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Wismar Tierheim nimmt verwahrloste Hunde auf
Mecklenburg Wismar Tierheim nimmt verwahrloste Hunde auf
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01:27 18.04.2018
Carsten Gums, Mitarbeiter im Tierheim, holt einen Hund aus dem Notzwinger der Berufsfeuerwehr Wismar ab. Das zweite Tier – im Hintergrund im Zwinger – holt er später. Es sei sicherer, beide Tiere getrennt zu transportieren. Quelle: Foto: M. Krohn
Wismar

Zottelig, verletzt und verwirrt – so haben am Dienstagvormittag zwei Mitarbeiter des Tierheimes Dorf Mecklenburg zwei Hunde im Notzwinger der Berufsfeuerwehr der Hansestadt vorgefunden. Ein trauriges Bild. Feuerwehrleute hatten die Tiere am Montagabend in den Zwinger am Stadtrand gebracht, nachdem eines der Tiere einen Passanten in der Wismarer Innenstadt in den Unterarm gebissen hatte. „Der 17-jährige Besitzer war mit der Fürsorge der Tiere scheinbar völlig überfordert“, heißt es im Polizeibericht. So war einer der Hunde in der Nähe des Marktes zunächst – vermutlich aus Erschöpfung – zusammengebrochen. Nachdem der Hund sich kurzfristig wieder erholt hatte, wollte ein Passant dabei

helfen, das Tier einzufangen. Dabei wurde er verletzt. Nachdem die Bisswunde versorgt worden war, konnte der Mann laut Polizei seinen Weg fortsetzen. Mitarbeitern der Tierrettung der Wismarer Feuerwehr gelang es letztlich, die verwahrlosten Hunde einzufangen. Es wurden Ermittlungen gegen den Halter eingeleitet.

Die Tierrechtsorganisation Peta hat auf den Fall reagiert und fordert die Einführung eines sogenannten Hundeführerscheins in MV. Sie will damit unter anderem vermeiden, dass überforderte Hundehalter ihre Tiere abgeben müssen.

Carsten Gums vom Tierheim Dorf Mecklenburg hat die beiden Hunde aus Wismar zusammen mit einem weiteren Mitarbeiter aus dem Notzwinger abgeholt – eine Aktion, die sich nicht so einfach gestaltete. Die Tiere waren zunächst unruhig. Gums’ Aufgabe: beide in den Transporter zu bekommen, ohne dass jemand verletzt wird. „Wir haben immer ein paar Leckerlis dabei, etwas Schönes, auf das sich die Tiere freuen“, erklärt er. Dann der spannende Moment: Gums öffnet den Teil des Zwingers, in dem der etwas ruhigere Hund untergebracht ist. Erst gibt es ein bisschen Schinken, dann führt Carsten Gums ganz ruhig die Leine über den Kopf des Tieres. Geschafft. „Jetzt gibt’s erst mal eine kleine Gassirunde“, kommentiert der erfahrene Tierheim-Mitarbeiter. Gums entscheidet vor Ort, erst einen Hund im Transporter nach Dorf Mecklenburg zu bringen und dann den zweiten zu holen. „Es ist schön, wenn sich die beiden noch haben. Der andere scheint aber etwas aufgeregter. Wir transportieren sie lieber getrennt“, sagt er. Kurz hatte der Hund auch die Zähne gefletscht, wurde dann aber ruhiger. „Er merkt jetzt langsam, es ist alles in Ordnung“, betont Gums. Dennoch: Das Leid ist dem Tier anzusehen, es hat verklebtes Fell und eine Verletzung an der Hinterpfote. „Für die Tiere ist das purer Stress. Und Stress ist eigentlich das Schlimmste, was einem Hund passieren kann“, weiß Gums.

Und: „Das Einzige, was er hat, ist Vertrauen zu seinem Kumpel, dem anderen Hund.“ Beide Hunde werden nun erst einmal im Tierheim untergebracht und aufgepäppelt.

Vor fünf Monaten gab es schon einen ähnlich extremen Fall. „Damals wurde eine Frau fünf Mal gebissen“, erinnert sich Carsten Gums. Die Hunde, die in den Fall verwickelt waren – ein Cane Corso und ein Ridgeback-Mischling – sind noch immer im Tierheim.

Michaela Krohn

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