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Tunnel in Rostocker Straße war nach nur drei Monaten fertig

OZ SERIE: KALENDERBLATT Tunnel in Rostocker Straße war nach nur drei Monaten fertig

Die Unterführung wird seit 117 Jahren genutzt

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Die Bahnunterführung in der Rostocker Straße in Wismar. FOTO: SAMMLUNG DETLEF SCHMIDT

Wismar. . Am 20. November 1909 ist mit dem Bau der Eisenbahnunterführung in der Rostocker Straße ein für damalige Zeiten wichtiges Verkehrsvorhaben realisiert worden.

Die Notwendigkeit der Unterführung ist bis heute unumstritten.

In den sogenannten Gründerjahren nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 und den französischen Reparationszahlungen an Deutschland mit der ungeheuren Summe von fünf Milliarden Goldfranken begann ein deutlicher Wandel in Deutschland durch die stärker zunehmende Industrialisierung. Das hatte Auswirkungen auf die Erweiterung der Städte. Es bildeten sich über die ehemaligen, von Mauern umgebenen Städte die Vorstädte heraus. Hier entstanden neue Wohnungen, um die benötigten Arbeitskräfte unterzubringen. Wer in Wismar in Richtung Rostocker Straße geht, begibt sich in die „Altwismar-Vorstadt“. Hier entstand am 1. November 1888 der Schlachthof, 1890 die Zuckerfabrik und 1898 die Malzfabrik am Platten Kamp, schon vorher die Hobelwerke am Lehmberg. 1901 wurden die ersten Häuser an der Rostocker Straße gebaut, 1906/07 gefolgt vom Straßenquartier Grothusenschanze, Schwartzkopfenhof, Gerberhof und am 3. Juli 1906 vom Platten Kamp.

Eine Trennung von der Innenstadt gab es durch die seit dem 12. Juli 1848 vorhandene Bahnlinie nach Bad Kleinen, welche die Rostocker Straße schnitt. Der Verkehr muss damals schon recht groß

gewesen sein, dass man die vorhandenen Schranken oder wie man sagte „Barrieren“ als Verkehrshindernis sah. So wurde im August 1909, bei Aufrechterhaltung des Bahnverkehrs, mit dem Bau eines Fußgängertunnels begonnen. Die Stadt gab einen Zuschuss von 10000 Mark. Erschwert wurden die Schachtarbeiten durch aufgefundenes starkes Mauerwerk in Klosterformatsteinen in gut zwei Meter Breite. Es war so fest, dass man das Mauerwerk auseinanderkeilen musste. Vermutet wurden hier die aus Aufzeichnungen bekannten Mühlen vor dem Altwismartor, zumal von hier ein Zufluss vom Mühlenteich in die Grube nachgewiesen wurde. Am 20. November, nur drei Monate nach Baubeginn, konnte man Folgendes im „Mecklenburger Tageblatt“ lesen: „Der Tunnel vor dem Altwismartor ist vollendet und man kann ihn zu jeder Zeit benutzen, nicht allein am Tage, sondern auch am Abend, wo er durch Dauerlicht hell erleuchtet ist. Man steigt auf 21 Stufen in die Tiefe, geht 15 kurze Schritte durch den Tunnel und steigt 21 Stufen aufwärts und ist wieder oben. Der Fußboden des Tunnels ist zementiert, und an den Seiten sind glasierte Wandplatten.“

Er sieht heute längst nicht mehr so schön aus wie vor über 100 Jahren, doch er erfüllt seine Funktion immer noch. Spürbar war dies insbesondere, als der gesamte Verkehr nach und von Rostock über diese Straße rollte und man als Fußgänger und Radfahrer froh über diesen Tunnel war. Die Rostocker Straße war bis 1970 die einzige Ausfallstraße Richtung Osten und durch den steigenden Verkehr auf der Straße und der Eisenbahn wurde sie zu einem regelrechten Nadelöhr. Die Eisenbahnschranke Rostocker Straße war nahezu berüchtigt für den Verkehr. Etwas übertrieben schätzte man über den Daumen, dass die Schranke von 24 Stunden gut 18 Stunden geschlossen war. Lange Autostaus waren die Regel und wer mag sich heute vorzustellen, dass durch und über die jetzt unscheinbare Schrankenanlage der gesamte Verkehr von Wismar in Richtung Rostock und Sternberg rollte.

Ende der 60er-Jahre wurde ein zentraler Beschluss zum Brückenbau über den Mühlenteich gefasst und am 7. August 1970 ist die 400 Meter lange Brücke als längste Spannbetonbrücke der DDR eingeweiht worden. Die gesamte Brückenbaulänge betrug über einen Kilometer und kostete 15,3 Millionen DDR-Mark. Für damalige Verhältnisse eine stolze Summe. Wegen des schlechten Untergrundes gab es erhebliche Schwierigkeiten mit der Statik, die jedoch behoben werden konnten und so rollt der Verkehr noch heute über die Brücke. 2004 und 2005 wurde sie komplett überholt und neben der neuen Fußgängergestaltung kam eine andere Verkehrsführung zur Anwendung. Die Hochbrücke ist eine Landesstraße. Das heißt: Für die Bauunterhaltung ist das Land Mecklenburg-Vorpommern zuständig. Aufgrund neuester Messungen ist die Sicherheit der Brücke infrage gestellt, sodass in den nächsten Jahren eine neue Lösung gefunden werden muss.

Was sonst noch geschah

20. November 1554: Fertigstellung des Fürstenhofes.

20. November 2014: Unterzeichnung des Vertrages zur Nutzung der „Kulturkirche“ St. Georgen durch die Hansestadt Wismar und die Kirchgemeinden St. Georgen und St. Marien.

21. November 1901: Der Ostfriedhof wird anlässlich der ersten dortigen Beerdigung feierlich geweiht.

22. November 1835: Bürgermeister Anton J. F. Haupt gestorben.

23. November 1680: Vertrag von Fontainbleau und Lund, Rückgabe Wismars an Schweden.

24. November 2014: Beginn der Abrissarbeiten der Häuser Bleicherweg 25, 26, 27 und 28. Es ist keine Neubebauung vorgesehen, sondern eine Rasenfläche. Das Haus Bleicherweg 28 war das erste Haus, das 1948 in Wismar nach dem Krieg neu aufgebaut wurde.

Detlef Schmidt

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