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Torf reicht noch zwei Jahrhunderte

Insel Poel/Bad Doberan Torf reicht noch zwei Jahrhunderte

Sande, Kies und Torf – in Mecklenburg werden einige Rohstoffe gefördert. Sinnvoll eingesetzt werden soll auch Seegras.

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Nach der Sturmflut Anfang 2017 ist Seegras an den Strand von Wohlenberg gespült worden. Würde das zukünftig auf dem Acker landen?

Insel Poel/Bad Doberan. Ohne sie gibt es keine Industrie, keine Dienstleistung, keine Energie: Rohstoffe. Deren Gewinnung spielt auch in Mecklenburg-Vorpommern eine große Rolle.

OZ-Bild

Sande, Kies und Torf – in Mecklenburg werden einige Rohstoffe gefördert. Sinnvoll eingesetzt werden soll auch Seegras.

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Sande, Kies, Ton, Torf und Kalk werden hier gefördert. Insgesamt gibt es 422 Lagerstätten in unserem Bundesland.

„Die oberflächennahen Rohstoffe spielten schon in historischen Zeiten vor allem als Baumaterial für Gebäude und Wege eine wichtige Rolle. Tonvorkommen wurden seit dem Mittelalter als wichtiger Rohstoff für Lehmbauten und bis in die 1980er Jahre auch in unserer Region für die moderne Ziegelherstellung genutzt“, führt Dr. Andreas Börner vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG MV) aus. Die Mitarbeiter der Institution und des Bergamts in Stralsund erarbeitete sich in den vergangenen Jahrzehnten einen Kenntnisstand zur regionalen Verteilung oberflächennaher Rohstoffe, die in einer Datenbank und einem digitalen Kartenwerk verwaltet und stetig aktualisiert werden.

Torfgewinnung in MV stabil

Für den Bedarf der Dr. Ebel Fachkliniken Moorbad Bad Doberan werden jährlich 2000 Tonnen Torf aus der Conventer Niederung gefördert. Von April bis Ende November läuft im Abbaugebiet hinter Rethwisch Richtung Warnemünde die Maschine. Das Moor wird für Anwendungen wie Moorbad oder Moorpackung in der Rehaklinik verwendet . „Wir verbrauchen täglich zwischen zehn und 15 Tonnen“, erläutert Fred Retzlaff, technischer Leiter der Moorbadklinik. Während der warmen Monate werde Torf auch für die Wintermonate gestochen, der in der Klinik eingelagert wird. Metertief bohrt sich der Moorstecher in den Boden, sticht einen Teil ab, der über ein Förderband in einen Lastwagen gekippt wird. In der Moorbadklinik angekommen, werden große Steine aussortiert und das Naturprodukt in der Moormühle zerkleinert, erläutert Retzlaff. Dann wird Wasser zugegeben und das Moor erhitzt – für das Moorbad auf 41, für die Moorpackung auf 50 Grad Celsius.

Seit dem 19. Jahrhundert kommt das Heilmittel Moor in Bad Doberan zur Anwendung. Erst im einstigen „Stahl- und Eisenmoorbad Bad Doberan“, seit 21 Jahren im Moorbad Bad Doberan, das Teil der bundesweiten Dr. Ebel Fachkliniken ist. Die Fläche für den Torfabbau in der Conventer Niederung ist begrenzt. „Wir haben eine Genehmigung für das Abstechgebiet vom Bergamt“, sagt Fred Retzlaff. „Wir haben es geologisch begutachten lassen. Wir können hier noch 200 Jahre Torf stechen.“

Ist das Moor einmal erhitzt, kann es nicht wieder zurück in das Naturschutzgebiet. Durch das Erhitzen würden Phosphate freigesetzt werden. Das Moor werde einmal für die Anwendung genutzt und dann von Landwirten abgeholt und auf die Felder verteilt.

Sinnvolle Seegras-Verwertung

Landwirte könnten auch beim Seegras eine wichtige Rolle spielen. Überlegungen gibt es im Ostseebad Boltenhagen und auf der Insel Poel, dieses Naturprodukt derartig sinnvoll einzusetzen. Vorbild ist Schleswig-Holstein, wo Dünen erfolgreich mit Seegras und Sand aufgefüllt wurden, das letztlich dem Küstenschutz dient. In Boltenhagen werden pro Jahr 4000 bis 8000 Tonnen Seegras-Sand-Gemisch vom Strand transportiert. Auf Dauer zu viel, um alles auf der Düne zu „entsorgen“. Eine Chance sieht Boltenhagens Bürgermeister Christian Schmiedeberg in der Nutzung durch die Landwirtschaft.

Grundsätzlich, so heißt es aus dem Wirtschaftsministerium, darf angeschwemmtes Material in Äcker eingebracht werden – aber mit möglichst wenig Sand. Erfahrungen hätten gezeigt, dass das am Strand angeschwemmte Seegras zu 80 Prozent aus Sand besteht. In Boltenhagen wird das Seegras gesiebt und der Sand wieder an den Strand gebracht. Auf Poel wurde eine Siloanlage umgebaut, in der der Sand ebenfalls ausgesiebt wird. Die pflanzlichen Bestandteile nimmt eine Firma zur Herstellung von Bodenhilfsstoffen. Zudem arbeitet die Poeler Kurverwaltung mit der Hochschule Wismar zusammen, um die Nutzung des Seegrases in Biogasanlagen zu realisieren. In der Vergangenheit gab es im Klützer Winkel eine Pilotanlage, die Seegras zu biologischem Dämmstoff und Katzenstreu verarbeitete. Der Testbetrieb im Rahmen eines EU-Projektes erwies sich als unwirtschaftlich und wurde eingestellt.

