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Wismar Todkranker Wismarer wünscht sich eine letzte Reise
Mecklenburg Wismar Todkranker Wismarer wünscht sich eine letzte Reise
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12:58 21.04.2018
Swen Griewald aus Wismar will sich einen letzten Wunsch erfüllen: im durch Europa reisen. Quelle: privat
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Wismar

Wie viel Zeit ihm noch bleibt, weiß Swen Griewald nicht. Der Wismarer ist an Lungenkrebs erkrankt. „Im Januar wurde mir eine Metastase an der Nebenniere entfernt. Erst vergangene Woche hatte ich noch einmal verdammtes Glück, als mir großartige Ärzte eine weitere vom Kleinhirn entfernen konnten“, schreibt der 53-Jährige. „Ich weiß, was kommen wird, weil es kommen muss. Und doch will ich mich dem Schicksal nicht einfach so ergeben, denn ich fühle mich ja noch sehr lebendig.“

Wer kennt sich mit Wohnmobilen aus?

Swen Griewald möchte sich noch einen Traum erfüllen, „sehr wahrscheinlich meinen letzten“, sagt er. „Liebend gern würde ich mir ein Wohnmobil kaufen oder leihen, mit dem ich es in diesem Sommer einmal durch Europa schaffen könnte. Eine letzte Reise durch eine Welt, die mir alles gegeben hat und die ich liebe.“Er sucht seit Wochen nach einem geeigneten Wohnmobil – bisher allerdings nur im Internet. „Ich möchte nichts geschenkt haben, aber fair behandelt werden. Wer vermag mir ein gutes Gefühl beim Kauf eines Wohnmobils zu geben“, fragt er seine Mitmenschen. „Wer kennt sich damit aus und könnte mich dabei unterstützen?“

Bisher ein Leben nach Plan

Swen Griewald hatte bisher ein Leben nach Plan. Aufgewachsen sei er mit vier Schwestern und wundervollen Eltern in Dorf Mecklenburg. „Sie setzten alles daran, jedem ihrer Kinder eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Auch ich machte meinen Weg: Schule, Lehre, Beruf, Familie, Weiterbildung, berichtet der gelernte Landmaschinenschlosser. In Schwerin absolvierte er an der Fachhochschule ein Maschinenbau-Fernstudium.“ Eines Tages waren die Kinder groß, aber mein Hunger an Wissen noch nicht gestillt. Also zog ich hinaus in die Welt. Allerdings nicht gen Westen wie damals viele, sondern gen Osten, mitten in MV. „Der Chef des mittelständischen Unternehmens förderte mich nach Kräften. Und dann ging ich doch. Erst in den Süden der Republik, dann nach Litauen. Nur drei Jahre wollte ich im Auslandswerk als Abteilungsleiter bleiben. Es wurden sieben“, schildert der Diplom-Ingenieur. „Das war weit weg von der Heimat, von der Familie, von den Freunden und von allem, was mir seit der Kindheit vertraut war. Im Gegenzug gab es viel Arbeit, viele neue Menschen, großartige Eindrücke, wunderbare neue Freunde.“

Im September 2016: Diagnose Krebs

Nach sieben Jahren wollte Swen Griewald zurück nach Deutschland. Ein verlockendes berufliches Angebot führte ihn nach Baden-Württemberg. „Alles war klar“, erklärt er, „bis zu einem obligatorischen Arztbesuch im September 2016.“ Da bekam er die bittere Diagnose: Lungenkrebs. Für einen operativen Eingriff war es schon zu spät. „Jetzt musste ich mich entscheiden, wo ich den Rest meines Lebens verbringen möchte. Obwohl ich inzwischen in der alten Heimat an der Ostsee weit weniger Freunde hatte als in Bayern oder Litauen, wollte ich zurück zu meinen Wurzeln.“

“Es ist eine Frage der Zeit„

Mit seiner Frau Ivona lebt er seit Mitte Dezember 2016 in Wismar. Sie würde ihn auf seiner Reise durch Europa begleiten. Obwohl er nicht weiß, ob er diesen, seinen letzten Traum erleben wird, fühlt sich Swen Griewald derzeit noch stark genug dafür. „Ich bin ein relativ positiver Mensch und sehe das nicht so dramatisch“, sagt der Wismarer. „Eigentlich fühle ich mich gesund. Mein Körper arbeitet noch sehr gut, wehrt sich gegen das drohende Unheil. Doch er hat irgendwie keine Chance. Es ist eine Frage der Zeit.“

Haike Werfel

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