jantzen gewesen. Gemeinsam mit den anderen Forschern hat er eine weitere neue Erkenntnis gewonnen: Durch diverse Erosionsprozesse ist der Fundplatz relativ stark durchmischt gewesen: Ältere Funde haben über jüngeren gelegen. „Durch unsere Studien konnten wir die ganzen Funde viel besser zeitlich einordnen als bisher, weil wir sie direkt datiert haben. Zuvor gab es nur eine indirekte Datierung durch Pollen“, erklärt Groß. Doch das sei ein Problem, wenn der Boden einmal durch den Wolf gedreht wurde. Und genau das sei in Hohen Viecheln der Fall gewesen. Außerdem lassen sich durch die neuen Untersuchungen die einzelnen Schichten- und Ablagerungsprozesse besser rekonstruieren und verstehen. „Und wir haben jetzt viel mehr Einblicke dazu, welche Menschengruppen mit anderen in Kontakt getreten sind.“ So hätten die Siedler weniger Verbindungen zum heutigen schleswig-holsteinischen Raum gehabt, sondern mehr hin ins Brandenburgische. Generell hätten sich die Menschen damals mehr in Richtung Osten/Baltikum orientiert.

Die Funde

Zu den umfangreichen Feuersteinfunden in Hohen Viecheln zählen Kern- und Scheibenbeile. Hinzu kommen zahlreiche Objekte aus Geweih, Holz und Knochen (darunter auch 312 Knochenspitzen), sowie aus Rinde oder Bast. Aus Rothirschschädeln sind Masken hergestellt worden. Auf den Knochen- und Geweihgeräten finden sich Grübchen, eingeritzte Linien, Linien mit angesetzten Kerben, Kerbschnitte, parallele Kurzstriche, Winkel, Zick-Zack-Muster und andere zu mehr oder weniger geometrischen Mustern kombinierte Verzierungen.

Platz lag lange im Dornröschenschlaf

Daniel Groß beschäftigt sich seit 2011 mit der frühen Mittelsteinzeit. 2014 hat er seine Doktorarbeit an der Uni Kiel geschrieben. Durch die räumliche Nähe zu Hohen Viecheln habe sich danach das Projekt angeboten. „Der Platz lag im Dornröchenschlaf. Er tauchte immer wieder in der Literatur auf, aber ohne genaue Fakten“, erklärt Groß. Deshalb habe er einen Antrag bei der deutschen Forschungsgemeinschaft gestellt, die Geld für Personal und Sachmittel (Proben) zur Verfügung stellte. Aufgabe war es, die Siedlung nach modernen Maßstäben zu bewerten. Denn: Die Funde sind von 1953 bis 1955 ausgegraben worden, 1961 wurde der Platz in Buchform vorgestellt und seitdem immer wieder kritisch hinterfragt.

Die Fundstücke vom Siedlungsplatz in Hohen Viecheln sind in Schwerin eingelagert. Quelle: Daniel Groß

Auch wenn das Projekt jetzt abgeschlossen ist, „wird man uns in der Region nicht los“, kündigt Groß an. In den nächsten Jahren werde die Gegend um den Schweriner See die Forscher weiter beschäftigen. Denn dort gibt es noch andere mittelsteinzeitliche Fundstellen. Und auch dazu sollen Fragen beantwortet werden: Welche Kulturwandel hat es in der Vergangenheit gegeben? Wie haben sich Umwelt und soziale Veränderungen auf Menschheitsentwicklung ausgewirkt? Wann haben sich Siedlungen verlagert, was ist in der Landschaft passiert? „Dadurch erhoffen wir uns mehr Informationen zu den Einzelplätzen und der regionalen Geschichte.“

Kerstin Schröder

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