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Wismar Sturm reißt Giebel von Heiligen Geist um
Mecklenburg Wismar Sturm reißt Giebel von Heiligen Geist um
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00:05 31.01.2018
Die Heiligen-Geist-Kirche in der Lübschen Straße/Ecke Neustadt. Quelle: Fotos: Volster

Ein schwerer Sturm tobte am 31. Januar 1898 über Wismar und riss einen Teil des Giebels der Heiligen-Geist-Kirche auf die Straße. Wie sich bei der Bauuntersuchung herausstellte, waren die Ankerbalken des Giebels regelrecht verfault. Das der Kirche gegenüberliegende Eckhaus Neustadt/Lübsche Straße 31 wurde ebenfalls schwer beschädigt. Dies gehörte dem bekannten Wismarer Tierarzt Dr. Adolf Schütz, der im gleichen Jahr im Alter von 81 Jahren starb. In diesem Haus wohnte zu der Zeit auch der bekannteste Wismarer Historiker und Stadtarchivar, Dr. Friedrich Techen.

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Vor 120 Jahren gaben die verfaulten Ankerbalken in der im 13. Jahrhundert erbauten Kirche nach

Das Heilig-Geist-Hospital entstand nach 1238, als sich die gerade entstehende Stadt Wismar nach Westen ausdehnte. Die anliegende Straße „Neustadt“ wurde dementsprechend um 1289 als „fossa sancti Spiritus“ – „Heilig-Geist-Grube“ – bezeichnet. Erst um 1330 wurde „nova civitas“ (Neustadt) für diesen Straßenzug gebräuchlich und ist bis heute erhalten. Im Heilig-Geist-Hospital erhielten die Reisenden ihre Herberge, wurden Kranke gepflegt, und Alte erhielten hier ihre Fürsorge.

Ursprung der Heilig-Geist-Hospitäler sind die „Brüder vom Orden des Heiligen Geistes“, ein Hospitalorden, der sich besonders der Armen-, Waisen- und Krankenpflege verpflichtete. Die Brüder beherbergten in ihren Spitälern aber auch Pilger und versorgten Pfründner. Der Orden nahm seinen Ursprung 1180 in Südfrankreich, wo er aus einer Bruderschaft hervorging, die sich in Montpellier der Kranken- und Armenfürsorge verschrieben hatte. Im Jahr 1198 erhielt sie die päpstliche Bestätigung. Die meisten Spitäler zum Heiligen Geist wurden im 13. Jahrhundert in der Folge von Stadtgründungen eingerichtet. Grundvoraussetzung für einen Hospitalstandort war fließendes Wasser. Es musste auch außerhalb der Stadt liegen.

Beides war in Wismar gegeben, denn zur Zeit der Ansiedlung war hier die Stadtgrenze, die erst um 1250 um die „Neustadt“ erweitert wurde. Im 19. Jahrhundert wurde bei archäologischen Untersuchungen festgestellt, dass es im heutigen Straßenbereich der „Neustadt“früher einen Wasserlauf gab. Um 1255 wurde mit dem Bau der heutigen Kirche begonnen. 1326 wurde der Altar eingeweiht, 1329 der Kirchhof.

Im 1411 erbauten Langhaus des Heilig-Geist-Hospitales gab es Wohnungen für Alleinstehende sowie alte Bürger, die sich dort eingekauft hatten. Besonders beeindruckend in dieser Kirche ist die nach 1699 eingezogene bemalte Holzdecke mit Motiven aus der Bibel sowie ein 1968 entdecktes Fresko aus dem 14. Jahrhundert mit einem mathematischen Quadrat, auf dem die Worte „DEO GRACIAS“ („Gott sei Dank“) 504 Mal zu lesen sind.

Das Wismarer Heilig-Geist-Hospital war sehr vermögend und besaß neben mehreren Liegenschaften um die Stadt noch drei Dörfer und acht Bauernhöfe. Diese gingen mit der Bodenreform 1946 in privates Eigentum über. Nach einem Vertrag über die Geistliche Hebung vom 1. Januar 1962 wurden die Heilig-Geist-Kirche und das Langhaus Eigentum der evangelischen Kirche. Alle anderen Gebäude im Bereich der Heiligen-Geist-Kirche gingen in städtisches Eigentum über. Es ist die einzige evangelische Kirche in Wismar. Alle anderen großen Kirchen sind Bürgerkirchen und im Eigentum der Hansestadt.

Auf dem Heilig-Geist-Hof entstand 1855 die Mädchenvolksschule. Dieses Gebäude wurde am 26. Oktober 1908 Gründungsstätte der neuen Ingenieurakademie, der heutigen Hochschule Wismar. Den Brunnen auf dem Hof erbauten Studenten der Akademie 1909 als artesischen Brunnen.

Der Hof von Heiligen Geist war im Juli 1921 Schauplatz einer der ersten Vampirfilme der Welt – „Nosferatu“ von Friedrich Wilhelm Murnau.

Was sonst noch geschah

1. Februar 1929: Antrag des Vereins Arbeiter-Sport-Kartell zum Überlassen einer 1600 Quadratmeter großen Fläche an der Dammhusener Chaussee für den Bau eines Sportplatzes und eines Wirtschaftshauses in Erbpacht für eine Dauer von 100 Jahren.

2. Februar 1718: Sprengung der Walfischbastion durch die Dänen.

3. Februar 1961: Gründung der Turn- und Sportgemeinschaft Wismar.

4. Februar 1884: Ruderclub „Wismaria“ gegründet.

4. Februar 1991: Deutsche Stiftung Denkmalschutz übergibt erste finanzielle Starthilfe zum Wiederaufbau von St. Georgen.

5. Februar 1935: Der Rat stimmt dem Umbau des Zeughauses zur Ingenieursakademie zu.

5. Februar 1946: Die Lindenstraße wird in Dr.-Leber-Straße umbenannt.

6. Februar 1865: Fritz Reuter besucht Wismar.

Detlef Schmidt

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