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Wismar Sterbenden Beistand geben
Mecklenburg Wismar Sterbenden Beistand geben
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07:29 16.05.2018
Gerda Voss koordiniert die rund 20 Ehrenamtlichen, die für den Hospizdienst von Caritas und Diakonie unter anderem in Wismar und Nordwestmecklenburg unterwegs sind. Quelle: Nicole Buchmann
Wismar

„Das Sterben und der Tod werden noch immer ausgesperrt. Oder besser eingesperrt. Nichts davon soll in die Öffentlichkeit.“ Gerda Voss rührt in ihrem Kaffee. Sie ist Koordinatorin des ökumenischen Hospizdienstes von Caritas und Diakonie. Und erlebt das noch oft genug. Immer wieder werde diskutiert, ob die Dienstwagen mit „Hospizdienst“ beschriftet werden könnten. Der Wagen, in dem die Ehrenamtlichen durch Wismar fahren, ist als Hospizdienst nicht zu erkennen.

Rund zwanzig Ehrenamtliche begleiten in Ludwigslust-Parchim, Schwerin und Nordwestmecklenburg Sterbende und deren Angehörige. Zumeist Frauen, ein Mann darunter. Viele noch berufstätig. Und dank eines einjährigen Kurses vorbereitet auf das, was sie erwartet im Leben eines Sterbenden. Die Motivation der Ehrenamtlichen sei meist ein Erlebnis in der eigenen Familie. „Aus dem Nichts kommt eigentlich niemand“, sagt Gerda Voss.

Da sein, zuhören, vorlesen, Bedürfnisse erspüren - um sich in einer solchen Situation auf unbekannte Menschen einzulassen, sei zunächst viel Arbeit an sich selbst nötig, beschreibt Gerda Voss die Ausbildung zum ehrenamtlichen Hospizbegleiter. „Ich muss mir meiner selbst bewusst sein, um ein solches Krisengeschehen reinzugehen, um lenkend und beruhigend zu wirken zu können.“

Zur Ausbildung gehört auch ein Praxiskurs. Fünf Monate lang erfahren die angehenden Hospizbegleiter ein Mal in der Woche bei Besuchen in Pflegeeinrichtungen, ob sie in der Lage sind, in der Begegnung mit unbekannten, sterbenden Menschen Vertrauen aufzubauen. „Das schult die Selbstwahrnehmung gerade auch im Hinblick auf die Kommunikation.“

Den letzten Weg zuhause gehen

Gerda Voss war selbst Jahre lang als Hospizbegleiterin unterwegs. Die Theologin und Germanistin wollte sich einbringen in die Gesellschaft, auch nachdem die Kinder aus dem Haus waren. „Ich gehe am liebsten zu den Menschen nach Hause, nicht unbedingt in Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen“, erzählt sie.

Auch die Hospizbegleiter von Caritas und Diakonie suchen die Menschen überwiegend zu Hause auf. Sie entlasten Angehörige, stellen Kontakt her zu Verwandten, Therapeuten oder Seelsorgern, beraten zu palliativer Betreuung, den medizinischen Maßnahmen also, die den Sterbenden den Weg so leicht wie möglich machen können.

„Schon immer eine ehrenamtliche Aufgabe“

Jeder kann den Hospizdienst anfordern. Die Krankenkassen tragen die Kosten. „Mindestens ein Mal im Monat aber müssen wir eine Anfrage absagen“, sagt Gerda Voss. Jeder der Ehrenamtler begleite möglichst nur einen Menschen. Gesucht würden deshalb mehr Menschen, die sich diese Aufgabe zutrauen.

Ist es richtig, eine solche Aufgabe Ehrenamtlichen zu überlassen? Gerda Voss lächelt und kommt dann schnell vom Mitmenschlichen auf das Rationale. Sterbende seien ursprünglich in der Familie umsorgt worden. Insofern sei das schon immer eine eher ehrenamtliche Aufgabe gewesen. Gerda Voss lehnt sich zurück in ihrem Stuhl: „Und das sollte sie auch bleiben - ehrenamtlich. Damit wir nicht eines Tages irgendwo Stunden abrechnen müssen - denn Zeit ist unser Kapital.“

Hospizdienst und Trauercafé

Der ökumenische Hospizdienst von Caritas und Diakonie ist in Wismar in der Mecklenburger Straße 36 zu erreichen. Ansprechpartnerin unter der Telefonnummer 03841-2240450 ist Gerda Voss. Der Dienst kann auch per E-Mail unter hospiz-wismar@diakonie-mv.de kontaktiert werden.Jeden dritten Mittwoch im Monat beraten erfahrene Trauerbegleiter Hinterbliebene im Trauercafé. Die Zusammenkünfte finden jeweils von 16 bis 18 Uhr im Wohnhof des Schwarzen Klosters in der Mecklenburger Straße statt. Der nächste Termin ist der 16. Mai.

Nicole Buchmann

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