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Wismar Stieftochter missbraucht — vier Jahre Haft
Mecklenburg Wismar Stieftochter missbraucht — vier Jahre Haft
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00:00 06.03.2013
Verteidiger Dr. Morten von Holdt mit seinem Mandanten Detlef (32) aus L�beck. Der gestand, seine Stieftochter mehrfach missbraucht zu haben.
Schwerin

Unmittelbar zuvor hatte sie ihren Lebensgefährten im Kinderzimmer des zehnjährigen Mädchens überrascht. Sophie und Detlef* waren nackt. Er war gerade im Versuch, sexuelle Handlungen an ihr vorzunehmen. Es ist einer von insgesamt 18 Fällen, wegen der Detlef auf der Anklagebank am Schweriner Landgericht sitzt. Wegen sexuellem und schwerem sexuellen Missbrauchs im Zeitraum von Mai bis August 2012 wurde der 32-Jährige aus Lübeck gestern zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und vier Monaten verurteilt.

In seiner dunkelblauen Jeansjacke, der hellblauen Jeans und den hoch gegelten Haaren sieht er aus wie der nette Papa von nebenan. Doch der Schein trügt. Das wird spätestens mit Blick auf die Füße klar, an denen er Fesseln trägt. Aus der Justizvollzugsanstalt Bützow ist Detlef ins Landgericht gebracht worden. Im Zeugenstand sitzt seine ehemalige Lebenspartnerin. Der Frau aus Herrnburg fällt es schwer, ihn anzuschauen. Seinen Vornamen bringt sie nicht über die Lippen. „Ich verstehe es nicht. Er hat doch alles für uns gemacht“, sagt sie immer wieder.

Neben Sophie lebt noch der gemeinsame Sohn von Jasmin und Detlef im Haus. Der Siebenjährige war es auch, der am Morgen des 19. August nach seinem Papa rief. „Er reagierte nicht, also bin ich zum Schuppen gegangen“, erzählt die Mutter. Dort traf sie ihre Tochter. „Sie war völlig verstört“, erinnert sich Jasmin. Es sei alles in Ordnung, sagten sowohl der Stiefvater als auch Sophie. Wie sich später herausstellte, hatte Detlef mit seiner Stieftochter im Schuppen Geschlechtsverkehr. Kondome habe er darin versteckt, sagt er aus. Am selben Tag noch kam es zu sexuellen Handlungen unter der Dusche und wenige Minuten später zu dem besagten Vorfall im Kinderzimmer. „Es kam mir komisch vor, dass Sophie so lange zum Anziehen brauchte. Also bin ich hoch gegangen“, sagt Jasmin aus. Als sie die Kinderzimmertür öffnete und das Geschehen realisierte, ging sie auf ihren Lebensgefährten los. „Ich habe ihn geschlagen“, gibt sie unter Tränen zu. Ihre Tochter habe sich in der Zeit angezogen und sei zusammengesackt. „Ich habe sie erst einmal getröstet“, schildert die Mutter. Was damals noch möglich war, ist heute nicht mehr so. Als sehr verschlossen beschreibt sie ihre einst fröhliche Tochter. Über die Vorfälle reden möchte das junge Opfer mit ihrer Mutter nicht. Die Zehnjährige befindet sich in psychologischer Behandlung.

Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass es in dem Zeitraum zwei Mal zum Geschlechtsverkehr kam. In anderen Fällen gab es Zungenküsse und Berührungen im Genitalbereich des Mädchens. Während die Verteidigung das Geständnis des Angeklagten als strafmildernd ansieht, bezeichnet die Nebenklägervertreterin die Einlassung als „Flucht nach vorne. Ich bin überzeugt, dass er sich nicht der Polizei gestellt hätte, wenn er nicht erwischt worden wäre“, erläutert Rechtsanwältin Lena Alpay-Esch.

Detlef kam in die Familie, als Sophie zweieinhalb Jahre alt war. Das Verhältnis beider beschreibt die Mutter als gut. Sie habe ihn als Papa geliebt, ihn auch so bezeichnet. „Um ihm gerecht zu werden, hat sie sich ihm gefügt. Das Kind hat einen Papa gesucht, keinen Sexualpartner“, erklärt Otmar Fandel, Vorsitzender Richter am Landgericht. „Der Angeklagte sah das Kind als Sexualobjekt, hat es für seine Zwecke ausgenutzt.“ Aufgrund des umfangreichen Geständnisses muss das Mädchen nicht in den Zeugenstand. Ihre polizeiliche Vernehmung wird per Video abgespielt, die die Öffentlichkeit zum Wohle des Kindes nicht zu sehen bekommt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Schwerer Missbrauch
Rechtlich zu unterscheiden ist zwischen sexuellem und schwerem sexuellen Missbrauch. Im Fall von Sophie sind die Zungenküsse und die Berührungen im Genitalbereich des Mädchens als sexueller Missbrauch einzustufen. Hierbei handele es sich laut Staatsanwältin Sabine Wilken zwar

um eine Verletzung der Intimsphäre des Mädchens, die aber nicht dem

Beischlaf ähnlich sei. Die beiden

Fälle des Geschlechtsverkehrs gelten als schwerer sexueller Missbrauch.

Für jeden einzelnen der insgesamt 18 Fälle von Detlef sind im Strafgesetzbuch Freiheitsstrafen verankert, die von sechs Monaten bis zehn Jahre

reichen. Um die Gesamtstrafe zu bilden, dürfen die Freiheitsstrafen für

die Einzeltaten laut Rechtsprechung nicht addiert werden. Die Staatsanwaltschaft beantragte vier Jahre und zehn Monate, die Verteidigung wollte unter drei Jahren Freiheitsstrafe bleiben.

In einem solchen Fall liegt es im

Ermessen des Gerichts, wie hoch

die Strafe ausfällt.

Jana Franke

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