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Wismar Stöcker wettert gegen #MeToo-Bewegung
Mecklenburg Wismar Stöcker wettert gegen #MeToo-Bewegung
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00:01 13.01.2018
Winfried Stöcker, Euroimmun-Gründer und Flughafen-Investor in Lübeck. Quelle: Foto: Max
Lübeck

In seiner Weihnachtsansprache an seine 2500 Mitarbeiter, die in einem Blog öffentlich zugänglich ist, hat der bekannte Lübecker Unternehmer Prof. Winfried Stöcker die #MeToo-Bewegung, die weltweit sexuelle Gewalt von Männern bekämpft, drastisch kritisiert. Jetzt erntet er Kritik.

„Reihenweise treten angesehene Persönlichkeiten, Manager und Politiker zurück, weil sie angeblich in der Vergangenheit ihre Macht missbraucht und hübsche Mädchen dazu gebracht haben, für die Rolle in einem Film oder eine steile Karriere den Sündern gefällig zu sein“, schreibt Stöcker und rät hingegen, „die Mädchen könnten zurückhaltender gekleidet und weniger provozierend zum Casting gehen, dass die armen Regisseure auf dem Pfad der Tugend bleiben.“

Stöcker beschreibt in seiner Weihnachtsbotschaft Kollegen in Führungspositionen, die sich an Studentinnen und Praktikantinnen heranmachen und dann glückliche Familien mit diesen gründen. Er nimmt an, dass im Rahmen der #MeToo-Bewegung vor allem diejenigen aufschreien, „die von der Natur optisch weniger vorteilhaft ausgestattet worden sind“. Zudem kritisiert er „Journalisten-Cliquen, die die öffentliche Meinung manipulieren“. Er fordert: „Also glaubt niemandem, außer mir.“ Schließlich ermuntert Stöcker seine Kollegen: „Wir haben so viele nette Jungs und Mädchen in der Firma, geht ran und zeugt viele Kinder, dass wir dem mutwillig herbeigeführten, sinnlosen Ansturm unberechtigter Asylanten etwas entgegensetzen können.“ Stöcker (70) ist Chef der Firma Euroimmun mit Zweigstellen in Dassow und Selmsdorf und Eigner des Lübecker Flughafens. Vor drei Jahren hatte Stöcker schon einmal wegen fremdenfeindlicher Äußerungen Schlagzeilen gemacht.

Das Schreiben verbreitete sich schnell über die sozialen Medien. „Es ist mir schwergefallen, der Weihnachtsansprache von Herrn Stöcker zu glauben“, sagt DGB-Regionalchefin Juliane Hoffmann. Wegen des Aufrufs „geht ran“ macht sich Hoffmann „berechtigte Sorgen um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“. Lisanne Straka, Abteilungsleiterin beim DGB Nord: „Der Text dieses Herren spricht für sich.

Aber auch für die Firma von Herrn Stöcker gelten die Gesetze.“ Unternehmen seien sogar verpflichtet, gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz vorzugehen.

Die Kieler Bildungsministerin Karin Prien (CDU) erklärt auf Anfrage: „Wenn es so ist, dass dieser Brief von Honorarprofessor Stöcker formuliert worden ist, werden wir mit der Uni Lübeck darüber zu sprechen haben.“

Die neue Uni-Präsidentin Prof. Gabriele Gillessen-Kaesbach redet Klartext: „Die Äußerungen sind empörend. Es ist bedauerlich und beschämend zu sehen, wie sich ein ehemals verdienter Firmengründer öffentlich disqualifiziert.“

Der Frauennotruf Lübeck erklärt, dass Stöckers Ausführungen an Zynismus kaum zu überbieten seien. „Betroffene von sexueller Belästigung und Gewalt werden verunglimpft und herabgewürdigt“, kritisiert Catharina Strutz-Hauch.

K. Dordowsky

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