Die andere Seite des Tagebaus

Häufungsgebiet qualitativ hochwertiger Kiessandlagerstätten in MV ist unter anderem Nordwestmecklenburg. In größeren Mengen werden Kiese und Sande in die benachbarten Bundesländer Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen geliefert. Dort, aber auch hier, wird der Rohstoff direkt in der Bauwirtschaft eingesetzt. So stieg die Fördermenge nach Angaben des LUNG beispielsweise in der Bauphase von A20-Straßenbauabschnitten erheblich, sank nach Fertigstellung aber wieder auf Normalmaß. Sogenannte marine Sande werden nur begrenzt als Baustoff, dafür vor allem für Strandaufspülungen zum Küstenschutz an gefährdeten Ortschaften genutzt.

Es gibt aber auch die andere Seite: Lagerstätten im Tagebau, die nicht mehr genutzt werden, erschöpft sind, und zu naturnahen Lebensräumen für Lebewesen und Pflanzen rekultiviert wurden. Dazu zählen die nordwestmecklenburgischen Orte Jesendorf, Neukloster und Mankmoos. Dem Unternehmen Johann Bunte Bauunternehmung GmbH & Co. KG aus Trams war es in Jesendorf gelungen, eine komplette bergbauliche Nutzung trotz der Entnahme und des Wiedereinbaus mehrerer Millionen Tonnen von Kies und Sanden praktisch unsichtbar zu machen. Das Kieswerk Neukloster der Gruppe Heidelberger Sand und Kies wurden ebenfalls erfolgreich renaturiert, zumindest konnte ein Ornithologe zwei junge Uhus beringen, die dort ausgebrütet wurden. Beide Unternehmen wurden mit dem Rekultivierungspreis ausgezeichnet – Jesendorf im Jahr 2010, Neukloster 2016. Der Preisträger für 2012 war die HTV Kiesverwertung Warin GmbH & Co. KG für die Konzeption und beispielhafte Durchführung des Renaturierungsvorhabens Kiessandtagebau Mankmoos. „Mit der Verleihung dieses Preises durch das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt werden seit 1998 in Mecklenburg-Vorpommern tätige Unternehmen ausgezeichnet, die in besonderem Maße die Belange des Umwelt- und Naturschutzes bei der Wiedernutzbarmachung oder Kompensation von bergbaulich und energiewirtschaftlich genutzten Flächen berücksichtigt haben“, erläutert Dr. Andreas Börner.

Mit Recycling von Plastikflaschen Umwelt schonen

Die Firma Veolia Umweltservice PET Recycling in Rostock spart durch die Wiederaufbereitung von Plastikflaschen allein in der Anlage an ihrem Standort rund 31

000 Liter Rohöl und Tausende Kubikmeter Wasser im Jahr ein. Die Firma hat sich auf die Herstellung von sogenannten Flakes – kleine Kunststoffsplitter – spezialisiert. Diese werden aus farblosen Kunststoffflaschen hergestellt und für die Produktion neuer genutzt. „Bis zu einer Milliarde PET-Flaschen werden hier jährlich verarbeitet“, sagt Geschäftsführer Stephan Bockmühl. Durch die Wiederverwendung sollen natürliche Ressourcen wie Wasser und Erdöl geschont werden.

Für die Lebensmittelindustrie können aber nur die farblosen Flaschen wiederverwendet werden. „Discounter, die ihre Flaschen etwa blau oder grün färben, entziehen sie dem Recyclingprozess“, sagt Bockmühl. Aus diesen Flaschen werden dann keine neuen Flaschen, sondern Kunststoffpaletten oder Gartenmöbel.

„Von den rund 32000 Tonnen Flaschen im Jahr können etwa 24000 wieder zu den lebensmittelchemischen Flakes verwertet werden“, sagt Bockmühl. Am Rostocker Standort arbeiten 55 Mitarbeiter im Vier-Schicht-System. In Mecklenburg-Vorpommern ist Veolia Umweltservice PET Recycling die einzige Firma, die aus Plastikflaschen neue herstellt.

Rohstoffsicherung

Die Rohstoffsicherung soll auch zukünftig gewährleistet sein. „Neben eigenen landesweiten Bohrungsaufnahmen werden von uns zusätzlich jährlich Aufträge im Umfang von etwa 20000 Euro an fachlich versierte Büros aus unserer Region vergeben“, erklärt Dr. Andreas Börner vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern (LUNG). Festgestellt werden sollen somit Rohstoffqualität, Lagerungsverhältnissen der Gesteinsschichten und Tiefenlage des Grundwassers.

Stefanie Adomeit Jana Franke und Anja Levien

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