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Wismar Streit um Live-Musik in Kirchdorf eskaliert
Mecklenburg Wismar Streit um Live-Musik in Kirchdorf eskaliert
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04:36 30.08.2013
Volles Haus am Mittwochabend im Biergarten „Zur Insel“: Die kostenlosen Räucherabende mit Live-Musik sind vor allem bei Urlaubern beliebt. Das Duo Erni & Jürgen (rechts im Bild) spielt Schlagermusik, zu der die Gäste gerne tanzen. Fotos (4): Haike Werfel
Kirchdorf

Mittwochs ist „Räucherabend mit Musik“ im Gasthaus „Zur Insel“. Dann sind die Plätze im Biergarten (fast) alle besetzt. 150 bis 200 Gäste lassen sich Fisch frisch aus dem Rauch schmecken. Dazu spielen Erni & Jürgen Schlager und Schunkelmusik. „Unsere Räucherabende sind so beliebt, dass wir Leute wegschicken müssen, weil kein Platz mehr frei ist“, erzählt Inhaber Jochen Mirow. „Wir tun was für die Urlauber. Auch Einheimischen gefällt‘s.“

Doch vielen Anwohnern reicht‘s. „Die Beschwerden häufen sich“, bestätigt Monika Seitz im Ordnungsamt der Poeler Gemeindeverwaltung. Acht Familien aus dem unmittelbaren Umkreis haben sich wegen massiver Lärmbelästigung durch Mirows kostenlose Live-Musik-Veranstaltungen an die Behörde gewandt.

Laut „Insel“-Wirt finden sie mittwochs und freitags statt, manchmal am Sonntag ab 11 Uhr oder wie am kommenden ab 18 Uhr. „Wir müssen dann alle Fenster zumachen, weil es so laut ist“, beklagt Irene Westphal aus dem Krabbenweg. „Im Garten können wir auch nicht sitzen.“ Keiner der Anwohner wolle, dass die Veranstaltungen verboten werden, betont die Rentnerin ausdrücklich. „Aber wir möchten daneben auch gut leben können“, sagt sie. Für Berufstätige ist es eine Zumutung, schimpft Ulf Nennhaus. „Wenn er ein- oder zweimal im Monat was macht, wie sein Vater früher, hat keiner was dagegen, aber nicht laufend und nicht bei voller Lautstärke. Wir sind schon 20.30 Uhr zum Strand gefahren, weil wir‘s nicht mehr ausgehalten haben“, erzählt der 57-Jährige.

„Als früher vier Blaskapellen bei uns im Biergarten spielten, hat sich keiner aufgeregt“, wundert sich Jochen Mirow gegenüber der OZ. „Wir sind eine Urlaubsinsel, die vom Tourismus lebt“, hält der 59-Jährige dagegen. Die Freiluftsaison der „Insel“ beginnt Anfang/Mitte Juni und endet Mitte September. „Wir hatten schon immer einen Biergarten. Bei meinem Vater gab es jeden Freitagabend Blasmusik“, sagt der Ur-Poeler.

Der Gastwirt hat inzwischen Unterschriften gesammelt. „Innerhalb von fünf Tagen haben 681 Befürworter für unseren Räucherabend unterschrieben“, berichtet Jochen Mirow. Von Thomas Post, ebenfalls ein unmittelbarer Nachbar, wüssten sie, dass er sich nicht durch die Live-Musik gestört fühlt. „Auch sein Kind, das zur Schule geht, kann schlafen, sagt er“, erzählt Ehefrau Christel Mirow (58).

Für Monika Seitz ist es ein klassischer Interessenkonflikt. „In unserem Jubiläumsjahr ist besonders viel los im Sommer. Konzerte auf dem Schlosswall, Zirkus, Jahrmarkt“, zählt die Ordnungsamtsmitarbeiterin auf. „Wenn dazu noch Verkehrslärm und Live-Musik von der ,Insel‘ kommen, kann es den Anwohnern zu viel werden. Nächstes Jahr sieht‘s wieder anders aus. Und wir werden uns bemühen, die Veranstaltungsorte besser zu regulieren“, kündigt sie an.

Sie hat Jochen Mirow gebeten, kompromissbereit zu sein und die Lautstärke zu minimieren. „Die Musikanlage lässt sich leiser regeln, die Musiker könnten sich, je nachdem von wo der Wind kommt, hinstellen.“ Ansonsten muss er eine Schallschutzwand bauen.

Obwohl die „Insel“ ihre Außengastronomie mittwochs auf eine Zeit bis 22 Uhr beschränkt, hat sie Lärmrichtwerte einzuhalten. „Weil unser Land kein Immissionsschutzgesetz hat, können wir uns keine eigene Satzung geben“, erklärt die Verwaltungsmitarbeiterin. „Deshalb haben wir uns ans Bundesimmissionsschutzgesetz zu halten.“ Danach sind in Mischgebieten von 6 bis 22 Uhr maximal 60 Dezibel Lautstärke erlaubt. Für zehn Veranstaltungen im Jahr könne das Ordnungsamt aber eine Sondergenehmigung für Freitag oder Sonnabend bis maximal 24 Uhr erteilen.

Am Mittwochabend hat der Landkreis Nordwestmecklenburg als zuständige Immissionschutzbehörde den Lärmpegel gemessen. Ein Ergebnis lag gestern noch nicht vor.

Traditionsgaststätte
1857 wurde die Gaststätte „Zur Insel“ in Kirchdorf an der Wismarschen Straße eröffnet. Jochen Mirow (59) führt sie in fünfter Generation. Der Ur-Poeler hat die Gaststätte im Jahr 2008 von seinem Vater übernommen. Auch zu dessen Zeit gab es bereits den Biergarten, in dem vor allem Blasmusikabende stattfanden.

Haike Werfel

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